Wettlauf um die Schätze der Erde

Die Geschichte der Rohstoffe

Vor neun Milliarden Jahren existierten Sonne und Erde noch nicht. Dennoch ist diese Zeit entscheidend für die Vielfalt der Elemente und die Entstehung der Rohstoffe auf der Erde. Der Staub aus den Explosionen von Sternen durchdringt das Universum. Er ist der Ursprung aller Elemente aus der Erde.

Wieder und wieder sterben Sterne in spektakulären Explosionen und neue werden geboren. Der Staub verdichtet sich. Im Zentrum wird es immer heißer - unsere Sonne entsteht. Schließlich zündet sie und bläst so alle leichten Elemente wie Helium oder Wasserstoff an den Rand des Sonnensystems.

Der richtige Abstand

Übrig bleiben in ihrer Nähe schwere Elemente wie Eisen oder Silizium. Einzelne Brocken ballen sich zu größeren Formationen zusammen. Aus dem Sternenstaub werden Planeten. Doch nur in einer ganz bestimmten Entfernung von der Sonne herrschen Bedingungen, die viel später einmal Leben ermöglichen, auf einem Planeten, der eine harte Kruste bildet: die Erde.

Magmabewegung im Erdinneren Quelle: ZDF

Als die Erde abkühlt, sind die meisten Elemente gleichmäßig im Erdmantel verteilt. Die gewaltigen Umwälzungsprozesse im Innern, aber auch der Dauerregen, der Jahrtausende lang niederprasselt, formen die Oberfläche des jungen Planeten neu. Angetrieben vom Kreislauf des Magmas ziehen die abtauchenden Erdplatten Wasser aus den Urozeanen bis zu zehn Kilometer in die Tiefe. Dort löst es wertvolle Minerale aus dem Erdmantel und bringt sie nach oben.

Eisenschichten im Sediment

Auch Eisen, das zunächst durch sein Gewicht in die Tiefe abgesunken war, gelangt so an die Oberfläche. Im Meerwasser gelöst verteilt es sich in den Ozeanen. Das ändert sich, als Cyanobakterien die Photosynthese "erfinden": Dort wo Sauerstoff entsteht, oxidiert das Eisen und fällt aus. In flachen Schelfbereichen, wie vor der Küste Australiens, gedeihen Sauerstoff produzierende Bakterien besonders gut. Großflächig entstehen so genannte Stromatolithen - Sedimentablagerungen aus dem Kalk, den die Mokroorganismen ausscheiden.

Eisenerzmine in Australien Quelle: ZDF

Der aus der Verbindung von Sauerstoff und Eisen entstehende Rost lagert sich ab. In Milliarden Jahren wächst eine Hunderte Meter dicke eisenhaltige Sedimentschicht. So konnte in Australien eine der größten Eisenminen der Welt entstehen, der Whaleback Mountain. Jahr für Jahr werden ihm etwa 70 Millionen Tonnen Eisenerz entnommen. Die Reserven im Berg reichen noch für rund 30 Jahre.

Kampf um Rohstoffe

Inzwischen erobert der Mensch auch die Meere, um an die Schätze der Erde zu gelangen. Allerdings ist man sich nicht einig, wem welcher Anteil an der Unterwasserwelt zusteht. Geologen sind rund um den Globus unterwegs, um den Meeresboden zu erkunden: Was gibt es wo? Und welchen wirtschaftlichen Wert haben die Rohstoffvorkommen in der Tiefe?


Im Pazifik scheint der Meeresboden wie gepflastert mit einer wertvollen Rohstoffquelle: den Manganknollen. Sie enthalten nicht nur Mangan, sondern auch Kupfer, Nickel und Kobalt. Letztere Metalle sind es vor allem, die sie für die Wirtschaft interessant machen. Manganknollen entstehen, wenn sich im Meerwasser gelöste Mineralien um kleine Kerne, die Nuklei, herum anlagern. Sie wachsen sehr langsam, und manche Exemplare sind mehrere Millionen Jahre alt.

Abgesteckte Claims

Die kostbaren Knollen gibt es in allen Ozeanen, doch das bedeutendste Feld befindet sich in internationalem Gewässer, mitten im Pazifik. Nur ein Abkommen mit der UNO-Meeresbodenbehörde erlaubt Nationen, zugewiesene Claims zu untersuchen. Auch Deutschland beackert zwei Parzellen in 5000 Meter Tiefe, 75.000 Quadratkilometer Pazifikboden. Ein Weg, die Schätze der Tiefe wirtschaftlich zu nutzen, ist allerdings noch nicht in Sicht.

Forschungsschiff im arktischen Eismeer Quelle: ,NOAA


Der Kampf um die Ressourcen am Meeresboden ist auch andernorts längst im Gange, zum Beispiel in der Arktis. Die Anrainer zeigen Präsenz, denn wem was unter dem Polarmeer gehört, ist noch unklar. Nach internationalem Seerecht können Staaten eine 200 Seemeilen breite Wirtschaftszone vor ihrer Küste beanspruchen. In flachen Küstengewässern reichen die Ansprüche allerdings weiter. In der Arktis schließen sich an die Küste oft riesige flache Meereszonen an, die Kontinentalschelfe. So erstreckt sich der sibirische Kontinentalschelf über 1000 Kilometer weit nach Norden. Als Grenze gilt dann die Linie, die in 2500 Meter Tiefe am Kontinent entlangläuft, plus weitere 100 Seemeilen ins offene Meer hinaus.

Vermessung der Arktis

In den arktischen Gewässern vor der Küste der USA vermessen Forscher die Ausdehnung der Schelfbereiche mit Echoloten. Sie wollen damit die Ansprüche der USA auf "ihren" Teil des arktischen Ozeans untermauern. Noch steht die Eiswüste des Polarmeers unter Verwaltung der Vereinten Nationen. Doch die Landkarte könnte sich dramatisch verändern. Denn die maximalen Ansprüche fünf verschiedener Staaten - Kanada, USA, Russland, Norwegen und Dänemark - reichen weit.

Bei Überlappungen sollen die Anrainer die Grenzen selbst aushandeln. Dabei gibt es aber ein Problem: Unter dem Pol zieht sich der Lomonossowrücken quer durch das Polarmeer. Die Anrainer sind sich uneinig, wem er gehört. Heute streiten sich Dänemark und Kanada mit Russland um den Gebirgsrücken. Wer ihn geologisch für sich verbuchen kann, hätte Zugriff auf ein großes Stück vom "arktischen Kuchen" samt Rohstoffen. Auch die Dänen sind unterwegs, um mit Tiefenmessungen ihre Ansprüche zu untermauern.

Wem gehört der Lomonossowrücken?

Russische Wissenschaftler haben geologische Proben genommen, um die Zugehörigkeit des Lomonossowrückens zu ihrem Festlandsockel zu belegen. Im August 2007 nehmen sie ihn in einer Aufsehen erregenden Aktion zumindest symbolisch in Besitz. Aber wem gehört der Gebirgszug, geologisch betrachtet, wirklich?

Roboterarm steckt russ. Flagge in Meeresboden Quelle: ZDF

Hilfreich ist normalerweise der Blick in die Vergangenheit: Seit Hunderten Millionen Jahren driften die Kontinente über die Erde. Doch das Gebiet des heutigen Lomonossowrückens war schon damals sehr stabil, denn Grönland und Sibirien bewegen sich gleichförmig. Deshalb ist es schwer zu sagen, ob er mehr mit Sibirien oder mit Grönland verbunden ist. Manche Experten tippen auf Sibirien, denn die häufigen Erdbeben dort seien ein Indiz für Spannungen, und dies spreche für eine relativ feste Brücke. Andere Geologen leiten von den Erdbebenzonen genau das Gegenteil ab. Die Geologie unter dem Eispanzer ist kompliziert und schwer zu erforschen. Es bleibt also spannend in der Arktis.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet