Wettlauf zum Mond

Das Jahrzehnt der Raumfahrt endet mit dem Triumph von Apollo 11

Es ist der Abend des 20. Juli 1969 - nach MEZ der 21. Juli, gegen vier Uhr morgens -, als die NASA-Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin mit der Mondfähre Eagle auf der Oberfläche des Erdtrabanten landen. Dem historischen Moment ist ein jahrelanges Wettrennen ins All zwischen den USA und der Sowjetunion vorausgegangen.

Die Apollo-11-Mission ist der triumphale Abschluss einer über ein Jahrzehnt andauernden Entwicklungsarbeit der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA. Die technischen Grundlagen der bemannten Raumfahrt sind bereits Ende der 1920er Jahre geschaffen worden: Findige Ingenieure und Autobau-Pioniere wie Friz von Opel, der Enkel des Firmengründers der Adam Opel AG, experimentierten mit Raketenantrieben - erst an Automobilen, später an Flugzeugen.

Juri Gagarin, ein sowjetischer Held

Einen entscheidenden Schub erhält der Drang ins Weltall durch ein unerwartetes Ereignis: Am 4. Oktober 1957 schießen die Sowjets den ersten künstlichen Satelliten in die Erdumlaufbahn: Sputnik, russisch für "Weggefährte". Im Westen schlägt die Nachricht ein wie eine Bombe. Vor allem die Amerikaner sind schockiert. Fieberhaft bereiteten sie den Start des Satelliten Explorer 1 vor - vier Monate zu spät. Es ist der Beginn des Wettlaufs um die Vorherrschaft im Weltall, der das folgende Jahrzehnt prägen wird.

In der Sowjetunion ist man schon einen Schritt weiter. Sputnik 2 befördert die Hündin Laika als erstes Lebewesen in den Orbit, weitere Versuche mit Hunden werden erfolgreich abgeschlossen. Nach nur wenigen Experimenten gehen die Sowjets ein großes Risiko ein. Sie wollen die Ersten sein, die einen Menschen ins All schicken. Und streng geheime Mission verläuft erfolgreich: Im April 1961 wird Juri Gagarin mit einer Wostok-Rakete in den Orbit geschossen. Er umkreist auf einem 108-minütigen Flug einmal die Erde. Die Führung der Sowjetunion ist begeistert, Gagarin wird zum Nationalhelden. Überall im Land feiern die Menschen den Erfolg, und auch weltweit wird das Ereignis nun veröffentlicht.

Al Shepard und John Glenn

Doch die Vereinigten Staaten halten Schritt. Drei Wochen später, am 5. Mai 1961, sind auch die Amerikaner bereit für den ersten Raumflug mit einem Menschen. Das Mercury-Programm zwischen 1958 und 1963 ist das erste bemannte Raumfahrtprojekt der USA und Alan Shepard einer der Militär-Testpiloten, die von der NASA als erste Astronauten für die Mercury-Missionen ausgewählt werden. Shepards Flug mit dem Mercury-Raumschiff Freedom 7, der eine Höhe von knapp 190 Kilometern erreicht, ist nicht als Erdumkreisung geplant, sondern als ballistische Flugbahn. Nach etwa 15 Minuten wassert die Mercury-Kapsel mit Shepard sicher im Atlantik.

Die Amerikaner hoffen nun, die Sowjets einholen zu können. Präsident John F. Kennedy macht das Vorhaben zur nationalen Aufgabe. 1961 fordert er in seiner berühmten Rede vor dem Kongress, die Herausforderung der Zeit anzunehmen und vor Ende des Jahrzehnts einen Menschen sicher auf den Mond und zurück zu bringen. 1962 hebt die Mercury-Rakete Atlas 6 von Cape Canaveral ab und bringt den Astronauten John Glenn in die Umlaufbahn der Erde. Fünf Stunden dauert der Rekordflug. Glenn ist der erste Amerikaner, der den Heimatplaneten von einem Raumschiff aus betrachtet - ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Mond. Nun wird die ganze Nation von einem wahren Raumfahrtfieber ergriffen.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen

Aber die Sowjets haben sich bereits ein neues Ziel gesetzt: einen Kosmonauten - so werden Astronauten in den kommunistisch regierten Ländern des Ostens genannt - außerhalb der Rakete im Weltraum schweben zu lassen. Mit Hochdruck konstruieren sie Raumanzüge und Druckschleusen. 1965 schwebt Alexei Leonow als erster Mensch frei im Weltraum - ein weiterer Erfolg für die UdSSR. Drei Monate später präsentieren auch die Amerikaner ihren ersten erfolgreichen Weltraumspaziergang: Der Astronaut White verlässt für 21 Minuten die Raumkapsel. Erneut sind die USA nur Zweiter.

Am Ende des Jahrzehnts der Raumfahrt kommt es zum Showdown. Drei Tage bevor die Amerikaner Apollo 11 starten, hebt eine sowjetische Proton-Rakete zum Mond ab. Sie soll unbemannt einen Roboter auf den Mond bringen, um die allerersten Gesteinsproben zu sammeln. Doch die Mission schlägt fehl. Am 16. Juli 1969 sind die Amerikaner den entscheidenden Schritt voraus, und die Saturn-V-Rakete steht zum größten Raumfahrtabenteuer der Menschheitsgeschichte bereit. Die drei Astronauten Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins starten zum Mond.

Armstrong, Collins, Aldrin Quelle: dpa

Computerleistung eines Handys

Tausende von Zuschauern warten seit Tagen am Startplatz, und rund 500 Millionen Fernsehzuschauer weltweit verfolgen das Unterfangen, das aus heutiger Sicht wie eine kaum zu bewältigende Aufgabe erscheint: Die gesamte Mission wird von Rechnern mit der Leistung eines heutigen Mobiltelefons gesteuert, und mit den drei Astronauten werden insgesamt 130 Tonnen Nutzlast ins Weltall gebracht - doppelt so viel Last wie bei heutigen Shuttleflügen. Beim Start werden Urgewalten entfesselt. Die Triebwerke verbrennen 13 Tonnen Treibstoff pro Sekunde. Der Schub der Rakete ist so stark, dass die Astronauten fest in die Sitze gepresst werden. Sie spüren das Vier- bis Fünffache ihres Körpergewichts. Nach zweieinhalb Minuten ist die Rakete bereits 67 Kilometer von der Erdoberfläche entfernt.

Nach vier Tagen nähern sich Aldrin, Collins und Armstrong in ihrem Apollo-Raumfahrzeug dem Ziel der Reise. Aus solcher Nähe hat noch niemand die Mondlandschaft gesehen. Während die Apollo-Astronauten der vorangegangenen Missionen "nur" auf den Mond schauen durften, sind die Armstrong und Aldrin nun die ersten Menschen, die einen anderen Himmelskörper betreten.

Armstrong und Aldrin hissen auf dem Mond die Flagge der USA
Armstrong und Aldrin auf dem Mond Quelle: dpa

Armstrongs kleiner Schritt

Während Collins mit dem Raumfahrzeug in einer Umlaufbahn um den Mond bleibt, setzen Neil Armstrong und Buzz Aldrin am 20. Juli mit der Mondlandefähre Eagle sicher auf der Oberfläche auf. Die Welt schaut gebannt zu, als Neil Armstrong seinen Fuß als Erster auf den Erdtrabenten setzen darf und mit seinem Funkspruch Geschichte schreibt: "That's one small step for a man, one giant leap for mankind" ("Nur ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit"). Um 3.56 Uhr morgens empfangen die Fernsehzuschauer in Mitteleuropa die verrauschten Signale.

Nur zwei Stunden und 50 Minuten dauert der erste Ausflug im Mondgelände und doch beginnt damit die Eroberung des Weltraums. Es ist bis heute der weiteste Vorstoß des Menschen ins All. Von den Gesteinsproben erhofft man sich Aufschluss über die Entstehung des Mondes und über mögliche Rohstoffvorkommen. 380.000 Kilometer vom Heimatplaneten entfernt hat sich ein amerikanischer Traum erfüllt.

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