Wie Forscher das Unsichtbare sichtbar machen

Können Pferde fliegen?

Vögel tun es, Bienen tun es, sogar manche Säugetiere tun es: fliegen. Aber können Pferde fliegen? Die Frage klingt absurd, ist aber ein Meilenstein der Wissenschaftsgeschichte. Ende des 19. Jahrhunderts hat Eadweard Muybridge eine völlig neue Technologie entwickelt, um herauszufinden, ob Pferde im Galopp den Bodenkontakt völlig verlieren. Er stellte zwei Kameras so hintereinander auf, dass er eine Fotoserie aufnehmen konnte. Es entstand der erste Film der Welt, der Beginn einer rasanten Entwicklung.

Die Zeit zu dehnen, in der ein Prozess abläuft, eröffnet uns erstaunliche Einblicke in eine Welt, die uns normalerweise verborgen ist. Mit modernen Kameras eröffnen sich uns heute noch ganz andere Blicke in eine unbekannte Welt.

Als die Bilder laufen lernten

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Mit diesem Versuch lieferte E. Muybridge den Beweis.

Gibt es beim Pferd im Galopp einen Moment, in dem alle vier Beine vom Boden abheben und das Pferd schwebt? Der Fotograf Eadweard Muybridge tüftelte mehr als fünf Jahre auf Rennbahnen nach einer Antwort. Er verringerte die Belichtungszeiten von Kameras und schaltete mehrere von ihnen hintereinander. So wollte er das Unsichtbare sichtbar machen. Durch Schnüre auf der Rennbahn gelang es ihm, die Kameras kurz nacheinander auszulösen. Die Schnüre befestigte er an zwei einfachen Holzlatten, die zusammen nach unten fielen. Im Moment des Fallens gibt der Schlitz zwischen den Latten Licht auf einen Kamerafilm frei. Muybridge erreichte so eine Verschlusszeit von mehr als einer Tausendstelsekunde.

Die Einzelbilder konnte er mit einem einfachen Projektor zu einem Film verschmelzen, den er nach Belieben schneller machen und wieder verlangsamen konnte. Damit beendete er einen seit Jahren brennenden Streit zwischen Wissenschaftlern, Pferdezüchtern und Malern. Tatsächlich: Im Galopp heben alle vier Beine gleichzeitig vom Boden ab. Muybridge konnte beweisen, dass Pferde in gewisser Weise wirklich fliegen können. Aber ohne es zu ahnen, hat er etwas ganz anderes losgetreten. Seine Bilderserien bildeten den Startpunkt für die Entwicklung des Films.

Fliegen wie ein Vogel

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Beobachtungen des Vogelflugs verführten die Menschen zu riskannten Manövern

Für Wissenschaftler eröffnete sich die Möglichkeit für eine ganz andere Revolution. Wenn schon Pferde fliegen, sollte sich doch auch zeigen lassen, wie Vögel fliegen. Etienne-Jules Marey erfand ein „fotografisches Gewehr“, in dessen Magazin sich eine Filmscheibe dreht. So konnte er mit einer einzelnen Kamera die Phasen des Vogelflugs einfrieren. Ein bis dahin unerfüllbarer Traum des Menschen rückte mit diesen Erkenntnissen in greifbare Nähe. Inspiriert von den Erkenntnissen über den Vogelflug gelang es den Gebrüdern Wright schließlich, Tragflächen zu bauen, die tatsächlich funktionieren.

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