Wie gefährlich sind Handystrahlen?

Das ewige Duell von Skeptikern und Befürwortern

Mehr als vier Milliarden Handynutzer gibt es weltweit. Das entspricht etwa zwei Drittel der Weltbevölkerung. Und täglich werden es mehr. Von Alaska bis zu den Fidschi-Inseln, Sendemasten stehen inzwischen fast überall. Dabei startete der digitale Mobilfunk erst vor 15 Jahren seinen Durchbruch. Ungefähr genauso lange wird die Frage diskutiert, ob Handystrahlen für Menschen schädlich sind.

Wenn es um die Frage der Handystrahlung geht, gehen die Meinungen weit auseinander. Eine Aufgabe für die Wissenschaftler, dem Thema auf den Grund zu gehen. Das Hauptproblem aller Studien zu möglichen Risiken allerdings ist die relativ kurze Zeit, in denen es Mobilfunk in seiner heutigen Form überhaupt erst gibt. Für die Erforschung von Langzeitwirkungen mittels entsprechender Studien existiert Mobilfunk einfach noch nicht lange genug.

Das Geschäft mit der Angst


Ein Anruf genügt, und die Handystrahlen erhitzen das Popcorn so stark, dass es aufplatzt. Unglaublich? Solche Videos kursierten vor einiger Zeit im Internet und machten Handybenutzern Angst. Handystrahlung liegt im Mikrowellenbereich. Könnte sie den gleichen Effekt wie ein Mikrowellenofen haben? In Wirklichkeit waren die Videos Fälschungen. Tatsächlich wurde der Film mit dem aufplatzenden Popcorn von einer Firma lanciert, die damit den Verkauf von strahlungsärmeren Head-Sets ankurbeln wollte.

Doch wie berechtigt ist die Angst vor der Handystrahlung? Seit 50 Jahren gibt es schnurlose, strahlende Telefone. Aber seit dieser Zeit ist viel passiert. Handys haben eine rasante Entwicklung durchlaufen und wurden ständig verbessert. Sie wurden nicht nur kleiner und sparsamer im Verbrauch, sondern strahlen auch immer weniger wärmende Mikrowellen ab. Der Hitzeeffekt war früh im Visier der Risikoforschung. Mithilfe von Dummys, mit Flüssigkeit gefüllten Kunstköpfen, ermittelte sie die Erwärmung beim Telefonieren. Heute gelten Grenzwerte, nach denen selbst Dauergespräche die Temperatur maximal um ein Zehntel Grad erhöhen dürfen. Ein gesundheitlich unbedenklicher Wert.

Skandalträchtige Studie

Doch Skeptiker vermuten noch weiter reichende Effekte der Handystrahlen. Sie befürchten eine Schädigung der Erbsubstanz wie bei Röntgen- oder Gammastrahlung. Experimente sollen den Verdacht klären. Forscher setzen menschliche Zellen den Handystrahlen aus. Das Ergebnis ist widersprüchlich. Manche meinen Hinweise auf DNA-Schäden gefunden zu haben, andere vertreten eine gegensätzliche Meinung.

Beide Lager stehen sich bei der Risikobewertung unversöhnlich gegenüber. Die Gelehrten streiten sich bis heute. Eine Untersuchung erregte besonderes Aufsehen. Aus Wien kam die Nachricht, Forscher hätten Nachweise von Erbgutschäden gefunden. Doch die Ergebnisse der Studie hielten einer Überprüfung nicht stand. Von Fälschung ist die Rede. Klar ist, dass die Energie der Strahlen ist viel zu gering ist, um diesen Effekt direkt zu verursachen.

Stress für Pflanzen

Weitere Experimente sollen nun klären, ob die Strahlung Zellen vielleicht auf eine andere Art verändern könnte, durch einen noch unbekannten Mechanismus. Die Versuchsobjekte waren Pflanzen. Schließlich leben sie von Strahlungsenergie von der Sonne. Reagieren Pflanzen aber auch auf die energieärmere Handystrahlung? Im Experiment zeigt sich nach der Bestrahlung eine Stressreaktion. Die Konzentration verschiedener Pflanzeninhaltsstoffe verändern sich.

Doch was bedeutet das für den Menschen? Ließe sich ein ähnlicher Effekt auch für menschliche Hautzellen nachweisen, so wäre das zumindest eine erste Spur. Der Pflanzenversuch wurde mit Hautzellen wiederholt. Das Ergebnis: Die Hautzellen zeigen keine Reaktion.

Verursachen Handys Krebs?

Die zentrale Frage ist also noch immer offen: Können Handys krank machen? Laborstudien liefern bislang keine Anhaltspunkte, auf welche Weise dies geschehen könnte. Mehr Aufschluss erhofft man sich durch Langzeitbeobachtungen von Handynutzern. Die sogenannte Interphonestudie hatte zum Ziel, einen vermuteten Zusammenhang zwischen seltenen Hirntumoren und Handynutzung auf den Grund zu gehen. Über 10.000 Menschen weltweit nahmen an der Studie teil. Man verglich das Handyverhalten Erkrankter mit dem Gesunder.

Die Auswertung aller bisherigen Daten liefert keinen belegbaren Zusammenhang zwischen Krebs und der Häufigkeit der Handynutzung. Eine absolute Entwarnung ist das nicht. Doch nach allem, was man bis heute weiß, ist die Gefahr denkbar klein. Nach Jahrzehnten Handy-Telefonie müssten sonst die Spuren eines Risikos schon unverkennbar zutage treten.

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