Wie Kreationisten die Welt erklären

Schöpfungsgeschichte contra Naturwissenschaft

Die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten gleicht einem Wunder. So ist es naheliegend, dass manche als Erklärung überirdische Kräfte bemühen. Nur ein göttlicher Schöpfer kann dies vollbracht haben. Jede Art entstammt seiner gestaltenden Hand, so eine in bestimmten Kreisen verbreitete Überzeugung. Vor allem in den USA findet der Kreationismus viele Anhänger.

Grafik: Dinosaurier Quelle: ZDF

Fast die Hälfte der US-Amerikaner lehnt die Evolutionslehre ab. Und viele glauben eher an die biblische Genesis als an das Wirken einer höheren Macht. Die Kreationisten glauben, dass alle Tiere innerhalb weniger Tage erschaffen wurden. Auf der Erde, die laut ihnen nur etwa 10.000 Jahre alt sein soll, hätten einst Menschen und Dinosaurier nebeneinander gelebt. Erst eine weltweite Katastrophe, die Gott über die Erde kommen ließ, habe das friedvolle Miteinander beendet: die Sintflut.

Die Langsamkeit der Evolution

Gand Canyon Text 4 Quelle: ZDF


Anhänger dieser Lehre suchen nach Beweisen für das Wirken der Sintflut, und sie finden sie in Naturformationen wie dem Grand Canyon. Er soll allein durch die Sintflut entstanden sein. Der Grand Canyon wurde zwar tatsächlich durch die Kraft des Wassers geschaffen, doch es gibt ein entscheidendes Merkmal, das die Kreationisten ignorieren: Der Prozess verlief extrem langsam.

Die etwa 450 Kilometer lange Schlucht ist nicht die Folge einer einzigen großen Sintflut, sondern das Ergebnis Tausender Fluten. Über Zwei Millionen Jahre hat sich das Wasser in wiederkehrenden Überschwemmungen seinen Weg durch die Felsen gefressen. In der ansonsten trockenen Region konnten die Fluten ihre gewaltige formende Kraft entfalten.

Ein intelligenter Designer

Alle Landschaften der Erde erzählen von einer langen Geschichte ihrer Entstehung und Veränderung. Und auch das Leben lässt sich nur durch eine Entwicklung über lange Zeiträume deuten. Nicht Tausende, sondern Milliarden Jahre hat das Leben gebraucht, sich zu entwickeln. Würde man die Zeitskala für die Geschichte der Erde vom Ursprung bis heute auf ein Hochhaus von der Höhe des Empire State Building projizieren, so entsprächen die letzten 10.000 Jahre gerade mal der Farbschicht auf dem obersten Stockwerk.

In einem amerikanischen Museum: Mädchen sitzt neben Dino.
Museum Dino Text 4 Quelle: ZDF

Doch es gibt auch Vertreter der Schöpfungslehre, die die lange Erdgeschichte anerkennen und trotzdem einen göttlichen Plan hinter dem Wunder des Lebens vermuten. Sie bleiben dabei: Ein "intelligenter Designer" hat im Laufe der Zeit alle Arten einzeln erschaffen. Ein Evolutionsprozess, der die Vielfalt des Lebens durch Mutation und Selektion hervorbrachte, hat es in ihren Augen nicht gegeben. Die Dinosaurier, die vor 65 Millionen Jahren ausgestorben sind, gingen als Erdenbewohner schlicht verloren und waren ohne jegliche Bedeutung für die überlebenden Arten.

Funktion der Federn

Eine Verwandtschaft zwischen Dinosauriern und Vögeln kann es demnach gar nicht geben. Die Evolutionskritiker argumentieren damit, dass nur ein bereits funktionstüchtiger Flügel mit ausgebildeten Flugfedern im Kampf ums Dasein hätten von Nutzen sein können. Saurier, deren Flügel und Federn nicht zum Fliegen taugten, haben sich ihrer Meinung nach nicht weiter zu Vögeln entwickeln können. Dass Federn unterschiedliche Funktionen erfüllen können, ließ man außer acht.

Die Evolutionsbiologen kommen zu einem ganz anderen Ergebnis. An fossilen Dinosaurierknochen finden sie Strukturen, die sie Federn zuordneten. Doch der Dinosaurier, von dem die Knochen sind, war viel zu groß und schwer zum Fliegen. Die Federn dienten dem räuberischen Laufsaurier als Stabilisatoren, ähnlich wie heute noch dem Vogel Strauß.

Wissenschaft kennt keinen Stillstand

Anhand der Spuren von Federn bei kleineren Sauriern lassen sich noch weitere Belege dafür ableiten, dass solchen Übergangsformen tatsächlich existiert haben. Die Federn dienten vermutlich zur Wärmeisolation. Das Fliegen ist nicht über Nacht entstanden. Es gab Zwischenformen, Tiere mit Federn, die zwar noch nicht perfekt fliegen konnten, aber auf dem besten Wege waren. Für Evolutionsbiologen ist heute klar: Die Eroberung der Lüfte begann mit dem Gleitflug. Ein Vorteil war für die Saurier, dass sie dadurch in den Baumwipfeln Schutz vor ihren Feinden fanden. Falls Gefahr drohte, konnten sie leicht zum nächsten Baum gleiten.

So entpuppt sich die Idee von einem "intelligenten Designer" als Versuch, auf den ersten Blick nicht zu begreifende Phänomene zu erklären und mit einer religiösen Überzeugung in Einklang zu bringen. Doch alle Indizien sprechen dagegen. Die Evolutionslehre hingegen steht mit jedem neuen Fund, mit jeder neuen Erkenntnis auf dem Prüfstand. Sie stellt sich wissenschaftlich begründeter Kritik und wird, wenn nötig, entsprechend der neuen Erkenntnisse stetig angepasst.

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