Wie steht es um den Deutschen Wald?

Gefahren von gestern und heute

Vor 30 Jahren griff die Angst vor dem Waldsterben um sich wie ein Lauffeuer. Bilder aus dem Erzgebirge präsentierten düstere Vorboten einer flächendeckenden dramatischen Entwicklung. Nach manchen Prognosen aus den 1980er-Jahren, dürfte es in Deutschland heute keinen Baum mehr geben, der Wald sollte eigentlich schon längst "tot" sein.

Toter Wald Quelle: getty images

Deutsche Märchen und Sagen machen den Wald zu einem mystischen Ort. Zahllose Dichter haben ihm mit ihren Werken Denkmäler gesetzt. Das Rauschen der Blätter lässt das Herz vieler Menschen höher schlagen. Die Angst, dies alles zu verlieren war es, die in den 1980er-Jahren Horrorszenarien sprießen ließ. Der Wald nimmt in der deutschen Kultur eine großen Wert ein. Die Menschen haben traditionell eine starke Bindung an ihn. So waren die Schuldigen rasch ausgemacht: schwefelhaltige Emissionen aus den Schloten der Industrie und die Abgase der Autos.

Rettende Maßnahmen

Auch in Nachbarländern sterben Bäume. Doch nirgends nimmt die Angst um die Zukunft der Wälder einen solchen Stellenwert ein wie in Deutschland. Die Bevölkerung geht auf die Straße, die Presse sympathisiert mit den Umweltaktivisten, und der enorme öffentliche Druck zeigte Wirkung.

Demo Waldsterben Text 5

Verordnete Rauchgasfilter verringerten den Schwefelausstoß der Industrie um fast zwei Drittel. Die Autoabgaswerte wurden reglementiert, der Katalysator Pflicht. Das half zumindest den Wäldern an ungünstigen Standorten, insbesondere dort, wo der Boden dem sauren Regen kaum Pufferkapazität entgegenzusetzen hatte.

Aktive Forschung

Auch wenn aus heutiger Sicht die damaligen Emotionen vielleicht übertrieben waren und sich Experten um das tatsächliche Ausmaß der Schäden streiten, eines steht fest: Hätte es die Auseinandersetzung um das Waldsterben nicht gegeben, wüssten wir längst nicht so viel über diesen Lebensraum. Hunderte Forschungsprojekte wurden gestartet, die sich mit saurem Regen befassten und den Schäden, die er auf verschiedenen Pflanzenarten und in unterschiedlichen Böden verursacht. Ganze Waldareale sind zu Freiluft-Experimentierflächen geworden, um die Wechselwirkungen bis ins Detail zu erforschen.

forschungsanlage Saurer Regen Text 5

Ein jährlicher Waldschadensbericht wird erstellt, eine Art "Fieberkurve", die das Wohlbefinden der Baumarten spiegelt. Regelmäßige Kalkungen helfen in manchen Gebieten, eine schwache Pufferwirkung des Bodens zu stärken. So hat der Wald selbst an ungünstigen Standorten heute wieder eine Chance.

Waldkiller Klimawandel

Der Begriff "Waldsterben" ist längst aus den Nachrichten verschwunden. Und doch droht die Gefahr zurückzukommen. Die Ursache ist allerdings eine völlig andere: der Klimawandel. Was geschieht, wenn sich das Klima weiter erwärmt? Um dies abzuschätzen, simulieren Schweizer Wissenschaftler unterschiedliche Temperatur- und Feuchtigkeitsszenarien und deren Auswirkungen auf Setzlinge von Kiefern. Das Ergebnis: Wenn die Durchschnittstemperatur nur um zwei Grad Celsius steigt, und das ist eine realistische Annahme, treiben kaum noch Samen aus.

Nimmt außerdem die Stärke von Stürmen zu, und auch das ist zu erwarten, ist mit noch massiverem Waldbruch zu rechnen. Um sich für die kommenden Herausforderungen zu wappnen, müssen neue Arten angepflanzt werden, die den künftigen Bedingungen trotzen. Der deutsche Wald wird sich verändern müssen, soll er nicht in ferner Zukunft doch noch dahinsiechen, wie einst prophezeit.

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