Wie viel ist die Natur wert?

Umweltschutz als Investition für die Zukunft

An kaum einem Ort der Erde herrscht eine ähnlich große Vielfalt wie auf Madagaskar. Hier leben viele Tier- und Pflanzenarten, die nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen. Madagaskar zählt deshalb zu den so genannten Hotspots. Viele der besonders artenreiche Gebiete liegen in Ländern, die sich ihren Schutz nur schwer leisten können. Hieraus ergibt sich die Verantwortung, Entwicklungsländer beim Erhalt der Artenvielfalt zu unterstützen.

Bäume in Madagaskar.
Bäume in Madagaskar Quelle: ,ZDF

Das starke Bevölkerungswachstum, die große Armut und traditionelle Landwirtschaft bedrohen Madagaskars Natur. Für neue Ackerflächen und Brennmaterial werden Regenwälder abgeholzt. Von den ursprünglichen Waldgebieten sind nur noch zirca zehn Prozent erhalten. Die größten zusammenhängenden Flächen liegen auf der Masoala-Halbinsel im Nordosten des Landes.

Kampf gegen das Aussterben

Forscher im Zeppelin in Madagaskar.
Zeppelin, Text 5


Ein Teil der Masoala-Halbinsel ist als Nationalpark geschützt. Hier wollen Wissenschaftler die besonders artenreichen Baumkronen erforschen. Denn noch ist längst nicht alles Leben auf Madagaskar bekannt. Es ist ein sehr aufwendiges Vorhaben. Mithilfe eines Zeppelins sammeln die Forscher Proben im Blätterdach. Dabei entdecken sie viele unbekannte Arten, manche mit erstaunlichen Eigenschaften, die durchaus von wirtschaftlichem Interesse sein könnten.

Forscher ernten mithilfe eines Zeppelins Proben aus den Baumkoronen des Regenwaldes.
Zeppelin von Oben Madagaskar

In anderen Gegenden dagegen ist ein dramatischer Artenschwund zu verzeichnen. Der Alaotra-See, der größte See Madagaskars beispielsweise, ist die Heimat des Alaotra-Halbmakis. Es ist die einzige Affenart, die über dem Wasser auf Schilf- und Papyrusstauden lebt. Das Verbreitungsgebiet beschränkt sich auf einen 180 Quadratkilometer großen, sumpfigen Bereich des Sees. Doch Menschen vernichten kontinuierlich den Lebensraum der Äffchen. Um Zugang zu Fischgründen zu bekommen oder Weideland zu schaffen, werden große Schilf- und Papyrusflächen abgebrannt. Der Alaotra-Halbmaki ist inzwischen vom Aussterben bedroht. Sein Bestand wird auf nur noch 2500 Tiere geschätzt. Vor zehn Jahren gab es noch mehr als doppelt so viele.

Gefährliche Pläne

Auch der Druck auf die letzten Wälder wächst. Die mehr als 20 Millionen Madegassen benötigen Ackerland und Brennholz. Über 90 Prozent der ursprünglichen Wälder haben sie bereits gerodet. Ende vergangenen Jahres verkündete ein südkoreanischer Konzern den Plan, 1,3 Millionen Hektar, das entspricht etwa der Hälfte des kultivierbaren Landes auf Madagaskar, von der madagassischen Regierung pachten zu wollen. Darauf sollten Mais und Palmöl für Südkorea angebaut werden. Die Kleinbauern fürchteten nun um ihr Land. Nachdem die Pläne bekannt geworden waren, kam es im Januar in der Hauptstadt Antananarivo zu Massenprotesten.

Blick über ein Tal mit Feldern.
Landwirtschaft Madagaskar Text 5
Protest der Bauern.
Proteste Text 5


Ein Machtkampf zwischen Regierung und Opposition entbrannte. Die Lage eskalierte. Polizei und Militär eröffneten das Feuer auf die Demonstranten, es gab mehr als hundert Tote und zahlreiche Verletze. Inzwischen ist die Regierung gestürzt, der Handel um das fruchtbare Ackerland geplatzt. Es ist das spektakulärste Beispiel eines weltweiten Trends: Reiche Staaten, Konzerne und Investoren versuchen, sich kultivierbares Land zu sichern, oft in Entwicklungsländern.

Dienstleister Regenwald

In vielen gerodeten Regionen Madagaskars klaffen inzwischen tiefe Krater im Boden. Einst hielten Baumwurzeln die Erde fest. Jetzt spült der Regen den fruchtbaren Boden unwiederbringlich davon. Die weggeschwemmte Erde lässt Reisfelder und Fischteiche versanden - ein zusätzlicher Schaden. Im Nationalpark auf der Masoala-Halbinsel ist Erosionsschutz nur eine von vielen Leistungen, die der Urwald praktisch kostenlos erbringt.

Durch Erosion hat sich ein riesiger Krater gebildet.
Krater Erosion, Text 5 Quelle: Vu Du Ciel

Eine weitere Leistung des Regenwaldes ist der Klimaschutz. Seine Bäume speichern 44 Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid. Darüber hinaus dient der Wald 8000 Haushalten als Quelle für Nahrung, Baumaterial und Heilpflanzen wie das Madagaskar-Immergrün. Aus ihm haben Forscher ein Medikament entwickelt, das die Überlebensrate von Kindern mit Leukämie deutlich erhöht.

Verantwortung der Industriestaaten

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Menschen Madagaskar


Masoala bietet außerdem einen hohen Erholungswert. Der Park zog im Jahr 2006 mehr als 3000 Touristen an. Etwa 60 Prozent von ihnen kamen aus dem Ausland der Natur wegen hierher. Den Wert all dieser "Dienstleistungen" schätzen die Forscher auf rund 90 Millionen Euro. Menschen aus aller Welt profitieren von dem 230.000 Hektar großen Kleinod der Natur und seiner Artenvielfalt.

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