Wüstenvision Desertec

Kann die Sonne den wachsenden Energiehunger stillen?

Hinter dem Großprojekt Desertec verbirgt sich die Idee, die Energieprobleme der Zukunft mithilfe der Wüstensonne zu lösen. Das Konzept, entwickelt von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren, findet inzwischen auch bei Stromkonzernen und Versicherungsunternehmen Unterstützer.

Spiegel des Solarkraftwerk Andasol.
Spiegel des Solarkraftwerk Andasol. Quelle: ZDF

Europas Pionieranlage steht in Südspanien, in der Provinz Granada. Andasol, das derzeit größte Solarkraftwerk der Welt, liefert schon heute Strom für etwa 200.000 Menschen. Die Technologie gleicht der eines Kohledampfkraftwerks, mit dem Unterschied, dass keine fossilen Brennstoffe gebraucht werden, sondern die Sonne die nötige Energie liefert.

Solarthermische Kraftwerke

Solarkraftwerk Andasol
Parabolrinnen Andasol Text 6 Quelle: ZDF


Gewölbte Spiegel bündeln das Sonnenlicht wie ein Brennglas und konzentrieren es 80-fach in einer Glas- oder Metallröhre. So wird ein spezielles Öl oder Wasser erhitzt und damit Dampf erzeugt. Wie in jedem anderen Kraftwerk auch, werden so Turbinen angetrieben. Solarthermische Kraftwerke wie dieses sollen, so das Konzept, in der Sahara gebaut werden und Strom für Europa liefern.

Denn die Wüstensonne scheint das ganze Jahr über gleichmäßig. Und solarthermische Kraftwerke können einen großen Teil der Sonnenwärme des Tages in großen Wärmespeichern sammeln, um sie erst nachts oder bei Lastspitzen gezielt abzugeben. Wie Kohle- oder Kernkraftwerke lassen sich solarthermische Anlagen im Dauerbetrieb fahren und ermöglichen es so, nach Bedarf unsere heimischen erneuerbaren Energien zu ergänzen, die je nach Wetter und Jahreszeit schwanken.

Stromautobahnen nach Europa

Eine gewaltige Herausforderung ist der Transport. Um den Strom aus der Sahara bis nach Deutschland zu bringen, setzen die Ingenieure auf Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ), eine Art Stromautobahn. Sie arbeitet mit sehr hoher Spannung von bis zu 800.000 Volt - und Gleichstrom. Denn eine Wechselstromübertragung würde schon ab einer Entfernung von rund 600 Kilometern an technische und wirtschaftliche Grenzen stoßen, weil durch den ständigen Aufbau des elektrischen Wechselfeldes insbesondere bei langen Leitungen große Verluste entstehen.

Und es gibt noch einen weiteren Grund, der für den Gleichstrom spricht. Denn leitet man Wechselstrom durch ein Kabel, wird nur ein geringer Teil des Querschnitts genutzt, und Energie geht verloren. Für lange Strecken müsste deshalb ein großer Leitungsquerschnitt gewählt werden, damit über die große Entfernung nicht zu viel Energie entweicht. Durch den großen Querschnitt würden die Leitungen aber viel zu schwer, und die Zusatzkosten für die gewaltigen Masten wären zu hoch. Bei Gleichstromübertragung wird der gesamte Kabelquerschnitt genutzt. Deshalb werden weniger Kabel benötigt, und man kann sie dichter verlegen. Die HGÜ-Über-Land-Leitungen brauchen daher nur schmale Schneisen und sind kostengünstiger.

Wüstensonne schützt das Klima

Stromleitungen
Sonne hinter Strommasten Text 6 Quelle: ZDF


Die technischen Voraussetzungen für das ambitionierte Projekt sind geschaffen. Allerdings, so die Analyse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, DLR, müssten die Planungen jetzt beginnen, damit ab 2020 der erste Wüstenstrom zu uns kommen kann. Dann aber ließen sich allein durch die Nutzung der Sonnenenergie in der Sahara bis 2050 jährlich mehr als 260 Millionen Tonnen CO2 vermeiden. Doch Strom aus Nordafrika ist nur eine Möglichkeit. Das Energiepotenzial aller Wüsten der Welt ist gewaltig. Nach neuesten Berechnungen könnten dort Jahr für Jahr drei Millionen Terrawattstunden Strom produziert werden. Zum Vergleich: 18.000 Terrawattstunden werden zurzeit weltweit verbraucht.

Die Wüstensonne könnte deshalb auch eine Lösung für den steigenden Energiehunger der Schwellen- und Entwicklungsländer sein, ohne das Klima weiter zu belasten. Denn die Kosten für Schäden durch den Klimawandel nehmen jährlich um drei bis vier Prozent zu. Wohl nicht ohne Grund gehört der Versicherungskonzern Münchener Rück zu dem Konsortium aus Finanz-, Industrie- und Energiekonzernen, die das Desertec-Projekt auf den Weg bringen möchten. Das ist Rückenwind für die Forscher, die seit Jahren auf die Kraft der Wüstensonne setzen. Sie hoffen jetzt auf den politischen Willen, ihre Vision zu verwirklichen.

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