Wunderwaffe DNA-Analyse

Ein Räuspern genügt

Der genetische Fingerabdruck ist die stärkste Waffe moderner Ermittler. Seit der ersten Anwendung in einem Doppelmordfall in England im Jahr 1986 reichen immer geringere Spuren aus, um ein Profil zu erstellen, das den Täter eindeutig identifiziert. Selbst räuspern kann schon ausreichen. Das perfekte Verbrechen scheint heute unmöglich.

DNA-Tests revolutionierten die Strafrechtssprechung. Fingerabdrücke lassen sich am Tatort noch relativ einfach vermeiden, durch Abwischen oder das Tragen von Handschuhen. Doch die mikroskopisch kleinen Spuren für einen DNA-Nachweis kann ein Täter mit bloßem Auge nicht sehen und so auch nicht beseitigen. Und die Verfahren zur Analyse von DNA werden ständig weiterentwickelt.

War Jack the Ripper eine Frau?


Im Sommer 1888 erschütterte eine Reihe grauenhafter Morde die Millionenstadt London. Im Visier des Mörders standen Prostituierte des Armenviertels Whitechapel. Fünf Frauen schlachtete er mit einem langen Messer regelrecht ab. Die Polizei ermittelte gegen eine Vielzahl an Verdächtigen, der wahre Mörder jedoch blieb unentdeckt. In einer Reihe von Briefen verhöhnte er gar die Polizei und nannte sich "Jack the Ripper".

Was er nicht ahnte: dass diese Briefe 150 Jahre später doch noch auf seine Spur führten. Australische Forscher fanden unter einer Briefmarke Zellen der Mundschleimhaut. Daraus ermittelten sie den Teil eines DNA-Profils. Die DNA offenbarte eine Überraschung: Die Spucke stammte von einer Frau. Im Verdacht steht Mary Pearcey. Sie hatte auf ähnlich brutale Weise einen Mord begangen, der damals nicht mit Jack the Ripper in Verbindung gebracht wurde und war dafür gehängt worden. Danach hörten auch die grausamen Prostituiertenmorde auf. "Jack" hatte eine Menge Spuren hinterlassen. Nur damals konnte sie niemand lesen.

Ein "todsicheres" Instrument


Im Jahr 1986 überführte die DNA-Analyse erstmals einen Täter. Er vergewaltigte 1983 in einem Dorf nahe der britischen Stadt Leicester eine junge Frau und ermordete sie. Drei Jahre später gab es einen weiteren Sexualmord in der Kleinstadt. Die Polizisten nahmen einen Verdächtigen fest, im Glauben, den Doppelmörder geschnappt zu haben. In beiden Fällen hatten sie Samenspuren gesichert. Sie setzten eine brandneue Technik ein: die DNA-Analyse. Das Ergebnis zeigte, dass die Morde auf das Konto desselben Täters gingen. Doch der Verdächtige war unschuldig. Schließlich entlarvte die neue Technik bei der ersten Reihenuntersuchung der Geschichte den wahren Mörder.

Im Wettstreit mit den Tätern hatten die Kriminalisten nun ein scheinbar unschlagbares Instrument in der Hand. Und die Technik verbesserte sich rasant. Benötigten sie ende der 1980er-Jahre noch große Mengen Blut oder Sperma für einen DNA-Test, reicht heute eine einzige Zelle, eine einzelne Hautschuppe, ein winziger Tropfen Blut. Es ist kaum mehr möglich, "spurlos" von einem Tatort zu verschwinden. Selbst ein ausgefallenes Haar genügt für den genetischen Fingerabdruck.

Entlastungszeuge DNA

Doch die Grenze ist noch nicht erreicht. Selbst den Mund darf ein Verbrecher am Tatort nicht mehr öffnen, so die Schlussfolgerung aus Untersuchungen britischer Wissenschaftler. Sie stellten fest: Bereits 30 Sekunden Sprechen reichen aus, um unverwechselbare Spuren zu hinterlassen. Denn selbst aus dem Atemhauch lässt sich theoretisch ein genetischer Fingerabdruck ermitteln. Ein kurzes Räuspern - schon verloren. Zigtausende Tröpfchen mit Hunderttausenden seiner Zellen hat der Täter damit den Ermittlern hinterlassen.

Schon heute bringt die hochentwickelte Analysetechnik nicht nur Verbrecher hinter Gitter, sie bringt auch immer wieder Unschuldigen die Freiheit. Der Amerikaner James Bain verbrachte 35 Jahre zu Unrecht im Gefängnis. Eine falsche Zeugenaussage hatte zu seiner Verurteilung geführt. Erst ein DNA-Test bewies kürzlich seine Unschuld. Allein in den USA kamen bis heute über 250 Unschuldige dank DANN-Analyse wieder frei.

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