Zwischen Ekel und Genuss

Das rätselhafte Reich der Sinne

Wissen | Leschs Kosmos - Zwischen Ekel und Genuss

Darf es noch ein bisschen mehr sein? Harald Lesch mit einem ausführlichen Kommentar zur Sendung "Zwischen Ekel und Genuss: Das rätselhafte Reich der Sinne".

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.07.2018, 00:00

Schokotörtchen, Zuckermandeln oder der Eintopf aus der Kindheit – bestimmten Lebensmitteln können wir einfach nicht widerstehen. Kaum ein anderer Sinn ist so stark mit Genuss verbunden wie der Geschmack. Aber liegt seine einzige Funktion darin, den Gaumen zu erfreuen? Ist er ein reines Geschenk der Natur?

Wie Geschmack geprägt wird und warum uns nicht alles schmeckt, was unsere Mitmenschen genießen, erklärt Professor Harald Lesch in der neuen Folge von Abenteuer Forschung. Er macht sich auf die Suche nach dem Geheimnis des Geschmacks – den Sinneserfahrungen zwischen Ekel und Genuss.

Manipulation unseres Geschmackssinns

Jungwinzer bei der Weinprobe
Können wir uns auf unseren Geschmackssinn verassen? Quelle: dpa

Können wir uns auf unseren Geschmackssinn verlassen? Die Zunge erkennt süß, sauer, salzig, bitter und umami, also herzhaft. Doch auch Geruch, Konsistenz und Temperatur fließen in die Sinneswahrnehmung mit ein. Zusätzlich bestimmt unser visuelles System das geschmackliche Erlebnis – und das betrifft nicht nur die Optik der Speise, sondern sogar die Umgebung, in der gegessen wird.

Forscher wollen wissen, wie groß der Einfluss der anderen Sinne wirklich ist – und wie weit sich der Geschmackssinn von Nase und Augen täuschen lässt. Ein Versuch mit Weinliebhabern soll Aufschluss geben, ob eine visuelle Information wichtig ist für die Einordnung des Geschmacks. Schmecken wir vielleicht nur das, was wir sehen?

Die Sucht nach Süße

Frau isst ein Stück Schokolade
Nichts auf der Welt schmeckt süß und ist giftig. Kommt daher die Lust?

Seit über 150 Jahren nimmt der Zuckerkonsum weltweit zu. Der süßen Verlockung können wir anscheinend immer weniger widerstehen. Inzwischen verspeist jeder Deutsche pro Jahr 36 Kilogramm Zucker. Das ist sechs Mal so viel wie vor 200 Jahren. Schon Kleinkinder bevorzugen Süßes vor allen anderen Geschmacksrichtungen. Woher kommt diese Vorliebe? Und warum wollen wir immer mehr davon? Für unsere Ahnen war es wichtig, süße Nahrung zu finden: Sie ist meist sehr energiereich – und es gibt nichts, das süß schmeckt und zugleich giftig ist. Die „Süßpräferenz“ ist der „Sicherheitsgeschmack“ der Evolution.

Die Sucht nach Süßem begleitet den Menschen seit der Entdeckung des Zuckers. Der Anbau und Handel der kostbaren Importware hat zu Kolonialzeiten viele Opfer gefordert. Zucker wurde jahrhundertelang jeder Medizin beigemischt und galt sogar als Wundermittel gegen die Pest. Erst mit der Entdeckung des Zuckers in der Rübe verlor das weiße Gold seinen Status und wurde zum preiswerten Massenprodukt. Manche Menschen können nicht mehr aufhören, Süßes zu essen. Woher kommt diese kaum stillbare Lust auf Zuckerhaltiges? Am Suchtinstitut Mannheim werden unter anderem zu diesem Thema Versuche durchgeführt. Die Forscher wollen wissen, was dahinter steckt und untersuchen, wie das Gehirn auf süße Speisen reagiert. Ist aus der Präferenz unserer Vorfahren eine Sucht geworden?

Zwischen Lust und Ekel

Verkauf gebratene Insekten
Etwa 1900 Insekten sind für den menschlichen Speiseplan geeignet.

In unserer globalisierten Welt nähern sich die Kulturen einander an. Doch etwas scheint uns beharrlich fremd zu bleiben: die Esskultur. In Asien gelten Tiere als Delikatesse, die bei Europäern eher Ekel auslösen: Insekten. Westliche Schlemmer halten solche Bissen meist für ungenießbar. Dabei sind etwa 1900 Insektenarten für den menschlichen Speiseplan geeignet. Und fast alle Völker haben damit kein Problem. Die einzigen, die solche Krabbeltiere verschmähen, sind Nordamerikaner und Europäer. Was ist die Ursache für unüberwindlichen Ekel gegenüber bestimmten Speisen?

Niederländische Forscher sind überzeugt, dass sich die globalen Ernährungsprobleme lindern ließen, wenn man nur Europäer an einen Geschmack gewöhnen könnte, der noch die meisten von ihnen schaudern lässt: Insekten. Heuschrecken und andere Insekten auf dem Mittagstisch, Maden als Zwischendurch-Snack – ist das die Zukunft? Wir haben andere kulinarische Vorlieben, und das hat seinen Grund. Vielleicht steht in unseren Küchen aber bald schon ein Kulturwandel an. Das Reich der Sinne birgt noch manche Überraschung.

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