Alfred Nobel, Vater des Dynamits

Sprengstoff entwickelt sich zum Bombengeschäft

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Alfred Nobel ist der Vater des Dynamits. Seine Erfindung markiert den Wendepunkt in der Weltgeschichte von Sprengstoffen, die bis heute für zivile und militärische Zwecke genutzt werden.

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4 min
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Video verfügbar bis 05.02.2017, 18:30

Die Chinesen haben vor etwa 1000 Jahren das Schwarzpulver erfunden und das Privileg der Götter auf Blitz und Donner gebrochen. Doch dieser Stoff ist nicht zu vergleichen mit der Kraft von Sprengstoffen, wie das Dynamit, das Alfred Nobel aus Nitroglycerin weiter entwickelt und revolutioniert hat. Seine Erfindung markiert den Wendepunkt in der Weltgeschichte von Sprengstoffen, die bis heute für zivile und militärische Zwecke genutzt werden.

Spielszene: Labor im 19. Jhd.
Spielszene: Labor im 19. Jhd. Quelle: ZDF

Synthetischer Sprengstoff

Eine Explosion ist eine Reaktion, bei der unter hohen Temperaturen eine schlagartige Volumenausdehnung von Gasen stattfindet. . Wir hören den Knall und spüren die Druckwelle. Über Jahrhunderte hat sich das Knallerrezept kaum verändert, bis Alfred Nobel eine völlig neue Mixtur entwickelt hat, mit der man buchstäblich die Welt aus den Angel heben kann.


Alfred Nobel ist am 21. Oktober 1833 in Stockholm geboren. Im Alter von neun Jahren zieht er mit seinem Vater nach Russland und verbringt dort einige Jahre. Auf einer Studienreise lernt er in Paris den italienischen Chemiker Ascanio Sobrero kennen, der schon 1847 den ersten synthetischen Sprengstoff Nitroglycerin entwickelt hat. Sobrero hält den hochexplosiven Stoff in der Praxis für unkontrollierbar, doch Nobel experimentiert mit diesem Stoff. Schon ein winziger Tropfen Nitroglycerin hat eine verheerende Wirkung.

Entnahme von Nitroglyzerin mit einer Pipette
Entnahme Nitroglyzerin Quelle: ZDF


Die explosive Flüssigkeit stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten. Dem Chemiker Alfred Nobel ist klar: Wer diesen Stoff beherrscht, kann viel Geld verdienen, denn die Industrie boomt Mitte des 19. Jahrhunderts wie nie zuvor. Für den Siegeszug der Eisenbahn müssen neue Trassen gebaut werden. Auch in Bergwerken und im Straßenbau lassen sich mit explosiver Hilfe schnelle Fortschritte erzielen. Nobel entwickelt 1863 die Initizialzündung, mit der kontrolliert gesprengt werden kann.

Gefährliche Forschung

Nitroglyzerin wird in Flaschen transportiert
Transport von Nitroglyzerin Quelle: ZDF


Doch immer wieder kommt es auf dem Transport zu unvorhersehbaren Explosionen mit vielen Toten. Auf den holprigen Wegen wird jede Kutschfahrt zum unkalkulierbaren Risiko. Der Forscher Alfred Nobel muss bei seiner Arbeit mit dem gefährlichen Stoff einen schweren persönlichen Schlag verkraften, es trifft auch seine eigene Familie: Sein Bruder Emil kommt bei einer Laborexplosion ums Leben.

Spielszene im Labor
Spielszene Labor


Die schwedischen Behörden verbieten dem Wissenschaftler die Erforschung und Lagerung von Nitroglyzerin in bewohntem Gebiet. Nobel lässt sich nicht beirren und gibt nicht auf. Er will das hochexplosive Nitroglycerin beherrschbar machen. Aber zunächst schlagen all seine Versuche fehl.

Durchbruch bringt Reichtum

Erst ein Zufall bringt den Durchbruch: Um es vor Erschütterungen zu schützen, transportiert man das Nitroglycerin auf fossilem Kieselmehl. Doch dann leckt ein Kanister. Eine brenzlige Situation. Statt der erwarteten Explosion passiert nichts. Die Flüssigkeit reagiert mit dem Kieselmehl zu einer dickflüssigen Masse. Sofort beginnt Nobel mit neuen Versuchen und formt die Masse zu Stangen. Das ist die Geburtsstunde des Dynamits.


Von nun an ist eine einfache und sichere Nutzung des Sprengstoffs möglich. Die Dynamitstangen sprengen der Industrialisierung - buchstäblich - den Weg in die Zukunft frei.

Dynamitstangen
Dynamitstangen Quelle: ZDF


Ob Bergbau oder Kanalbau, ob Eisenbahntrassen oder Tunnel, überall wird gesprengt. Das handliche Dynamit wird derweil zur Waffe des kleinen Mannes. Durchschnittlich drei Attentate am Tag werden Ende des 19. Jahrhunderts verzeichnet. Nobel selbst sieht im Rüstungsgeschäft eine Chance und kauft in Schweden eine Waffenschmiede und beliefert nun weltweit Kriegsparteien mit seinen Waffen.

Unglückliche Liebe

Alfred Nobel ist auf dem Gipfel seiner Karriere. Doch glücklich ist er nicht. Seine Forschungen und vielen Reisen haben ihn einsam gemacht. In Paris sucht er nach einer Privatsekretärin und gibt eine Anzeige in fünf Sprachen auf. Eine junge Frau meldet sich, ebenfalls in fünf Sprachen. Es ist die junge Bertha von Kinsky. Alfred Nobel verliebt sich unsterblich, doch sie heiratet kurz darauf in Wien den Adeligen von Suttner. Zurück bleibt ein einsamer, nahezu verbitterter Nobel. Trotz der Enttäuschung entwickelt sich eine lebenslang anhaltende Freundschaft zwischen ihm und Bertha von Suttner.

Eine neue Bewegung fordert den Rückgang des weltweiten Aufrüstens. Es ist eine Friedensbewegung, deren Leitfigur Bertha von Suttner ist, die Frau, die seine Liebe nicht erwidert. Europaweit spricht sie auf Friedenskongressen und Alfred Nobel ist dort stiller Zuhörer. Trotz ihrer gegensätzlichen Auffassungen bleibt Nobels Liebe zu Bertha von Suttner unerschüttert. Und es gelingt ihr sogar, ihn zur Gründung eines Friedenspreises anzuregen.

In seinem Testament vermacht der Erfinder fast sein ganzes Vermögen einer Stiftung, die jährlich fünf Nobel-Preise vergeben soll, darunter den Friedensnobelpreis. Und einer der ersten Friedensnobelpreise geht an Bertha von Suttner.

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