Blackout im Münsterland

Fatale Folgen durch Stromausfall

Im November 2005 geht im Münsterland nichts mehr. 12 Stunden lang schneit es ununterbrochen und die ganze Region versinkt in extrem nassem Schnee. Die ungewöhnlich starke Schnee- und Eislast an den Hochspannungsleitungen lässt insgesamt 82 Strommasten umknicken wie Streichhölzer. Es folgt der größte Blackout in der Geschichte der Bundesrepublik

Umgeknickter Strommast in einer Winterlandschaft
Umgeknickter Strommast in einer Winterlandschaft Quelle: dpa

Kompletter Stromausfall: kein Licht, keine Heizung, kein Telefon. 250.000 Menschen sind ohne Strom, einige von ihnen sogar fünf Tage lang. Das Technische Hilfswerk und die Feuerwehr sind im Dauereinsatz, versorgen die Menschen mit dem Nötigsten. Notstromaggregate sind Mangelware und müssen aus anderen Regionen beschafft werden.

Ohne Strom bei bitterer Kälte

Autoscheinwerfer bleuchten Dorfstraße
Autoscheinwerfer bleuchten Dorfstraße Quelle: ZDF


Ohne Heizung kühlen die Häuser schnell aus und die Raumtemperatur sinkt auf bis zu sechs Grad Celsius. Familie Kubitza erinnert sich an ihre Kindheitstage. Sie erhitzen Pflastersteine aus dem Garten im Kamin und wickeln sie in dicke Handtücher. Das soll sie in den eiskalten Betten wärmen. Auch am nächsten Morgen ist kein Strom da. Die Hoffnung, dass Strom bald wieder zur Verfügung steht, ist dahin. Ihnen wird klar, die Lage ist ernster als angenommen. Sie behelfen sich notdürftig mit einem Campingkocher und beschließen, sich in der Stadt mit dem Nötigsten einzudecken.

Backsteine am brennenden Kamin erhitzt
Backsteine am brennenden Kamin Quelle: ZDF


Familie Kubitza hat noch genügend Bargeld, denn mit Kreditkarten kann niemand mehr bezahlen und die Geldautomaten funktionieren auch nicht mehr. In den Geschäften sind die Regale schon ziemlich leer. Vor allem Brot, Kerzen und Batterien sind bald nicht mehr zu bekommen. Die letzten Reserven gehen über die notdürftig eingerichteten Verkaufstische. Kassen funktionieren nicht, Wechselgeld fehlt, es wird einfach auf- und abgerundet. Mit solchen Ausmaßen hat niemand gerechnet. Eine der wenigen Informationsquellen ist das Autoradio.

Krisenzentrum in der Stadthalle

Am dramatischsten ist die Situation in Ochtrup. Viele Menschen müssen mehrere Tage und Nächte ohne Strom bei bitterer Kälte ausharren. Notstromgeneratoren versorgen das Krankenhaus und die Stadthalle mit Elektrizität. In der Stadthalle Ochtrup wird ein örtliches Krisenzentrum eingerichtet. Viele Menschen kommen hierher, weil es in den Häusern kalt und dunkel ist. Die Stadthalle wird zur Notunterkunft, es gibt warme Getränke und etwas zu essen.


Auch nach drei Tagen ist kein Ende des Stromausfalls in Sicht. Tausende Menschen bleiben vom Stromnetz abgeschnitten. Ochtrup zählt zu den Orten, die am längsten vom Blackout betroffen sind. Die Schäden an den Hochspannungsmasten sind verheerend, viel größer als befürchtet. Die Monteure stehen vor extremen Problemen. Und das bedeutet für Ochtrup und Umgebung: weiter kein Strom.

Existenzielle Sorgen

Technisches Hilfswerk im Einsatz
TH im Einsatz Quelle: ZDF


Dramatisch ist auch die Lage der Bauern und Industriebetriebe, denn ihr Strombedarf ist immens. Im Münsterland gibt es mehr als 12.000 landwirtschaftliche Betriebe. Ohne Elektrizität werden zum Beispiel Ställe nicht belüftet, automatische Fütterungsanlagen stehen still. Kein Strom bedeutet: keine Melkmaschinen, keine Wärme für Kälber und Ferkel, kein Licht. Strom fehlt auch, um Wasser aus den Brunnen zu pumpen. Bei längerem Stromausfall sind deshalb Existenzen bedroht.

Melkanlage
Melkanlage Quelle: ZDF


Bauer Franke versucht im nahen Holland ein Notstromaggregat zu bekommen. Seine 120 Milchkühe müssen dringend gemolken werden. Per Hand ist das unmöglich zu schaffen. Die prallen Euter bereiten den Kühen immer mehr Schmerzen und es drohen Entzündungen. Seine Kälber brauchen dringend Wärme und warmes Wasser. Der Bauer kommt nach Stunden zurück mit einem Generator. Die Kälber bekommen im frostigen Stall endlich wieder warmes Wasser und Milch, und Wärmelampen helfen den Jungtieren die kalte Nacht zu überleben.

Kalb unter Wärmelampe
Kalb unter Wärmelampe Quelle: ZDF


Der Münsterländer Blackout wirft Fragen auf. Die von Schnee und Sturm zerstörten Strommasten sind zwar erneuert. Doch es gibt rund 200.000 Hochspannungsmasten in Deutschland. Sie stützen ein ziemlich wackeliges Stromnetz, das längst überlastet ist und dringend ausgebaut werden müsste.

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