Brände wie von Geisterhand

Rätselhafte Feuer durch Selbstentzündung

Wissen | Terra Xpress - Brände wie von Geisterhand

Bei der Lagerung von Heu besteht die Gefahr von Selbstentzündung, ausgelöst durch biochemische Reaktionen. Restfeuchtigkeit, Pflanzenzellen und Mikroorganismen sind ein idealer Nährboden.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 11.03.2017, 18:30

Feueralarm: Ein Großbrand auf einem Bauernhof mitten in der Nacht: Mehrere tausend Heuballen brennen lichterloh. Die Löschkräfte der Feuerwehr haben keine Chance. Die Flammen zerstören die komplette Scheune und der Schaden geht in die Millionen. Die Ursache wird schnell ermittelt. Es war keine Brandstiftung.

Brennende Scheune
Brennende Scheune Quelle: ZDF

Selbstentzündung im Heu

Bei jedem Feuer müssen drei entscheidende Faktoren zusammen kommen: Sauerstoff, brennbares Material und eine bestimmte Temperatur. Erst dann reagiert ein Feststoff mit Sauerstoff und fängt Feuer. Doch was ist mit Bränden, die still und heimlich von ganz alleine ausbrechen? Kann ein liegengebliebener Lappen nach Malerarbeiten im Haus, ein Kosmetikspiegel im Bad oder ein Heuballen von ganz alleine Feuer fangen?


Immer wieder kommt es im Sommer nach der Heuernte zu verheerenden Bränden. Ist die Heuernte eingebracht, besteht im Heustock die Gefahr von Selbstentzündung, ausgelöst durch biochemische Reaktionen. Restfeuchtigkeit, Pflanzenzellen und Mikroorganismen sind tatsächlich ein idealer Nährboden.

Feuerwehrmann vor den rauchenden Trümmern einer abgebrannten Scheune
Abgebrannte Scheune


Bakterien, wie der so genannte Heubazillus, zersetzen sich und dabei entsteht Wärme. Viele Bauern kennen dieses Phänomen. Ab 50 Grad Celsius vermehren sich Bakterien und Pilze explosionsartig und besonders in den Ballen kommt es schnell zum Hitzestau. Ab 70 Grad Celsius wird es brandgefährlich.

Brandursache Spiegel

Auch in der Stadt ist man vor ungewöhnlichen Feuerphänomenen nicht sicher. In Freiburg brennt ein Wohnhaus aus. 26 Menschen werden obdachlos. Der Auslöser soll ein Kosmetikspiegel gewesen sein. Ein Brandexperte geht für Terra Xpress der Sache nach. Mit einer lichtstarken Lampe simuliert er Sonnenstrahlen. Die Vergrößerungsseite des Spiegels bündelt reflektiertes Licht auf einen Brennpunkt, der genau auf dem Handtuch liegt.

Vorbereitungen für Brandexperiment mit Spiegel
Brandexperiment mit Spiegel Quelle: ZDF


Ein Feststoff geht erst bei relativ hohen Temperaturen in Flammen auf. Bei einem Handtuch sind das 250 Grad. Pralle Mittagssonne hat eine Lichtleistung von 1000 Watt auf einen Quadratmeter. Der Hohlspiegel bündelt diese auf einen wenige Millimeter großen Punkt. Das gebündelte Licht ist so heiß, dass man sich daran die Hände verbrennen würde. Es können Temperaturen von bis zu 300 Grad entstehen. Diese Energie reicht, um mit einen Spiegel einen verheerenden Brand zu verursachen.

Brennendes Handtuch im Bad
Handtuch brennt Quelle: ZDF

Brandkatastrophe in Schreinerei

In einem anderen Fall war in einer Tischlerei mitten in der Nacht ein verheerender Brand ausgebrochen. Der Schaden geht in die Millionen. Hier soll ein mit Leinöl getränkter Putzlappen Schuld an der Katastrophe gewesen sein. Ist das möglich? Der Brandexperte macht die Probe aufs Exempel. Er poliert einen Holztisch mit Leinöl. Anschließend wirft er den Lappen in den Papierkorb. Jetzt heißt es abwarten und beobachten. Nach zwei Stunden steigt allmählich die Temperatur.

Experiment: Lappen im Papierkorb beginnt zu brennen
Brennender Papierkorb Quelle: ZDF


Der Grund: Leinöl enthält mehrfach ungesättigte Fettsäuren und die reagieren mit Sauerstoff. Dabei entsteht Energie und Energie ist Wärme. Trägt man Leinöl zur Holzpflege auf, ist das in der Regel ungefährlich, weil die entstandene Wärme nach oben entweichen kann. In einem zusammengeknüllten Tuch aber staut sie sich. Im Inneren des Tuches wird es immer heißer. Das kurbelt die Reaktion weiter an und die Temperatur steigt. Nach einigen Stunden ist die Temperatur so heiß, dass der Putzlappen in Flammen aufgeht. Das Thermometer zeigt: Bei 280 Grad fängt es plötzlich an zu qualmen und der Hitzestau im Lappen ist so groß, dass sich der mit Leinöl getränkte Lappen von selbst entzündet.

Gefährliche Wasserkocher

Auch Elektrogeräte sind potentielle Gefahrenquellen, insbesondere alte Modelle und ungeprüfte Billig-Fabrikate. Defekte der Abschaltautomatik kommen häufiger vor und das kann schlimme Folgen haben. Wie bei einem Wohnungsbrand in Höxter. Die Feuerwehr kann gerade noch rechtzeitig die Bewohner retten. Aber in dem Berg aus Schutt und Asche ist die Suche nach der Brandursache schwierig. Unter Verdacht steht ein alter, geschmolzener Wasserkocher. Terra Xpress macht den Test.

Aus dem Plastikgehäuse eines Wasserkochers schlagen Flammen
Brennender Wasserkocher Quelle: ZDF


Ein Wasserkocher wird präpariert. Das Wasser kocht und ist nach einiger Zeit völlig verdampft. Das Plastikgehäuse wird heiß und beginnt sich zu verformen. Nach 10 Minuten ist das Plastik fast vollkommen geschmolzen und es bildet sich eine Kunststofflache. Es dauert nur noch kurze Zeit bis es so heiß wird, dass es sich entzündet. Eine grüne Flamme signalisiert, dass hochgiftige Gase frei werden und die können für Menschen bei einem Wohnungsbrand schneller gefährlich werden als die Flammen. Die Wärmebildkamera liefert die Erklärung: Der Heizstab des Wasserkochers erzeugt eine Temperatur von weit über 300 Grad Celsius - die Plastikhülle hat keine Chance.

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