Das Grab der Keltenfürstin

Archäologen erforschen frühkeltische Grabanlage

Es passiert nach einem Regenschauer auf einem Maisfeld beim schwäbischen Herbertingen: Archäologen entdecken Ende 2010 eine vergoldete Brosche, die keltischen Ursprungs und ungefähr 2600 Jahre alt ist. Bei weiteren Untersuchungen wird klar: Es handelt sich um eine keltische Grabanlage mit umfangreichen kostbaren Grabbeigaben.

Nicht zufällig waren die Archäologen in dieser Region auf der Suche nach keltischen Artefakten. Zwischen 620 und 470 vor Christus war die nahegelegene Heuneburg ein keltischer Fürstensitz. Die Heuneburg ist die bisher größte bekannte frühgeschichtliche Stadtsiedlung nördlich der Alpen. Zwischen 5000 und 10.000 Menschen lebten dort für ungefähr zwei Generationen auf einem Gebiet von rund 100 Hektar - bis ein Feuer die Stadt dem Erdboden gleich machte.

Keltenmuseum Heuneburg
Keltenmuseum Heuneburg Quelle: dpa

Kostbarer Schmuck

Was die Archäologen nach Bergung und Abtransport des Grabes freilegen, ist einzigartig: Sie finden ein prächtig ausgestattete Grab einer Frau vor, die wohl dem keltischen Adel angehörte. Die Grabbeigaben bestehen aus Gold, Bernstein und filigran gefertigtem Schmuck. Solchen Schmuck gaben die Kelten nur bedeutenden Gräbern bei.

Das Grab der Keltenfürstin ist deshalb so spektakulär, weil es das erste moderne entdeckte und damit untersuchte Grab ist und vor allem nicht geplündert wurde. Die Grabbeigaben können den Archäologen mehr über das Leben der Kelten verraten, denn die Kelten haben so gut wie nichts in schriftlicher Form überliefert. Die Geschichten ihrer Stämme wurden über Barden in Gesangsform von Generation zu Generation weitergetragen. Die kargen schriftlichen Informationen, die man heute über diese uneinheitliche und weit verstreute vorgeschichtliche Kultur hat, wurden von antiken Autoren des ersten Jahrhunderts nach Christus geschrieben.

Diesseits und Jenseits

Dass die Kelten ihren Toten allerlei Gegenstände mit ins Grab beigaben, ist auf ihre Vorstellung zurückzuführen, dass auf die diesseitige irdische Welt eine ähnliche Jenseitige folgen würde. Überhaupt war das Leben der Kelten sehr eng an den Glauben an ihre Götter und deren Einflüsse auf die irdische Welt geprägt. Da es keine einheitliche keltische Kultur oder Politik im nordeuropäischen Raum gab, fällt es schwer, einheitliche religiöse Riten und Denkweisen zu finden.

Scheinbar glaubten die meisten Stämme aber – ähnlich wie die Römer - an mehrere Gottheiten, wie beispielsweise Teutates, einer der Hauptgötter, der auch aus den “Asterix”-Comics bekannt ist. Auch Dämonen, Kobolde, Feen, Elfen und Geister gehörten zu den Vorstellungen des Jenseits. Die keltische “Anderswelt” war jedoch kein räumlich oder zeitlich abgeschlossener Ort. Götter, Menschen, Heroen und Dämonen konnten die Anderswelt betreten und wieder verlassen, egal ob zu ihren Lebzeiten oder danach. Das bedeutete auch, dass ungemütliche Gestalten unter bestimmten Umständen auch das Diesseits heimsuchen konnten.

"Süßes oder Saures!"

Die Hügelgräber der Toten galten in manchen Regionen bis ins Mittelalter hinein als Tore zu dieser “Anderswelt”. Es wird vermutet, dass in diesem Zusammenhang auch das heutige “Helloween” zu sehen ist, also einen keltischen Ursprung haben könnte. Der irisch-keltischen Tradition nach drangen in der Nacht des 1. November, dem Neujahrsfest, Dämonen ins Diesseits ein. Um die Bösewichter von den Häusern fernzuhalten, wurden ihnen Opfergaben bereitgestellt. Die Vorgehensweise ähnelt stark dem Ritus an Helloween, an dem böse "kleine Quälgeister" durch Süßigkeiten besänftigt werden sollen. Möglicherweise haben irische Einwanderer also das Ritual im 19.Jahrhundert mit nach Amerika gebracht, von wo aus es Verbreitung fand.

Um mehr über die rätselhaften Riten und das Leben der Kelten zu erfahren, wird das neu entdeckte Grab der Fürstin zurzeit Millimeter für Millimeter untersucht. Es liegt verborgen unter einem riesigen Industriezelt bei perfekt abgestimmter Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit. Dort tasten sich die Archäologen langsam voran – an einen der spektakulärsten Kelten-Funde nördlich der Alpen.

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