Das Wunder von Jütland

Übermenschliche Leistung im Kampf ums Überleben

Wissen | Terra Xpress - Das Wunder von Jütland

Bei einem Segeltrip auf der Nordsee geht Uli Else über Bord und überlebt 25 Stunden in der kalten See. Terra Xpress versucht herauszufinden, wie dieses Wunder geschehen konnte.

Beitragslänge:
15 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 18.12.2016, 12:27

Im Sommer 2005 starten zwei Freunde an einem milden Tag zu einem Segeltrip auf der Nordsee. Uli und Bernd sind erfahren und ein eingespieltes Team. Sie fühlen sich sicher. Erst im Rückblick wird klar, dass man nie wirklich auf den Ernstfall vorbereitet ist.

Segelboot bei schwerem Seegang
Segelboot bei schwerem Seegang Quelle: ZDF

Schwerwiegende Entscheidungen

Uli und Bernd wollen von Deutschland nach Dänemark segeln. Im Lauf des Tages verändert sich jedoch das Wetter. Windstärke und Wellen steigen kontinuierlich und langsam über Stunden an. Dabei gerät das Boot irgendwann außer Kontrolle. Eine große Welle trifft Uli mit voller Wucht. Er geht über Bord.
Als Bernd das Boot gewendet hat, ist Uli schon mindestens 20 bis 30 Meter weit weg. Ihn wieder an Bord zu ziehen, ist bei dem hohen Wellengang unmöglich. Die Geräte an Bord sind ausgefallen. Bernd kann nur Hilfe holen, wenn er selbst die dänische Küste erreicht. Dafür muss er den Freund in der Nordsee zurücklassen.

Das zerstörte Segelboot am Strand
Das zerstörte Segelboot am Strand Quelle: ZDF

Mit dem stark beschädigten Boot segelt Bernd in die Nacht, ohne Steuerung, ohne Funk. Für die 30 Kilometer bis zur dänischen Küste braucht er zehn Stunden. Und es kommt noch schlimmer: Der Küstenabschnitt, den er schließlich erreicht, ist menschenleer. Es vergehen weitere zwei Stunden, bis er und sein Wrack gefunden werden.

Die Rettungsaktion beginnt

Als die dänischen Rettungskräfte endlich ausrücken, treibt Uli Else schon 14 Stunden auf See. Die Retter wissen: In der 17 Grad kalten Nordsee überlebt man höchstens zehn Stunden. Nach der langen Zeit kann Uli in jede Richtung abgetrieben sein. Die Rettungstrupps suchen stundenlang, aber vergebens. Uli Else scheint verschollen.

Uli und Bernd treffen sich im Krankenhaus
Uli und Bernd treffen sich im Krankenhaus Quelle: ZDF

Aber einen Tag später geschieht das Unglaubliche: Touristen entdecken eine Person, die vor der dänischen Küste im Wasser treibt. Es ist Uli Else! 25 Stunden, nachdem er über Bord gegangen ist, wird Uli Else geborgen - lebend und unverletzt. Uli Else lebt noch. Er hat das Unglück körperlich unbeschadet überstanden. Dennoch lässt es ihn bis heute nicht los. Er sucht Erklärungen, wie er gegen jede Wahrscheinlichkeit überleben konnte. "Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich wollte eigentlich nur an Land und wollte das einfach schaffen."

Unglaubliche Leistung

Das "Wunder von Jütland" ist Thema in den Nachrichten. Denn Uli hat Übermenschliches geschafft: Er überlebt 25 Stunden im Nordseewasser. Eigentlich stirbt ein Mensch in dieser Kälte spätestens nach zehn Stunden. Es gelingt ihm, sich auf dem offenen Meer zu orientieren. Bis er gefunden wird, legt er schwimmend knapp 30 Kilometer zurück. Selbst Experten ist so ein Fall noch nie untergekommen.

Den Unterkühlungsspezialist Dr. Wolfgang Baumeier wundert vor allem Ulis guter Gesundheitszustand, denn nach seiner Rettung war er nur mäßig unterkühlt. Wie hat Uli Else es geschafft zu überleben?

Orientierung im Meer

Uli Else ist ein erfahrener Segler. Er weiß, dass man bei Schiffbruch normalerweise an Ort und Stelle auf Rettung warten soll. Aber die Kälte wird einfach unerträglich. Deshalb beschließt Uli zu schwimmen. Er orientiert sich auf offener See - mit Hilfe der Sonne. Er weiß, dass die Sonne im Osten aufgeht, Mittags am höchsten steht und im Westen wieder unter geht. Zudem kennt er die ungefähre Uhrzeit. Es ist 19.30 abends, die Sonne muss also in Richtung Westen stehen. Da er zur rettenden Küste Dänemarks, also Richtung Osten will, schwimmt er mit der Sonne im Rücken um sein Leben.

Kampf ums Überleben

Nachts wird es schwieriger. Uli kann sich nur noch grob nach dem Verlauf des Mondes richten, und seine Augen sind inzwischen vom Salzwasser zugeschwollen. Ganze 30 Kilometer hat er vor sich. Immerhin lässt ihn seine Ausdauer nicht im Stich. Als Jugendlicher hat er viel Sport gemacht. Daran scheint sich sein Körper jetzt zu erinnern. Er weiß, dass er sich nicht verausgaben darf. Uli kämpft und hofft auf Rettung. Aber die Helikopter der Suchmannschaften entdecken ihn nicht im Wasser.

Als sie abdrehen, verlässt Uli jeglicher Mut. Er kann fast nicht mehr schwimmen und sich kaum noch über Wasser halten. Den nahen Strand nimmt er wie durch einen Nebel wahr. Er hat sich aufgegeben. Als die Rettungsmannschaft ihn endlich aus dem Wasser zieht, kann er sein Glück kaum fassen. "Eigentlich", so sagt Uli Else, "ist man wieder gestärkt aus dieser Katastrophe raus gegangen."

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