Der Bombenkrieg

Literatur zum Thema der Sendung

Der Bombenkrieg der Alliierten gegen deutsche Städte wird heute häufig als Kriegsverbrechen bezeichnet. Die Alliierten sprachen damals von "Moral Bombing". Ziel war es, durch ein breites Bombardement möglichst vieler deutscher Städte, die Moral der Bevölkerung zu untergraben.

Zerstörtes Pforzheim nach dem Krieg Quelle: dpa

Jörg Friedrich

Der Brand

Deutschland im Bombenkrieg
List Verlag 2004


Friedrichs Buch hat eine breite Diskussion in der Öffentlichkeit über das Thema ausgelöst und ihm auch viel berechtigte Kritik eingebracht. So stellt er die Bombenangriffe an einigen Stellen in der Tat sprachlich auf eine Stufe mit dem Holocaust, wenn er beispielsweise Bombenkeller als "Krematorien" bezeichnet. Alle Kritikpunkte wurden bereits sehr ausführlich in anderen Rezensionen beschrieben, sind im Internet einfach nachzurecherchieren und müssen an dieser Stelle nicht wiederholt werden.

Gerade vor diesem Hintergrund aber ist die Lektüre des Buches wieder von Interesse. Geschichte, beziehungsweise die Aufarbeitung von Geschichte ist stets subjektiv, vielfältig und streitbar. Friedrichs persönliche Haltung ist eindeutig. Daher kann der Leser das Werk auch klar verorten und sich seine eigene Meinung bilden. Abgesehen von der bekannten Kritik liegt eine weitere Schwäche des Buches in dem Versuch, ein umfassendes Werk zum Bombenkrieg zu präsentieren. Das musste scheitern, doch profitiert der Leser auch von diesem Umstand. Er erhält auf diese Weise einen unglaublich vielfältigen Einblick in die tödliche Systematik und die dramatischen Folgen des Bombenkrieges aus Sicht der Zivilbevölkerung.

A.C. Grayling

Die toten Städte

Waren die alliierten Bombenangriffe Kriegsverbrechen?
Goldmann, 2009


Viel ist um die Frage gestritten worden, ob die Bombenangriffe der Alliierten auf Zivilisten im Zweiten Weltkrieg ein Kriegsverbrechen waren. Ob es sich nun um den Feuersturm über Hamburg handelt, die Bombardierung Dresdens oder den Atombombenabwurf auf Hiroshima. Dass man mit Flächenbombardements von Städten hauptsächlich Zivilisten treffen würde, war Strategen und Politikern auf allen Seiten bewusst. Darf man ein verbrecherisches Regime mit Terror gegen die Zivilbevölkerung bekämpfen? Ist das "Moral Bombing" der Alliierten moralisch vertretbar? Heiligt der Zweck die Mittel?

Der britische Philosoph A.C. Grayling hat sich diesen schwierigen Fragen angenommen und sehr differenziert erörtert, welche Strategie die Alliierten verfolgten, welche Folgen die Bombardierungen hatten, was sie bei den Menschen auslösten und letztlich auch, ob sie ein Kriegsverbrechen darstellten. Dabei kommt er zu einem eindeutigen und nachvollziehbaren Ergebnis. Ein gutes, wichtiges und eindeutiges Buch, das keine Fragen offen lässt.

Jörg Friedrich

Brandstätten

Der Anblick des Bombenkrieges
Propyläen Verlag 2003


Es gibt immer weniger Menschen in Deutschland, die den Bombenkrieg noch am eigenen Leib erfahren haben. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt sind höchstens einzelne historische Luftaufnahmen zerbombter deutscher Städte. Diese Bilder dokumentieren zwar das ungeheure Ausmaß der Zerstörung, lassen aber kaum erahnen, was der Bombenkrieg für das Leben und die Menschen in einer großen deutschen Stadt während des Krieges bedeutete.

Jörg Friedrich hat in seinem Bildband vor allem solche Bilder ausgewählt, die das Leben der Menschen im Bombenhagel dokumentieren. Und er hat sie so angeordnet, dass sie ihre Wirkung auf den Leser nicht verfehlen. Er beginnt dabei mit idyllischen Fotos prachtvoller, historisch gewachsener Städte des deutschen Reiches, meist um die Jahrhundertwende. Das Vorher-Idyll weicht schließlich Bildern des Grauens: Brennende Städte, verzweifelte Menschen auf den Straßen, in überfüllten Bunkern und beim Retten ihres Hab und Gut. Am Ende des Bandes werden mehrere Fotos von Orten nach dem Vorher-Nachher-Prinzip nebeneinander gezeigt, um zu verdeutlichen, wie dieses wundervolle historische deutsche Stadtbild durch den Krieg zerstört wurde.

Manuel Wolf

Luftkrieg über Europa 1939 - 1945

Motorbuch Verlag 2009


Mit seinen über 700 Seiten ist Manuel Wolfs Buch ein beachtliches Werk, das den Luftkrieg über Europa - überwiegend aus deutscher Sicht - extrem detailliert schildert. Nahezu alle deutschen und die wichtigsten alliierten Flugzeugtypen werden vorgestellt, ihre Unterschiede erklärt, Luftkampfstrategien in Zeichnungen abgebildet und die Schlachtverläufe am Boden und in der Luft ausführlichst beschrieben.

Wolf nutzt scheinbar bewusst den militärischen, zeitgenössischen Sprachschatz und Stil. In Kombination mit Fotos von heroisch aussehenden Soldaten und etwas kitschig gezeichneten, im Luftkampf befindlichen Flugzeugbildern soll dies vermutlich eine gewisse Dramaturgie bewirken und die Zeit lebendig werden lassen. Einen kritischen Leser wird dieser Stil aber möglicherweise abschrecken. Die Wortwahl erscheint aus heutiger und "politisch korrekter" Sicht an vielen Stellen befremdlich und fast kriegerisch. Das Buch wird aufgrund dieser eher wehrtechnisch-strategischen Ausrichtung überwiegend für den männlichen, militärgeschichtlich interessierten Leser von Interesse sein.

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