Eierkochen auf dem Mount Everest

Was lange kocht, wird endlich gut?

Wissen | Terra Xpress - Eierkochen auf dem Mount Everest

Wasser kocht auf Meereshöhe bei 100 Grad Celsius. Was würde das für einen Bergsteiger bedeuten, wenn er auf dem Mount Everest ein Ei kochen will? Wie lange braucht das Ei um hart zu werden?

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.06.2017, 18:30

Fast alle Kochzeiten, sei es auf der Nudelpackung oder beim hartgekochten Ei, basieren auf der Annahme von idealen Bedingungen. Diese lauten: Wasser kocht auf Meereshöhe bei 100 Grad Celsius. Was bedeutet das für einen Bergsteiger, der auf dem Mount Everest Eier kochen will?

Das Gerinnen eines Eiklars und Eigelbs ist ein chemisches Phänomen. Der Dotter stockt bei etwa 65 Grad Celsius, das Eiweiß bei 84,5 Grad Celsius.

Abhängigkeit von Höhe und Siedepunkt

Dotter und Eiweiß
Dotter und Eiweiß Quelle: ,dapd

Mit zunehmender Höhe nimmt der Luftdruck ab. Welchen Einfluss das auf die Garzeiten von Nahrungsmitteln hat, kann man genau berechnen. Die Temperatur von kochendem Wasser beträgt auf Meereshöhe 100 Grad Celsius. Der Luftdruck jedoch hat direkte Auswirkungen auf den Siedepunkt: Je weniger Druck, desto tiefer sinkt der Siedepunkt.

Auf Meereshöhe kocht das Wasser bei 100 Grad Celsius mit Blasenbildung und dampft. Wasser und Wasserdampf können aber nicht heißer werden als 100 Grad Celsius. Pro 300 Meter Höhe zusätzlich sinkt der Siedpunkt um etwa ein Grad ab. Bei 900 Meter wären es also drei Grad, das Wasser siedet bei 97 Grad Celsius und so weiter.

Garzeiten unter alpinen Bedingungen

Alpenpanorama mit Gipfelkreuz
Alpenpanorama mit Gipfelkreuz Quelle: ZDF

Auf der Zugspitze mit 2963 Metern Höhe liegt also die Siedetemperatur bei knapp 90 Grad, entsprechend länger sind die Gar- und Kochzeiten. Durch den geringeren Luftdruck auf 8848 Metern über dem Meeresspiegel, sinkt der Siedepunkt auf etwa 70 Grad. Dann kocht das Wasser und wird auch nicht mehr heißer. Das Problem liegt in den Gerinnungsfaktoren des Eis.

Die niedrigere Kochtemperatur reicht nicht aus, um das Eiweiß fest werden zu lassen, da das Ei selbst zwei Gerinnungstemperaturen hat: Die eine für das Eigelb und die andere für das Eiweiß. Ein Ei enthält relativ viel Wasser und besteht aus zwei Proteinen für Eiklar und Eigelb, genauer das Conalbumin und das Ovalbumin. Das Eigelb mit dem Conalbumin gerinnt bei etwa 61,5°C, das Ovalbumin im Eiweiß braucht 84,5°C, um zu stocken.

Frühstücksei auf dem Mount Everest?

In Zentral- Europa könnte man noch auf jedem Gipfel Eier hart kochen, mit 4807 Metern würde sogar auf dem höchsten EU-Berg, dem französischem Montblanc, das Wasser bei 84 Grad kochen. Bei vielen anderen Gipfeln, wie etwa dem Kilimandscharo(5892m), dem Mount McKinley(6194m) wäre es möglich durch längere Garzeiten hart gekochte Eier zu genießen.

Wenn also jemand auf dem Mount Everest ein hartgekochtes Ei kochen möchte, hat schlechte Karten. Auf den vielen 7000 oder 8000 Meter hohen Bergen geht das nicht. Auf diesen Bergen wie auch auf dem Mount Everest würde zwar das Eigelb gerinnen, aber nicht das umgebende Eiklar. Das Ei bliebe glibberig und flüssig. Effekt: Kein hartgekochtes Ei für diese Gipfelstürmer!

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