Extremflug in der Todeszone

Paragliderin überlebt Flug in zehn Kilometer Höhe

Wissen | Terra Xpress - Extremflug in der Todeszone

Ewa Wisnierska wird von einem mächtiger Aufwind erfasst und in fast 10.000 Meter Höhe katapultiert . Sie überlebt extremen Sauerstoffmangel und eisige Temperaturen von minus 55 Grad Celsius.

Beitragslänge:
11 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.01.2017, 10:00

Ewa Wisnierska, eine der besten Gleitschirm-Fliegerinnen, ist zum Training nach Australien gereist und bereitet sich auf den nächsten Wettkampf vor. Während des Trainings schlägt das Wetter um und sie gerät in ein Unwetter. Ein mächtiger Aufwind erfasst und katapultiert sie in fast 10.000 Meter Höhe. Sie überlebt extremen Sauerstoffmangel, Temperaturen von minus 50 Grad Celsius und landet wieder sicher auf der Erde.

Paraglider fliegt in Gewitter
Paraglider fliegt in Gewitter Quelle: ZDF

Training in Australien

Ewa Wisnierska ist Weltklasse-Gleitschirmpilotin und einzige Frau in der deutschen Nationalmannschaft. Im Vorfeld der Weltmeisterschaft trainiert sie in Australien für ihren nächsten internationalen Wettkampf. Während einer der Trainingsflüge ereignet sich das Unglück. Über eine Stunde wird sie in einer Höhe herumgewirbelt, in der normalerweise Verkehrsflugzeuge fliegen. Ihr Überleben ist ein einziges medizinisches Phänomen.


Eine halbe Stunde nach dem Start verändert sich das Wetter drastisch. Im Nachhinein sagt Ewa, im Wettkampf setze der Verstand aus, man will mit dem Kopf durch die Wand, und keiner will der erste sein, der aufhört. Doch dann wird es wirklich ernst. Die Wetterwarnung ignorieren die Sportler.

Starthügel für Paraglider
Starthügel für Paraglider Quelle: ZDF


Ewa und ihr Partner sind da schon etwa 50 Kilometer vom Startplatz entfernt. Die Gleitschirmflieger versuchen, einer dunklen Riesenwolke auszuweichen, aber das Manöver misslingt. Ewa wird von einem mächtigen Aufwind erfasst und die erfahrene Sportlerin verliert die Kontrolle über ihren Gleitschirm.

Ewa in akuter Lebensgefahr

Unwetter bahnt sich über Landschaft an
Wetteränderung Quelle: ZDF


Ewa Wisnierska: "Ich konnte einfach nichts mehr machen, um runterzukommen. Und dann wusste ich, ich bin in Lebensgefahr. Ich wusste nicht mehr, wo oben und wo unten ist." Die Luftströmung zieht sie immer höher in das Gewitter - bis auf 10.000 Meter. Es regnet und hagelt. Ewa verliert das Bewusstsein. Die Kräfte, denen Ewa ausgesetzt ist, sind unvorstellbar. Doch sie überlebt in extrem dünner Luft und bei eisiger Kälte.

Computeranimation: Ewa Wiesnierska hängt mit Eis überzogen bewusstlos im Gleitschirm
Ewa Wisnierska im Gleitschirm Quelle: ZDF


Das GPS-Gerät hat ihre Route aufgezeichnet und beim Auslesen des Höhenmessers wird festgestellt: Ewa wurde 45 Minuten lang in einer Höhe zwischen 7.000 bis 10.000 Metern herumgewirbelt. In der so genannten Todeszone herrschen eisige Kälte, bis zu minus 55 Grad und gravierender Sauerstoffmangel.

Wie hat sie das überlebt?

Wie die Sportlerin solche körperlichen Strapazen überlebt hat, können sich die Mediziner nicht erklären. Ihr Fall stellt die medizinische Lehrmeinung auf den Kopf. Ewa hat 45 Minuten in zehn Kilometern Höhe überlebt und keinerlei bleibende Schäden zurückbehalten. Ewa erinnert sich, dass sie den Sauerstoffmangel gar nicht so bewusst wahrgenommen habe. Doch Ewas Körper reagiert darauf, und zieht selbst die Notbremse: Sie wird bewusstlos.


Der Höhenmediziner Dr. Walter Treibel glaubt, dass bei ihrem Überleben die Kälte eine wichtige Rolle gespielt hat. Bei Minus 50 Grad Celsius war sie in kürzester Zeit unterkühlt. Da bei einer Unterkühlung alle Stoffwechselvorgänge sehr viel langsamer ablaufen, hat sie auch sehr viel weniger Sauerstoff gebraucht. Damit habe sie eine sehr viel größere Überlebenschance gehabt. Und natürlich großes Glück.

Gut ausgegangen

Ewa erinnert sich, dass irgendwann ihr Rettungsschirm wieder von alleine aufgegangen ist. Sie vermutet, dass sie durch den starken Zug aufgewacht ist. Mit plötzlich erwachten Kräften steuert Ewa ihren Schirm aus dem Sturm, Hagel und Eis in Richtung Erde.


Ihr Leben verdankt sie einer Verkettung unglaublicher Ereignisse: Die Kälte rettet sie vor dem Erstickungstod in zehn Kilometern Höhe. Hätte sich der Schirm nicht geöffnet, wäre sie ungebremst in den Tod gerast. Und dann entwickelt Ewa eine Kraft, die sie selbst nicht für möglich hielt. Sie überlebt den Flug in die Todeszone zwar mit Erfrierungen im Gesicht und am Bein, aber ohne gravierende und bleibende Schäden.

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