Faszinierend und exotisch

"Endlich auch mal in Deutschland unterwegs"

Moderator Dirk Steffens war für "Terra Xpress" in Deutschland unterwegs und berichtet über seine Erfahrungen mit einem ziemlich exotischen und faszinierenden Land.

Seit etwa 20 Jahren reise ich um die Welt, um Filme über die schönsten Naturlandschaften, die eindrucksvollsten Kulturdenkmäler und ungewöhnliche Menschen zu produzieren. Ein toller Job. Leider habe ich ihn nur unzureichend erledigt – denn auf meiner persönlichen Landkarte der großartigen Orte prangt mittendrin ein fetter, weißer Fleck: Deutschland.

Reise durch die Heimat

Dirk Steffens Ausstieg aus der Vetterhöhle
Dirk Steffens Ausstieg aus der Vetterhöhle Quelle: DF/ Doris Gyselynck

Ich habe keine Ahnung, wie das passieren konnte. Absicht war es mit Sicherheit nicht, aber tatsächlich sind mir der Chiemsee, Reutlingen, Hinterzarten, Rostock, Duisburg oder Düsseldorf weniger vertraut als zum Beispiel der Südseestaat Palau. Ziemlich ignorant – und peinlich, denn wie soll man die Welt verstehen, wenn man nicht mal sein eigenes Haus kennt? Höchste Zeit, meine fürchterlichen Bildungslücken ein wenig zu schließen. Also hat mich das "Terra Xpress"-Team auf die Reise geschickt, durch meine fremde Heimat. Dort habe ich Menschen, Orte, heimliche Rekorde und öffentliche Attraktionen kennengelernt, die Deutschland mal ganz anders zeigen.

Wir sind eben nicht nur das Volk der "Aufräumer" und "Pünktlichkommer", sondern oft erstaunlich locker, mit Lust am Schrägen und Skurrilen. Der Weltrekordhalter im rückwärts gelaufenen Marathon – in Karlsruhe hat er mich (vorwärts unterwegs!) stehen lassen. Ich würde wahrscheinlich immer noch in Reutlingen, in der engsten Straße der Welt, feststecken, wenn ich vor dem Dreh etwas gegessen hätte. Die Blautopfhöhle hätte ich ohne die Hobbyforscher, die irrsinnig viel Zeit damit verbracht haben, der Höhle durch Matsch und Kälte einen Seitenausgang zu legen, nie von innen gesehen.

Die federweiche Liebe echter Ruhrpottkerle

Die Geheimnisse von Robben-Bärten lägen ohne die akribischen Forscher aus Rostock noch im Dunkeln. Der 84-jährige Franz Wiesholler ist mir im eiskalten Chiemsee davongeschwommen – als lebender Beweis dafür, dass Sport wirklich jung hält. In Düsseldorf hat mir Kollegah einen Knoten ins Ohr gerappt, und was Lutz Eichholz in Duisburg mit dem Einrad so anstellt, konnte ich noch nicht mal glauben, nachdem ich es gesehen hatte. Die Liste ließe sich jetzt endlos fortschreiben. Mir ist rätselhaft, wie Rolf Buchholz mit seinen vielen hundert Piercings überhaupt noch essen und schlafen kann. Ich verstehe nicht, warum die vielen Schiffe auf der Wasserweg-Kreuzung in Datteln nicht zusammenstoßen, und mich berührt die federweiche Liebe echter Ruhrpottkerle zu ihren Brieftauben. Ein ziemlich exotisches und faszinierendes Land, dieses Deutschland. Da werde ich wohl noch öfter hinfahren.

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