Gefährliche Erdgasbohrungen

Fördermethoden könnten Grundwasser kontaminieren und Erdbeben auslösen

Erdgas aus dem eigenen Land ist eine verlockende Vorstellung. Doch das kann gewaltig schiefgehen, wie ein mehrfach ausgezeichneter US-Dokumentarfilm zeigt. In Pennsylvania, in den Vereinigten Staaten, fängt tatsächlich Wasser aus dem Hahn an zu brennen, wenn man es anzündet. Unter Verdacht steht die Gasförderung: genauer gesagt, das so genannte "Fracking". Aber es gibt auch Hinweise, dass die Gasfördermethoden zu Erdbeben führen könnten.

Der Film "Gasland" von Josh Fox dokumentiert sehr anschaulich, dass es in bestimmten Gebieten der USA recht gefährlich sein kann, Wasser aus dem Wasserhahn zu trinken. Scheinbar gelangen in manchen Regionen, in denen Gasvorkommen angebohrt wurden, Gase über unbekannte Wege ins Grundwasser und von dort in einige Haushalte, wo es zusammen mit dem Trinkwasser aus dem Hahn austritt und dann als Gas-Raumluft-Gemisch leicht entzündet werden kann.

Flammen schlagen aus dem Wasserhahn
Feuer aus dem Wasserhahn

Verseuchtes Trinkwasser

Die beteiligten Firmen und US-Behörden bestreiten, dass die Gasaustritte mit der angewendeten "Fracking-Methode" bei der Gasgewinnung in Zusammenhang stehen. Das Wasser der betroffenen Anwohner ist jedenfalls nicht mehr gefahrlos trinkbar. Sie müssen sauberes Wasser in Plastikflaschen oder externen Wassertanks teuer einkaufen. Und so geht es mittlerweile auch anderen Menschen in den USA, denn seit über zehn Jahren schießen fast überall Erdgasförderanlagen wie Pilze aus dem Boden. Und nicht immer bleiben diese Bohrungen ohne Nebenwirkungen auf Mensch und Umwelt. Auf im Internet verfügbaren "Fracking-Maps" ist das gigantische Ausmaß der Bohrungen in den USA und anderen Ländern zu erkennen.

Beim "Hydraulic Fracturing" - kurz "Fracking" genannt – wird eine Mischung aus Wasser, Sand und unterschiedlichen Chemikalien mit hohem Druck durch die Bohrlöcher in gashaltige Gesteinsschichten gepresst. Das Gestein wird durch dieses "Fracfluid" rissig, wodurch das darin enthaltene Gas entweicht und gefördert werden kann. Der Wasser-Sand-Chemikalien-Mix kann jedoch nur teilweise wieder abgepumpt werden. Reste verbleiben im Gestein.

6000 Tonnen Wasser pro Bohrung

Welche Chemikalien dem "Fracfluid" beigemischt werden, halten die Firmen in der Regel geheim. Bekannt ist aber, dass einige der Stoffe toxisch und karzinogen sind. Zwar werden im Verhältnis zum eingeleiteten Wasser nur wenig Additive beigegeben (circa 0,2 Prozent), jedoch kommen auch dann noch erhebliche Mengen zusammen, da für eine einzige Bohrung bis zu 6000 Tonnen Wasser verwendet werden müssen.

Kritiker der Fracking-Methode befürchten, dass die zurückbleibenden Chemikalien ins Grundwasser gelangen könnten und dadurch das Trinkwasser vieler Millionen Menschen kontaminiert wird. Dass Fracking sicher ist, propagiert hingegen der in Deutschland mittlerweile durch TV-Spots bekannte ExxonMobil-Mitarbeiter Dieter Sieber. Auch in Deutschland werden und sollen in Zukunft nach dem Wunsch von ExxonMobil unkonventionelle Gasvorkommen mit der Fracking-Methode erschlossen werden. Dieter Sieber ist von der Sicherheit der Exxon-Fracking-Methode überzeugt, die durch Stahl und Beton das Trinkwasser schützen soll.

Chemikalien in der Erde - eine gute Idee?

Die mittlerweile zunehmende Anzahl von Fracking-Gegner interessieren diese Beteuerungen nur wenig. Sie betrachten die Thematik eher mit einem gesunden Menschenverstand, der Ihnen sagt, dass es nicht nach einer besonders guten Idee klingt, einen toxischen Chemiekalienmix in die Erde zu pumpen, ohne die kurz- und langfristigen Folgen zu kennen.

Protestschild gegen "Fracking"
Protestschild gegen "Fracking" Quelle: dpa

Doch es gibt nicht nur ein Problem mit dem Wasser. In Ohio bebte 2012 plötzlich mehrere Male die Erde, obwohl die Region gar kein Erdbebengebiet ist. Auch in Deutschland kommt es zu Erdbeben in Gebieten, die nicht für Erdbeben bekannt sind. So erschüttert in der Nähe von Rotenburg im Oktober 2004 ein Erdbeben der Stärke 4 die Region.

Erdbeben durch Gasbohrung

Erdbebenforscher Prof. Torsten Dahm hat die Erdgasförderungen in der Gegend im Verdacht und den Fall untersucht. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 65 Prozent, so Dahms Ergebnis, haben die Erdgasbohrungen diese Erdbeben verursacht. Auch ein weiteres Erdbeben im Februar 2012 konnte an fast der gleichen Stelle nachgewiesen werden, nachdem eine weitere Förderanlage, die mit der Fracking-Methode arbeitet, dort errichtet wurde.

Der Grund für die Erdbeben ist möglicherweise die angewendete Fördertechnik. Dabei ist es zunächst nicht von Bedeutung, welche Methode bei der Förderung angewendet wird. Sowohl bei konventionellen Fördermethoden als auch beim Fracking bleiben durchlöcherte Gesteinsschichten zurück, die vermutlich nach und nach zusammensacken. Das Ergebnis: Die Erde bebt. Bis es zu den Beben kommt, können allerdings einige Jahre vergehen.

Wie geht es weiter?

In Frankreich und Bulgarien ist die Fracking-Methode schon verboten. In Deutschland wird hingegen noch darüber diskutiert. Obgleich die Bedeutung des Erdgases bei der Energiewende von den meisten nicht angezweifelt wird, spricht sich beispielsweise Greenpeace ohne eingehende Prüfung der Folgen und ohne Offenlegung aller eingesetzten Chemikalien gegen Fracking aus. Auch Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller sieht ein Risiko für Umwelt und Gewässer.

Selbst wenn es zu keinen weiteren Bohrungen mit der Fracking-Methode kommt, werden voraussichtlich weiter konventionelle Erdgasfelder angebohrt und ausgebeutet. Das heißt, wenn die Erdbebenforscher Recht behalten, wird es auch in den nächsten Jahren zu Beben kommen, die auf die Bohrungen zurückzuführen sind.

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