Gefährlicher Badespaß

Viele Menschen glauben, dass sie in Strandnähe beim Baden sicher sind. Doch bestimmte Wasserströmung können gewaltige Kräfte haben und einem sozusagen den Boden unter den Füßen wegziehen. Die Kraft dieser Strömungen wird immer wieder unterschätzt - auch auf der Urlaubsinsel Sylt.

Ein scheinbar sicherer Ort

Auch Jörg Petersen will am 19. Juli 2003 mit seiner ganzen Familie einen Strandtag auf Westerland genießen. Niemand ahnt, dass an diesem Tag alles anders kommen wird. Petersen ist an der Nordsee geboren und glaubt, die Gefahren zu kennen. Seine Tochter Nele und ihre Cousine planschen neben einer so genannten Buhne, einem Damm, der die Wellen am Strand brechen soll. Es scheint, ein sicherer Ort zu sein.

Badestrand an der Nordsee
Badestrand an der Nordsee

Die Petersens wissen, dass der Badestrand in Westerland sorgfältig bewacht wird, aber sie sind früh dran, und die Rettungsschwimmer der DLRG treten ihren Dienst erst eine Stunde später an. Ausgerechnet in diesem Zeitraum kommt es zu einer starken Unterströmung im Wasser. Diese Unterströmungen werden auch Rippströmungen genannt. Sie entstehen an Hindernissen im Meer, wie Sandbänken oder eben den Buhnen. Die verhindern zwar Querströmungen, erzeugen aber auch gefährliche Rippströmungen. Die Wellen werden an der Buhne gestoppt, dort staut sich das Wasser, bündelt sich und fließt weit auf das offene Meer zurück.


Warnschilder am Strand

Das Gefährliche an den Unterströmungen ist, dass man sie nicht sieht. Sie verlaufen wie ein unsichtbarer Fluss unter den Wellen. Deshalb warnen überall am Strand Schilder vor den lebensgefährlichen Unterströmungen. Doch die meisten werden viel zu wenig von den Urlaubern beachtet.

Obwohl die kleine Nele nur knietief und im Blickfeld der Eltern im Wasser ist, erfasst eine Unterströmung sie mit voller Wucht und zieht ihr die Beine weg. Ihre Cousine kann sich noch an den Strand retten, Nele aber verliert den Kampf gegen die Rippströmung und treibt immer weiter vom Strand aufs offene Meer ab. Die Hilferufe ihrer Tochter schrecken Susanne Petersen auf. Vater Jörg handelt sofort und springt an der gleichen Stelle ins Wasser, was ein fataler Fehler ist. Die Strömung reißt ihn mit.


In der Strömung gefangen

Grafik Unterströmung
Grafik: Unterströmung


Die unsichtbare Rippströmung kann unter der Wasseroberfläche eine Länge von 100 Metern erreichen. Das bedeutet, in Sekundenschnelle zieht die Unterströmung Jörg Petersen auf´s offene Meer hinaus. Seine Tochter Nele ist zu diesem Zeitpunkt schon 50 Meter vom rettenden Strand entfernt. Sie kann sich nur mit Mühe halten. Beide sind in der Strömung gefangen.


Ein Strandbesucher erkennt die lebensbedrohliche Gefahr, in die Vater und Tochter geraten sind und will den beiden helfen. Er glaubt, zu dritt kämen sie vielleicht mit gemeinsamer Kraft gegen die Strömung an und könnten den rettenden Strand erreichen. Doch der Kampf gegen die Strömung ist aussichtslos. Der Mann wird ebenfalls von der Strömung erfasst.


Jede Sekunde zählt

Rettungsschwimmer Manfred Winkler ist an diesem Tag nur zufällig eine Stunde vor Dienstbeginn auf dem Weg zu seinem Rettungsturm. Beim Blick über den Strand merkt er sofort, dass mit den Schwimmern vor der Küste etwas nicht stimmt. Er zögert keinen Augenblick, denn er weiß, dass jede Sekunde zählt. Der Rettungsschwimmer steht also vor der Aufgabe, bei starker Strömung drei völlig entkräftete Menschen aus dem Wasser ziehen zu müssen.

Winkler weiß, welchen Fehler er jetzt auf keinen Fall machen darf. Wenn er gegen die Strömung anschwimmt, verliert er nur Kraft, dann kommt Panik auf, Blut fließt in die Beine und mit Pech ertrinkt man. Um das zu verhindern, macht der Profi etwas, was für den Laien vollkommen irrational erscheint. Er schwimmt mit den Dreien im Schlepptau nicht gegen, sondern mit der Strömung weiter hinaus auf´s Meer, denn nach etwa 100 Metern wird die Strömung langsam schwächer, weil sich das an den Buhnen gestaute Wasser wieder ausbreiten kann. Dann macht Winkler einen großen Bogen, schwimmt seitlich aus der Strömung heraus und zur Küste zurück.


Unglaubliche Rettungsaktion

Auch für den geübten Rettungsschwimmer ist das ein ungeheurer Kraftakt. Die Rettungsaktion dauert 20 Minuten. Zug um Zug bringt er alle drei heil zum Strand zurück. Nur dank seiner Entscheidung, nicht gegen die übermächtige Strömung anzukämpfen, gelingt Manfred Winkler die unglaubliche Rettungsaktion. An diesem 19. Juli 2003 geraten noch fünf weitere Schwimmer in die Rippströmung vor Sylt. Manfred Winkler rettet sie alle.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet