Gefahr aus dem Weltall

Wie gefährlich sind Sonnenstürme?

Licht und Wärme der Sonne sind die Grundvoraussetzungen für Leben auf der Erde. Doch die scheinbar unerschöpfliche Kraft der Sonne kann unserem Planeten durchaus gefährlich werden. Für das Jahr 2012 erwarten Forscher den Höhepunkt eines geomagnetischen Sonnensturms, dem ein Chaos von ungeahnten Ausmaßen folgen kann.

Starke Eruption auf der Sonne
Starke Eruption auf der Sonne Quelle: ZDF

Ohne Strom geht gar nichts

Sonnenstürme können gravierende Folgen auf unsere globale Vernetzung haben. Die Strahlung aus dem All kann die Stromversorgung und die Kommunikationssysteme weltweit nicht nur empfindlich stören, sondern auch außer Kraft setzen. Die Stromausfälle werden dramatische Auswirkungen auf unser Leben und unseren Alltag haben.
Astrophysiker beobachten die Sonnenaktivitäten genau und beraten Europas Weltraumorganisation Esa. Sie befürchten, dass eines Tages ein solarer Supersturm die Erde erreichen könnte, dessen Folgen dramatisch wären: Durchdringt die gigantische Wolke elektrisch geladener Teilchen die Erdatmosphäre, führt das zu starken Überladungen in Strom- und Telefonleitungen.

Bereits kurz nach dem Blackout fallen Computer, Radio und Fernseher aus. Auch die Handynetze brechen zusammen. Die elektrisch geladene Wolke von der Sonne stört die Kommunikations-Satelliten und das Magnetfeld der Erde. Die Stromnetzbetreiber kennen die Gefahr eines Blackouts. In den Großstädten sollen ringförmige Verteilernetze die Versorgung sichern. Fällt eine Leitung aus, soll eine andere den Strom liefern.

Mobiles Einsatzkommado

In den ersten Stunden sind pausenlos Rettungskräfte im Einsatz. Ganz entscheidend sind dann mobile Stromgeneratoren und die brauchen Kraftstoff. Doch von den Tankstellen können die Krisenhelfer keine Hilfe erwarten. Ohne Strom fallen sämtliche Zapfsäulen aus, es fließt kein Tropfen Sprit mehr. In Berlin zum Beispiel besitzt immerhin eine Tankstelle ein Notstromaggregat. Und im Krisenfall darf hier zumindest die Feuerwehr tanken. Die Experten müssen unbedingt eine Lösung für das Tankproblem finden. Denn nicht nur die Feuerwehr braucht dringend Kraftstoff.

Frankfurt bei Nacht Quelle: dpa


Elektrizität ist das Rückgrat aller modernen technologischen Gesellschaften. Ein Totalausfall von Stromnetzen hätte chaotische Auswirkungen auf unseren Alltag. Nach kurzer Zeit würde die Trinkwasserversorgung ausfallen, denn ohne Strom laufen keine Pumpen in den Wasserwerken. Zeitgleich kämen die Transportwege für alle Güter zum Erliegen. LKWs könnten nur noch mit dem Sprit fahren, den sie im Tank haben, denn auch die Pumpen an den Tankstellen fielen dann aus. Alle Züge, Straßen- und U-Bahnen stünden still. Die komplette Infrastruktur käme zum Erliegen, es gäbe keine Abwasserentsorgung, keine Heizungen oder Klimaanlagen.

Supermarkt Quelle: ZDF


Weil sich die Menschen schnell noch mit Vorräten eindecken wollen, leeren sich die Supermarktregale durch Hamsterkäufe innerhalb kurzer Zeit. Lebensmittel und Medikamente, die gekühlt werden müssen, verderben. In den Kliniken springen zwar die Notstromaggregate an, doch deren Treibstoff reicht in der Regel gerade mal für 72 Stunden. Ist er aufgebraucht, endet die moderne medizinische Versorgung. Notfallpatienten können nicht mehr ausreichend versorgt werden. Für viele würde das tödlich ausgehen - ein Horrorszenario.

Ein schrecklicher Teufelskreis

OP Krankenhaus Quelle: ZDF


Geomagnetische Stürme bringen die Transformatoren in den zahlreichen Verteilstationen zum Schmelzen. Selbst wenn Teile des Stromnetzes rasch repariert werden, ist nicht sicher, ob sie auch Strom führen. Denn die Kraftwerke stehen still, weil es keinen Brennstoff mehr gibt. Kohlekraftwerke haben meist Reserven für nur etwa 30 Tage.

Sind die Reserven aufgebraucht, kann mangels Transportkapazität nicht nachgeliefert werden, und um Öl oder Gas durch die Röhren der Verteilernetze zu befördern, braucht es auch strombetriebene Pumpen. Davon wären auch Kernkraftwerke betroffen. Denn sie würden bei Netzproblemen vorsichtshalber abgeschaltet und dürfen erst wieder hochgefahren werden, wenn die Leitungen funktionierten.

Frühere Schäden durch Sonnenstürme

Die solaren Superstürme sind keine Hirngespinste. Sie haben schon in der Vergangenheit beträchtliche Schäden angerichtet, wie zum Beispiel im schwedischen Malmö. Dort ist 2003 das gesamte regionale Stromnetz ausgefallen. Luftkorridore in Nord-Kanada sind für Passagierflugzeuge geschlossen worden, Signale der Satelliten und Navigationssysteme haben nicht funktioniert.


Im März 1989 legt ein Sonnensturm in der kanadischen Provinz Quebec fast das gesamte Stromnetz lahm und verursacht ein Chaos, weil Verkehrsleitsysteme, Flughäfen sowie die Fernwärmeversorgung ausfallen. Sechs Millionen Menschen sind neun Stunden lang ohne Strom. Das sind harmlose Folgen, verglichen mit dem großen Sonnensturm von 1859.

Niemals zuvor ist ein so mächtiger Sonnensturm registriert worden. Während in Havanna und Rom Polarlichter den Nachthimmel erleuchten, schießen in Nordeuropa und Nordamerika Starkströme durch Telegrafenleitungen und fangen Feuer. Die Auswirkungen eines Sonnensturms von dieser Intensität wären heute verheerend. Denn zur damaligen Zeit existierte noch kein Internet und die Welt war nicht so global vernetzt wie heute.

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