Ohne Netz und doppelten Boden

Gefährlicher Job in schwindelnder Höhe

Arbeiten in großen Höhen gehören zu den gefährlichsten Tätigkeiten. Sie erfordern höchste Konzentration und besondere Sicherheitsmaßnahmen, denn in schwindelnder Höhe droht permanente Absturzgefahr. Industriekletterer, Fensterputzer von Hochhäusern oder Arbeiter im Hoch- und Brückenbau müssen trittsicher und schwindelfrei sein.

Es gibt Menschen, die ohne Schwindelgefühl in großen Höhen balancieren können. Generell wird Höhenschwindel nicht durch Angstreaktionen ausgelöst, sondern hat biologische Ursachen.

Sinnesorgane sorgen für Gleichgewicht

Höhenschwindel
Höhenschwindel

Schwindel ist eine ganz normale Reaktion des Körpers auf große Höhen, die jeder Mensch anfangs empfindet. Drei Sinnesorgane sorgen dafür, dass wir uns im Gleichgewicht fühlen und sicher aufrecht stehen, selbst wenn der Untergrund schwankt. Die Informationen aus den Augen, Ohren und Dehnungs-Sensoren in den Beinmuskeln werden im Gehirn zu einem Gesamteindruck verarbeitet.

Im normalen Zustand nehmen die Augen Fixpunkte wahr. Als optische Bezugspunkte nutzen wir den Horizont oder Objekte wie Bäume und Häuserkanten. Was im Auge senkrecht oder waagerecht erscheint, hängt auch davon ab, ob der Kopf geneigt ist. Diese Information liefert das Gleichgewichtsorgan im Ohr. Nerven in Füßen und Beinen übermitteln außerdem Angaben zur Körperhaltung, ob wir am Hang oder auf schwankendem Untergrund stehen. Diese Signale verarbeitet das Gehirn und erkennt, ob Gefahr besteht oder nicht.

Schwindelfreiheit ist trainierbar

Beim Balancieren in der Höhe ist das ganz anders. Unsere Augen suchen vergeblich nach Fixpunkten, deshalb schwankt der Kopf automatisch leicht hin und her. Durch die winzigen Bewegungen und eine zu große Entfernung lassen sich keine Fixpunkte ausmachen. Wir erkennen weder Horizont noch Senkrechte. Das Schwanken wirkt irritierend auf dem Gleichgewichtssinn, obwohl die Beine sicheren Stand melden.

Die Destabilisierung der Körperhaltung verursacht Höhenschwindel, weil das Gehirn mit den unterschiedlichen Informationen überfordert ist. Doch Schwindelfreiheit ist nicht angeboren, sie ist trainierbar. Da das menschliche Gehirn enorm lernfähig ist, lässt sich z. B. Schwindelfreiheit in gewissem Umfang trainieren, in dem man sich langsam empor tastet.

Höhenrettung im Einsatz

Grafik - Mann im Rettungsseil
Grafik - Mann im Rettungsseil

Selbst Profis werden eine gewisse Angst vor dem Absturz nie ganz los, obwohl sie mit einem Gurtsystem aus Sicherungsseilen arbeiten. Doch genau das Gurtsystem, das ihnen bei einem Absturz das Leben rettet, bringt sie auch in Lebensgefahr. Denn die Gurte, mit denen Höhenarbeiter gesichert sind, müssen schmal sein, damit sich die Arbeiter auf der Baustelle frei bewegen können. Fällt ein Arbeiter aus großer Höhe in das Gurtsystem, sackt das Blut in die Beine, die Gurte schnüren das Blut ab, und es droht Bewusstlosigkeit - eine lebensbedrohliche Situation.

Frei im Seil zu hängen ist sehr gefährlich, weil schon nach zehn Minuten Organschäden drohen. Die Muskeln in den Beinen arbeiten nicht mehr, weil der Widerstand unter den Füssen fehlt. Die Folge ist, sie fördern kein Blut mehr durch die Venen zurück zum Herzen, es droht ein so genanntes Hängetrauma. Nur 20 Minuten Zeit nach dem Sturz bleibt den Höhenrettern, um den Verletzten schnellstmöglich aus dem abschnürenden Gurtsystem zu befreien. Die ausgebildeten Kletterer und Sanitäter seilen sich zu dem Verletzten ab, klinken ihn in ihr eigenes Sicherungssystem ein und kappen das Seil, an dem der Arbeiter hängt. Damit der Verletzte den Absturz ohne bleibende Schäden überlebt, wird er ganz langsam stabilisiert.

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