Seenot-Experiment in der Nordsee

Wie lange hält es ein Mensch im kalten Seewasser aus?

Der Segler Uli Else hat nach einem Schiffsunglück 25 Stunden in der kalten Nordsee überlebt. Er ist 30 Kilometer weit übers Meer bis zur rettenden Küste Dänemarks geschwommen. Experten überrascht diese Leistung. Kann man das Wunder von Ulis Rettung erklären? Facharzt Dr. Baumeier will das mit einem Seenotrettungsteam und einem Experiment herausfinden.

Allan treibt im Wasser
Allan treibt im Wasser Quelle: ZDF

Riskante Entscheidung

Der geübte Schwimmer Allan steht im Mittelpunkt des Tests. Das Experiment soll ihn gezielt in Seenot versetzen, aber natürlich unter kontrollierten Bedingungen.
Rettungskräfte werden ihn bei per GPS überwachen und nicht aus den Augen lassen. Wenn nötig, werden sie den Freiwilligen sofort aus dem Wasser holen. Mit einem Funk-EKG hat Dr. Baumeier die Lebensfunktionen im Blick. Schon nach kurzer Zeit beginnt Allan extrem zu frieren. Durch Schwimmen will er sich aufzuwärmen. Schon bei relativ ruhiger See fühlt sich der Testschwimmer durch Wellengang und Weite wie verloren. Allan verliert die Orientierung. Zu Beginn des Tests versucht er noch eine Richtung einzuhalten, aber dann schwimmt er doch nur im Kreis.

Allan versucht sich durch Schwimmen aufzuwärmen
Allan versucht sich durch Schwimmen aufzuwärmen Quelle: ZDF

Seine Augen haben keinen festen Halt. Im Ernstfall könnte er jetzt kaum noch selber zurück zur Küste finden. Nach zwei Stunden lassen die Kräfte nach. Die Herzfrequenz verlangsamt sich. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Kälte anfängt, vom Körper Besitz zu ergreifen. Allans Beine schmerzen.

Allan schwimmt im Kreis
Allan schwimmt im Kreis Quelle: ZDF

Die "Kälte-Idiotie"

Doch urplötzlich verhält sich Allan ziemlich merkwürdig, geradezu fröhlich. Für Dr. Baumeier ist Allans Verhalten ein Alarm-Signal. Es gibt die so genannte "Kälte-Idiotie": Durch die Abkühlung des Gehirns kommt zu einer Funktionsstörung im Gehirnstoffwechsel, was mit einer läppischen Stimmung einhergehen kann, zum Teil auch mit unsinnigen Handlungen. Im Zustand dieser "Kälte-Idiotie" zieht sich Allan im 17 Grad kalten Wasser sogar die Kapuze vom Kopf.

Doch als seine Bewegungen immer langsamer werden, greift Dr. Baumeier ein und bricht das Experiment ab. Zweieinhalb Stunden hat Allan durchgehalten. Nur ein Bruchteil der Zeit, die Uli Else in der Nordsee überlebt hat. Für Dr. Baumeier bleibt der Fall von Uli Else weiterhin ein Wunder. Die einzige Erklärung: Uli entwickelte durch puren Überlebenswillen eine schier übermenschliche Kraft. Allan befand sich hingegen nie wirklich in Gefahr. Er wusste, dass er das Experiment jederzeit abbrechen kann.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet