Spezialschiff im Einsatz

Mit der Tauchglocke auf dem Grund des Rheins

Wissen | Terra Xpress - Spezialschiff im Einsatz

Am Heck der "Carl Straat" befindet sich eine Taucherglocke, die durch Luftüberdruck das Wasser verdrängt. Somit kann der Grund des Rheins untersucht werden, ohne dass man nass wird.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.02.2017, 18:30

Das 52 Meter lange Tauchglockenschiff "Carl Straat" wurde 1963 gebaut und ist einzigartig in Europa. Am Heck des Schiffes befindet sich eine Tauchglocke, die durch Luftüberdruck eindringendes Wasser verdrängt. Somit ist es möglich, in dieser Tauchglocke den Grund des Rheins zu untersuchen ohne nass zu werden.

Taucherglockenschiff Carl Straat
Taucherglockenschiff Carl Straat

Aufgaben des Tauchglockenschiffs

Heimathafen der "Carl Straat" ist Duisburg, das Schiff wird auf Rhein und Mosel eingesetzt. Die maximale Tauchtiefe beträgt zehn Meter.


Die Schiffsbesatzung kontrolliert Bauwerke wie Brücken und Wehre, Verankerungen von Fahrwassertonnen, im Auftrag der Bundesanstalt für Gewässerkunde führt sie Untersuchungen der Flußsohle durch, da sich der Untergrund ständig verändert. Zu den besonders wichtigen, aber dennoch alltäglichen Einsätzen gehört die Beseitigung von Hindernissen wie Ankern oder verlorener Ladung im Flussbett. Mit Hilfe der Tauchglocke werden diese gesucht und mit starken Winden geborgen. Von der Brücke des Schiffs aus überwacht ein Besatzungsmitglied die Arbeiten per Videokamera.

Besatzung im Innern der Taucherglocke
Taucherglocke innen Quelle: ZDF


Terra Xpress hat das Spezialschiff zur Maxauer Brücke bei Karlsruhe begleitet. Deren Vorgänger, eine Eisenbahnbrücke, wurde in den letzten Kriegstagen gesprengt. Kapitän Thomas Bach hat an diesem Tag die Aufgabe, nach Blindgängern oder gefährlichen Stahlträgern zu suchen, die die Strömung des Rhein erst jetzt freigelegt hat. Die Strömungsgeschwindigkeit beträgt an dieser Stelle etwa 25 km/h, für einen Taucher wäre ein Einsatz hier lebensgefährlich, er würde sofort weggespült werden.

Arbeitsplatz Tauchglocke

Das Prinzip funktioniert wie bei einem umgestülpten Glas: Sobald die Unterkante der Tauchglocke im Wasser ist, bläst ein Kompressor Unmengen Druckluft in die Glocke. Dadurch entsteht im Inneren von Glocke und Röhre ein Überdruck, der das Eindringen des Wassers verhindert. Hat die Carl-Straat ihren Einsatzort erreicht, wird die Glocke an schweren Stahltrossen abgelassen.

Blick in die unten offene Taucherglocke
Unten offene Taucherglocke Quelle: ZDF


In der Tauchglocke herrscht ein höherer Luftdruck, je nach Tiefe zwischen 0,5 und 1 Bar. Dadurch ist die Arbeit dort physisch sehr belastend. Um in die Tauchglocke zu gelangen, müssen sich die Arbeiter in einer Druckluftschleuse langsam an den Überdruck in der Tauchglocke gewöhnen. Minutenlang wird entsprechend der Tauchtiefe Druck aufgebaut. Erst wenn in Schleuse und Tauchglocke der gleiche Druck herrscht, lässt sich das Schott in die Tiefe öffnen. Direkt hinter der Schleuse gelangt man über eine 15 Meter lange Eisentreppe in einem Schachtrohr in die Tauchglocke.

Hindernisse im Flußbett

Eisentreppe zur Taucherglocke
Treppe zur Taucherglocke Quelle: ZDF


Die Tauchglocke besteht aus einer vier mal sechs Meter großen Metallkammer, deren Unterseite komplett offen ist. Sobald die Glocke auf dem Grund aufsetzt, können die Ingenieure und Schiffsarbeiter im Flussbett ihre Arbeit beginnen - trockenen Fußes, der Luftdruck sperrt das Wasser aus. Die versenkbare Werkstatt, etwa so groß wie eine Garage, ist gut ausgerüstet: Schlagbohrer, Hämmer oder Seilwinden, die Besatzung kann alle Arbeiten ausführen, die unter Wasser anfallen. Die eigentliche Suche nach Brückenresten oder Blindgängern an der Maxauer Brücke beginnt.

Per Befehl an die Brücke wird die Tauchglocke angehoben. Die Glocke selbst ist unbeweglich: Um den Boden abzusuchen, muss der Kapitän das gesamte Schiff bewegen. Ein schwarzer Schatten stellt sich als Schiffsanker heraus, der geborgen werden muss. Teile wie der Anker werden erst durch die Strömung des Rheins zur Gefahr: das fließende Wasser hält das Kiesbett am Grund in ständiger Bewegung. Dadurch werden Anker oder Stahlteile noch oben gedrückt und könnten sich schlimmstenfalls aufrichten - eine Gefahr für vorbeifahrende Schiffe. An Lastengurten sichern die Männer das tonnenschwere Stahlbauteil. Mit der Beute am Haken geht's wieder nach oben. Auf diese Weise sichert die Crew sogar Autos oder Blindgänger - einzigartig in Deutschland.

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