Vorsicht Autodiebe!

Dirk Steffens testet, wie leicht Autos geknackt werden können

Viele Autobesitzer glauben, ihre Fahrzeuge seien aufgrund der aufwändigen Sicherheitstechnik schwieriger zu klauen als früher. Leider ist das nicht ganz so. Wie leicht moderne Sicherheitssysteme zu knacken sind, hat Dirk Steffens mit einem professionellen Team ausprobiert.

Autodiebstahl
Autodiebstahl Quelle: Colourbox

Die beiden Besitzer eines herkömmlichen Kompaktwagens und eines Mittelklasse-Kombi werden von Dirk Steffens zum Shoppen geschickt. Beide ahnen nicht, dass man versuchen wird, ihre Autos zu klauen. Die erste Hürde ist das Türschloss am Wagen. Johnny Dietrich ist der Experte vom Schlüsselnotdienst. Bei Türschlössern vertrauen selbst moderne Autodiebe immer noch auf klassisches Handwerk und Fingerspitzengefühl. In einer Minute und achtundfünfzig Sekunden hat der Spezialist den Kompaktwagen geöffnet. Wie er das gemacht hat, bleibt sein Geheimnis.

Fahrbereit in fünf Minuten

Eine viel höhere Hürde ist die elektronische Wegfahrsperre. Um die kümmert sich Daniel Schmidt, ein Experte für Fahrzeugelektronik. Ein simpler Schraubenzieher genügt ihm, um über die Zündung den Strom für die Elektronik freizuschalten. Dann zapft er über den Diagnoseanschluss des Autos mit einem Laptop und einer ganz legalen Software den Bordcomputer an. Hier lesen Werkstätten normalerweise Fehlermeldungen aus. Doch Diebe wissen, dass darin auch der Deaktivierungs-Code für die Wegfahrsperre steckt. Wer den kennt, braucht nur noch einen Schlüssel.

Dirk Steffens mit KFZ-Spezialisten
Dirk Steffens mit KFZ-Spezialisten Quelle: ZDF

Schmidt nimmt einen Ersatztransponder, der sich in jedem Schlüssel befindet und lernt ihn einfach neu an, als wenn er einen neuen Schlüssel hätte. Er programmiert also den Chip eines beliebigen Schlüssels so um, dass er genau zum Auto passt. Dann muss er nur noch den Deaktivierungs-Code eingeben, um die elektronische Wegfahrsperre auszuschalten, und schon ist der Wagen fahrbereit - in fünf Minuten und sechs Sekunden. Das macht zusammen nur sieben Minuten, bis das erste Fahrzeug für eine Spritztour bereit ist.

Autodiebstahl mit der Drive-Box

Bei dem Kombi geht der Profi noch raffinierter vor. Für echte Autodiebe ist die Laptop-Methode fast lächerlich. Sie greifen zur so genannten Drive-Box. Damit dürfen eigentlich nur Automechaniker oder Schlüsseldienste arbeiten. In den Händen des Elektronik-Spezialisten wird daraus ein Autoknacker-Werkzeug im Westentaschenformat: einfach in den Diagnoseanschluss stecken, Zündung auslösen, und die Wegfahrsperre ist ausgeschaltet.

Die ganze Prozedur dauert drei Minuten und 33 Sekunden. Nur gut zehn Minuten haben die Profis gebraucht, um zwei Autos zu kapern, obwohl jedes eine elektronische Wegfahrsperre besitzt. Wenigstens bekommen die Besitzer Jeannette und Roman ihre Autos wieder heil zurück. Viele Menschen haben weniger Glück.

Dreiste Autoknacker

Bremen ist eine Hochburg für Kriminalität im PKW-Bereich. 2011 hat man dort über 6000 Autoaufbrüche erfasst. Die Aufklärungsquote betrug jedoch nur drei Prozent, und die Autoknacker werden immer dreister. Die Autoscheibe wird eingeschlagen und blitzschnell klauen die Täter, was sie wollen und verschwinden, ohne Spuren zu hinterlassen. Die Polizei ist meistens machtlos.

In Bremen arbeiten die Ermittler deshalb mit einem Trick. Die Polizei hat im Stadtgebiet Lockfahrzeuge verteilt, die mit einer speziellen Technik präpariert sind. Sobald ein Lockauto attackiert wird, löst es einen stillen Alarm aus. Um den Eindringling zu überführen, hat die Bremer Polizei eine Sprühanlage in die Lock-Autos eingebaut. Die Anlage ist befüllt mit künstlicher DNA. Sie entleert sich bei einem Einbruch zusammen mit einer ultravioletten Markierungsflüssigkeit über den Täter. Wenn die Polizei dann direkt nach der Tat den Verdächtigen schnappt, können sie ihn noch an Ort und Stelle mithilfe einer UV-Lampe überführen, denn unter ihrem Licht zeigt der Mann bläuliche Flecken der Markierungsflüssigkeit auf der Haut.

Markierungsflüssigkeit unter UV-Lampe
Markierungsflüssigkeit unter UV-Lampe Quelle: ZDF

Ermittlungsmethode der Zukunft

Die künstliche DNA ist genauso unverwechselbar wie menschliches Erbgut. Wird ein Täter damit besprüht, kann die Polizei ihn später eindeutig dem Tatort zuordnen. Die Flüssigkeit wird der Täter auch nicht mehr so schnell los. Die Partikel, die sich an der Haut befinden, sind mehrere Wochen feststellbar. Erst wenn sich die Haut selbst irgendwann erneuert, ist es nicht mehr festzustellen. Aber der Autoknacker hat auch noch die besprühte Bekleidung. Auch daran haftet die künstliche DNA mehrere Monate, zum Teil jahrelang.

Künstliche DNA überführt aber nicht nur Täter, sondern schützt auch Wertsachen. Die für Diebe unsichtbare Markierung enthält so genannte Microdots, winzige Punkte, auf denen sich ein Zahlencode versteckt. Diese Seriennummer erscheint nur unter dem Mikroskop. Damit kann die Polizei beschlagnahmtes Diebesgut dem Eigentümer zuordnen, wenn er sich vorher in einer Datenbank registriert hat. Neueste Zahlen der Polizei belegen: Je mehr Autos oder Wertsachen mit künstlicher DNA markiert sind, desto weniger Diebe vergreifen sich daran.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet