Was geschah beim Tunnel-Bankraub von Berlin?

Wissen | Terra Xpress - Was geschah beim Tunnel-Bankraub von Berlin?

Fachmännisch gruben Einbrecher von einer nahe gelegenen Tiefgarage aus einen 40 Meter langen Tunnel in den Tresorraum einer Bank. Dort räumten sie ungefähr 300 Schließfächer aus.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 16.06.2018, 00:00

Er ist einer der abenteuerlichsten Kriminalfälle Deutschlands: Der Tunnel-Bankraub von Berlin-Steglitz, der im Januar 2013 für Aufsehen sorgte und noch immer nicht aufgeklärt ist. Wie konnte ein solcher Coup gelingen und was steckt dahinter?

Das Eindrucksvolle: Fachmännisch gruben die Einbrecher von einer nahegelegenen Tiefgarage aus einen 50 Meter langen Tunnel in den Tresorraum der Bank. Dort räumten sie 277 Schließfächer leer. Bei Terra Xpress steht als Kronzeuge der Chefermittler Kriminalhauptkommissar Torsten Schulz von der “SoKo Tunnel“ beim Berliner Landeskriminalamt vor der Kamera. Er erklärt, wie raffiniert die Täter vorgegangen sind.

Überraschende Antworten

Die Fragen: Wie konnten die Vorbereitungen für den Coup unbemerkt bleiben? Welches Spezialwerkzeug wurde eingesetzt, um einen derart gewaltigen Tunnel zu graben – und wie haben es die Gangster geschafft, kein Aufsehen zu erregen? Wie konnten sie die massiven Betonwände des Tresorraumes durchdringen, ohne dass Anwohner und Passanten etwas mitbekamen? Wie haben sie Tonnen von Aushub unbemerkt abtransportiert? Und was war genau mit der Alarmanlage? Dazu findet Terra Xpress mit einem Expertenteam und aufwändigen Experimenten überraschende Antworten.

Um durch die 30 Zentimeter dicke Betonwand der Tiefgarage in Richtung Bank zu gelangen, brauchen die Täter schweres Gerät, eine so genannte Kernbohrmaschine. Im Fachhandel bekommt man sie ab 5000 Euro, sie bohrt Löcher, durch die ein Mann leicht durchpasst. Thorsten Schulz von der "SoKo Tunnel": "In diesem Fall wurden so um die 40 Zentimeter benutzt, und davon wurden mehrere Löcher nebeneinander gesetzt, wodurch dieses schmetterlingsähnliche Loch entstand." Im Deutschen Bergbaumuseum in Bochum klärt Terra Xpress die offenen technischen Fragen. In 20 Metern Tiefe baut Bergbauingenieur Dr. Sigfried Müller einen vergleichbaren Tunnel und findet heraus: Schon mit einer übergeworfenen schallschluckenden Decke sinkt der Lärmpegel auf rund 50 Dezibel, wie leichter Straßenlärm. Außerdem entstanden schon beim Testtunnel auf fünf Metern zwölf Tonnen Abraum, geschätzte 120 Tonnen Berliner Sand mussten die Tunnelgangster aus der Tiefgarage entsorgen.

Viele Kunden sind nicht versichert

Spannend wird es außerdem bei der Frage, was die Kunden der Bank alles in den Schließfächern untergebracht hatten. Und wer kommt eigentlich für diese Verluste auf? Eine Interessengemeinschaft der Geschädigten geht jetzt auf eigene Faust vor. Auch Roland Sieben vermisst nicht nur Erinnerungsstücke, er verliert einen Teil seiner Altersvorsorge: "Das ist eine sechsstellige Summe, es ist sozusagen: Ein Teil meiner Rente hat sich verabschiedet." Viele der Geschädigten haben zu ihrem Bankschließfach keine zusätzliche Diebstahlversicherung abgeschlossen. Die Sprecherin der Berliner Volksbank Nancy Mönch verdeutlicht den Standpunkt ihres Geldhauses: "Wenn Sie wollen, dass Ihre Wertgegenstände geschützt sind, vor nämlich diesen Extremen: Einbruch, Feuer und Wasserschaden, dann müssen sie eine Schließfachversicherung abschließen. Dass es bei der Berliner Volksbank keine automatische Schließfachversicherung gibt, müsste jedem Kunden bekannt gewesen sein." Die Opfer wollen nun gemeinsam Ansprüche gegen die Bank geltend machen. Vielleicht werden die Täter ja auch noch gefasst und zur Rechenschaft gezogen und die Beute taucht wieder auf.

Noch mehr zum Tunnel-Fall bei der Sendung "Aktenzeichen XY…ungelöst" am 7.8.2013 im ZDF

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