Wie überlebt man 20.000 Volt?

Gefährliche Reparatur an einer Hochspannungsleitung

Hochspannungsleitungen überziehen Deutschland wie ein gigantisches Netz aus purer Energie. Durch sie fließt der Strom, der unser modernes Leben erst möglich macht - mit Spannungen bis zu 380.000 Volt. Doch wie repariert man eigentlich Hochspannungsleitungen?

Terra Xpress begleitet ein Team bei einem riskanten Einsatz. Ein maroder Strommast aus Holz muss ersetzt werden. Den Strom vorher abzuschalten, ist nicht möglich, sonst wäre die Gemeinde in der Nähe ohne Energie. Die Männer müssen ihren Job daher bei vollem Betrieb und 20 000 Volt Spannung erledigen.

Respekt vor 20.000 Volt

Monteur in Schutzkleidung
Monteur in Schutzkleidung

Dazu tragen die Arbeiter eine Spezialrüstung. Sie besteht aus zwei Schichten. Zuerst kommt ein feuerfester Anzug und darüber Armlinge und Handschuhe aus nichtleitendem Kautschuk. Damit können die Männer die unter Strom stehenden Leitungen anfassen. Trotzdem: Wenn die Männer die 20.000-Volt-Leitung anfassen, bekommen auch Profis gehörigen Respekt.


Das präzise Arbeiten mit dicken Handschuhen ist nicht einfach. Die Handschuhe haben aber noch einen gravierenden Nachteil: Sie sind extrem empfindlich. Hätte die Isolierung nur ein winziges Loch, würde der Arbeiter von einem tödlichen Stromschlag getroffen werden.

Bis zu 10.000 tausend Grad Celsius

Und es droht noch eine weitere Gefahr. Denn die Arbeiter müssen aufpassen, dass man nicht mit einer Seite noch in der Spannung hängt und mit der anderen Seite irgendwo am Körper oder an dem Korb. Dann würde ein Kurzschluss entstehen und Energie in einem ultraheißen Lichtbogen von bis zu 10.000 Grad Celsius freisetzen. Aber selbst diesen Extremfall übersteht der Schutzanzug. Er besteht aus Baumwollfasern und Ammoniak. Diese Mischung sorgt dafür, dass nur die Oberfläche verkohlt. Der Mensch im Innern bleibt unverletzt.

In Nordamerika stehen die Stromwerker vor noch gefährlicheren Herausforderungen. Auch sie arbeiten bei voller Hochspannung an den Leitungen. Aber sie schützt ein Anzug, der sich ein ganz anderes Prinzip zu Nutze macht. Er besteht aus rostfreiem Edelmetall. Deshalb isoliert er nicht, sondern leitet den Strom wie ein Faraday'scher Käfig um den Körper herum - egal, an welcher Stelle die Arbeiter die Leitungen berühren. Diesen Schutz brauchen die amerikanischen Stromwerker auch dringend. Denn im Gegensatz zu Deutschland klettern sie bei ihren Einsätzen mit dem ganzen Körper auf den Leitungen herum. Dadurch sind sie ständig Teil des Stormkreises. Überleben können sie das nur dank ihres Anzugs.

Einmalige Fehler

In Deutschland berühren die Stromarbeiter die Leitungen ausschließlich mit den Händen. Deshalb reicht es aus, diese zu isolieren und so gar nicht erst Teil des Stromkreislaufs zu werden. Nachdem die Hochspannungsleitungen vom Mast gelöst sind, kann das Bodenteam den maroden Mast austauschen und einen neuen installieren. Trotz aller Schutzanzüge ist das Team erst erleichtert, wenn alle wieder zurück auf sicherem Boden sind. Denn bei der Arbeit an einer "heißen" 20.000 Volt Leitung macht man nur einmal einen Fehler.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet