Sie sind hier:

"Die frischere Alternative"

Das ZDF feiert sein 50jähriges Jubiläum als Marktführer. Im Gespräch mit der ZDF-Mitarbeiterzeitschrift "Kontakt" erinnert sich ZDF-Intendant Thomas Bellut an Sendungen, die ihn als Jugendlichen geprägt haben.

Kontakt: Das ZDF feiert sein 50-Jahre-Jubiläum als Marktführer. Nicht nur 2012 lag das ZDF in der Zuschauergunst vorne, sondern auch in den ersten zwei Monaten des neuen Jahres. Wie erklären Sie sich die gute Publikumsakzeptanz im Jubiläumsjahr?

Thomas Bellut: Der große Zuspruch freut uns sehr, dennoch halten wir den Ball auch zum Jubiläum lieber flach und geben uns weiterhin Mühe in der kontinuierlich zu optimierenden Programmarbeit. Mit Blick auf die zurückliegenden Jahrzehnte ist aber festzustellen: Wir gehörten immer zu den Top 3 im deutschen Fernsehmarkt. Und wir haben gute Chancen, auch in den kommenden 50 Jahren ein starker Anbieter von Qualitätsprogrammen zu bleiben und dafür ein großes Publikum zu finden.

Kontakt: Doch die Marktführerschaft zum Jubiläum geht einher mit eingeleiteten Strukturveränderungen im Unternehmen, vornehmlich angetrieben durch die Vorgabe der KEF, bis 2016 75 Millionen Euro im Personaletat einzusparen. Oder anders: 400 Vollzeitstellen abzubauen. Nun haben Sie vorgeschlagen, den Digitalsender ZDFkultur einzustellen. Ist das ein Zeichen an die Medienpolitik: Wir haben erkannt, dass die Grenzen des Wachstums erreicht sind?

Bellut: Die medienpolitische Diskussion um die Zahl der Digitalkanäle von ARD und ZDF verlangte nach einer Erklärung, wie wir uns die Entwicklung unserer jungen Beiboote vorstellen. Und angesichts der KEF-Vorgabe hatten wir uns die Frage zu stellen: Wie viele Plattformen können wir mit der nötigen Intensität bespielen, und wo kommen wir an unsere Grenzen angesichts des Personalvolumens, das uns zugestanden wird? Das zusammen führte am Ende zu der Priorisierungsentscheidung: Wir setzen stärker auf ZDFneo und ZDFinfo und weniger auf ZDFkultur. Die Maßnahme, den Sender einzustellen, ist schmerzhaft – zu gründen ist leichter als zu schließen. Aber ich halte den Schritt mit Blick auf das gesamte Unternehmen für absolut notwendig.

Kontakt: Wie würden Sie denn der heutigen jungen und internetaffinen Generation beschreiben, was dieses gesamte Unternehmen ZDF ausmacht?

Bellut: Im Bereich Fernsehen bildet die ZDF-Familie eine vielfältige Plattform, die im Querschnitt aller Programmleistungen das beste Angebot offeriert – vor allem in der Fernseh-Primetime am Abend. Mit hochwertiger Fiction und dem „heute-journal“, mit dem richtigen Mix aus Unterhaltung und Information überzeugen wir unsere Zuschauer. Dabei nehmen wir die Herausforderung an, uns immer wieder zu verbessern und zu erneuern – ein nationaler Sender, der zentral geführt wird, hat da klare Vorteile.

Kontakt: Und was hat das ZDF in fünf Jahrzehnten permanenten Medienwandels besonders geprägt?

Bellut: Rundherum hat sich alles geändert, die technische Entwicklung nahm immer mehr Fahrt auf, die Produktionsformen wandelten sich – doch das ZDF ist im Kern stabil geblieben: Die Inhalte sind weiter das wichtigste. Nur deshalb entscheiden sich die Zuschauer, das ZDF zu nutzen.

Kontakt: Haben Sie denn diese ZDF-Inhalte schon als Heranwachsender wahrgenommen?

Bellut: An die Show „Wünsch Dir was“ kann ich mich zum Beispiel noch sehr gut erinnern, denn schon meine Eltern haben dem ZDF den Vorzug gegeben. Der Sender war von Anfang an die etwas frischere Alternative. Und auch wenn ich beruflich zunächst mit dem Zeitungsjournalismus geliebäugelt habe, war ich sehr froh, als ich 1984 beim ZDF volontieren konnte.

Kontakt: Schauten Sie auch in den 70er Jahren – nach Ihrer Schulzeit – bevorzugt das ZDF-Programm?

Bellut: Damals nutze ich vor allem die „heute“-Sendungen als Hauptnachrichten, sie wirkten fortschrittlicher als die „Tagesschau“ – eben die schon erwähnte frischere Alternative. Und auch in meinen Anfängen beim ZDF war ich vor allem politisch interessiert – ein informationshungriger Reporter vom Scheitel bis zur Sohle. Meine erste Praxisphase als Volontär erlebte ich zum Beispiel in der Außenpolitik bei Rudolf Radke, der ab 1962 in Eschborn die Abteilung „Tagesgeschehen“ aufgebaut hatte.

Kontakt: Was wünschen Sie dem ZDF zum 50-Jährigen?

Bellut: Weiterhin ein tolles Programm – verbunden mit der Erkenntnis, dass wir uns stetig verbessern müssen. Auch wenn wir im Moment in der Zuschauergunst vorne liegen – wir haben an unseren Schwachstellen zu arbeiten, um Stabilität für die nächsten Jahre zu gewinnen.

Kontakt: Erwarten Sie denn in den kommenden Jahren eine gravierende Veränderung in der Nutzungsweise des Mediums Fernsehen?

Bellut: In den nächsten zehn Jahren wird das Fernsehen bestimmend bleiben. Doch das Internet kommt rasant hinzu, die Vermischung ist bei der neuesten Generation von Fernsehern bereits „integriert“. Wenn Sie Internetanschluss haben, können Sie die Mediathek schon parallel zur Sendung aufrufen. Aber auch hier gilt: Die Mediathek wird nur dann aufgerufen, wenn wir gute Programme bieten. Die Inhalte müssen weiter brillant sein, um das Publikum auf allen verfügbaren Wegen zu finden. Natürlich treibt die technische Entwicklung auch Veränderungen im Rezeptionsverhalten des Publikums voran. Doch einen qualitätsvollen Fernsehfilm am Montagabend um 20.15 Uhr werden die Menschen auch in 20 Jahren noch ansteuern. Ebenso eine Nachrichtensendung wie das „heute-journal“. Die Einordnung über die reine Nachrichtenübermittlung hinaus wird weiter benötigt – die Quellen im Netz sind oft unbekannt, vielstimmig, schnell und grell. Der Rezipient braucht da weiterhin einen Qualitätscheck – das bleibt unsere Chance.

Mit Thomas Bellut sprach Thomas Hagedorn.
(Auszug aus einem Interview mit der ZDF-Mitarbeiterzeitschrift „Kontakt“)

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet