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Erst Jurist, dann "Night-Club"

Alfred Bioleks Karrierestart im ZDF

Vom Fahrer zum Personalreferenten, von der Sekretärin zur Redaktionsleiterin: Das ZDF hielt in seinen Anfangsjahren attraktive Aufstiegsmöglichkeiten bereit. Eine Karriere verlief dabei besonders famos: Vom Assessor zum TV-Star, der für sein Lebenswerk mit unzähligen Preisen geehrt wurde. Allerdings erlebte Alfred Biolek seinen Popularitäts-Durchbruch Ende der 1970er Jahre schon nicht mehr im ZDF, sondern in der ARD. Doch der Weg zu "Bio’s Bahnhof" und "Boulevard Bio" begann vor 50 Jahren im Zweiten.

Glücksfall ZDF

"Es war ein Glücksfall, dass ich zum ZDF kam", erinnert sich Alfred Biolek im Gespräch mit der ZDF-Mitarbeiterzeitschrift "Kontakt".

"Ich hatte gerade mein zweites Staatsexamen absolviert, als ich im Stuttgarter Justizministerium Kurt Rebmann traf, den späteren Generalbundesanwalt. Ihn kannte ich, weil er mein damaliges Studentenkabarett regelmäßig für die Weihnachtsfeier der Abendgesellschaft Familienkranz engagiert hatte. Ich sagte zu ihm: 'Ich bin jetzt seit fünf Minuten Assessor.' Woraufhin Rebmann die Vermutung äußerte: 'Dann werden sie wohl die Anwaltspraxis ihres Vaters übernehmen?' Doch ich erwiderte: 'Nein, ich weiß nur, dass ich das nicht machen werde. Was ich stattdessen mache, weiß ich allerdings doch nicht, vielleicht weiter Theater.' Da sagte Rebmann: 'Ich bin vor drei Tagen aus Mainz zurückgekommen, wo ich eigentlich Verwaltungsdirektor beim neugegründeten ZDF werden sollte. Ich habe mich dagegen entschieden, weiß aber, dass sie dort einen Juristen suchen. Das könnte ich mir gut für Sie vorstellen.' So rief ich also in Mainz an und dort wurde mir mitgeteilt: 'Ja, wir suchen immer noch einen Assessor für die Rechtsabteilung.' Man schickte mich zu Ernst Fuhr und der sagte gleich: 'Fangen Sie bei mir an.'

Ganz der erfahrene Plauderer schildert Alfred Biolek im Kölner Café Stadtgarten in einem Schwung, wie er im Frühjahr 1963 den Weg zum ZDF fand. Die Erinnerungen an die Zeit vor 50 Jahren ruft der heute 78-Jährige präzise ab, der von 1978 bis 2006 in seinen verschiedenen Talk- und Kochsendungen eloquente Fernsehpräsenz zeigte: "Ich hatte keine konkrete Vorstellung, was mich da beim Fernsehen erwartet. Kurt Rebmann jedenfalls hatte damals gesagt: Ich bin sehr gespannt, wie lange Sie in der Rechtsabteilung bleiben."

Mainzelmännchen-Verträge

Und tatsächlich war dies nicht von großer Dauer, schon bald lockten den kleinkunsterprobten Präsentator programmliche Aktivitäten. Doch mit Arbeitsbeginn im März 1963, eine Woche vor Sendestart, hatte Biolek, der eine Promotion über die "Schadensersatzpflicht des Herstellers mangelhafter Ware" vorweisen konnte, zunächst die Vertragsausgestaltung zu den Mainzelmännchen zu leisten. Seine Verdienste um die juristische Einbettung von Anton, Berti, Conni, Det, Edi und Fritzchen verschafften ihm im vergangenen November vier Präsentationstermine mit den Kolleginnen und Kollegen des ZDF-Werbefernsehens, die anlässlich von "50 Jahre ZDF" die "Mainzelmania" in Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg entfachen wollten.

Tips für Autofahrer

1963 saß also der bestens benotete Jurist, den es schon zu Studentenzeiten auf die Bühne gezogen hatte, im Allianz-Haus in der Mainzer Innenstadt und begann schon bald zu schauen, was denn sonst so passierte in den anderen Häusern dieses neuen Senders. Und als dann nach den ersten Wochen im Justitiariat jemand aus dem Programm von einer neuen Sendung sprach, in der "Tips für Autofahrer" gegeben werden sollten, war Alfred Biolek zur Stelle. Er fuhr damals selbst gerne und viel Auto, war zudem in den damit zusammenhängenden juristischen Fragen fit – und konnte das dann stante pede auf dem Fernsehschirm zeigen: "Ein halbes Jahr habe ich das gemacht, einmal in der Woche, bis die ganzen Spezialsendungen in der 'Drehscheibe' aufgingen", blickt Biolek auf die ersten Anzeichen zurück, dass sein Weg im ZDF möglicherweise nicht an den Rechtsfragen hängen bleiben würde.

Drehscheibe

Die "Drehscheibe" startete am 1. April 1964 als eine Kombination aus Ratgeber und
Boulevardmagazin. Nach dem Umzug der tagesaktuellen Redaktionen aus den Baracken von Eschborn in die Taunus-Film-Studios in Wiesbaden wurden in diesem neuen täglichen Format im Vorabendprogramm bisherige Einzelsendungen zusammengefasst – und Alfred Biolek erhielt auch da die Möglichkeit, sich einzubringen und vieles auszuprobieren. "In der 'Drehscheibe' ging schon vieles Richtung Unterhaltung", erinnert sich der spätere Talkmaster, der seine ersten zwölf Lebensjahre im mährischschlesischen Freistadt, dem heute tschechischen Karvina, verbrachte und der dann 1946 mit seiner Familie nach Waiblingen bei Stuttgart übersiedeln musste. Übersiedeln wollte er 20 Jahre später dann gerne vom Allianz- ins Iduna-Haus in Mainz. Denn dort saß die Unterhaltungsredaktion des jungen Senders – und bald kam es zur einzigen Bewerbung von Alfred Biolek in mehr als 40 Jahren Fernsehschaffen. 1967 war Heinz Oepen als Unterhaltungschef auf Otto Meissner gefolgt und bald darauf wurde dessen Stellvertreter gesucht, der zudem die Redaktion "Kleine Unterhaltung und Serien" zu leiten hatte: "Meine Bewerbung dafür wurde gleich angenommen", erinnert sich Biolek an diesen beruflichen Karriereschritt.

Night-Club

Nun konnte der kommende Fernsehunterhaltungskünstler zunächst ab 1968 den "Night-Club" auf den Weg bringen, eine einstündige Spätabendshow, in den ersten zwei Jahren von Dietmar Schönherr moderiert, später dann von Carl-Heinz Hollmann. "Wir haben tolle Künstler für die Sendung bekommen", weiß Biolek zu schildern, der damals zum Beispiel Altstar Josephine Baker nicht ohne vorheriges Kennenlernen für das Format engagieren wollte, weil eigentlich jüngere Künstler gefragt waren. Letztere lernte der Sendungsverantwortliche damals vor allem in Paris kennen, da Biolek dort über den Chansonnier Jean-Claude Pascale viele Kontakte gewonnen hatte. Der Sänger selbst war schon Mitte der 60er Jahre in der "Drehscheibe" aufgetreten, zudem hatte Biolek einen 60-minütigen Film über den französischen Künstler realisiert. Eine andere Erinnerung an die Zeit Ende der 60er Jahre hatte der "Mann, den alle 'Bio' nennen", schon im vergangenen Dezember im Interview mit der Bild am Sonntag erwähnt und schildert sie nun auch noch mal im Kontakt-Gespräch: Ella Fitzgerald kam für die Sendung einmal aus den USA eingeflogen und Biolek holte die berühmte Jazz-Sängerin am Flughafen ab. Doch der "Night-Club"-Redakteur hatte Schwierigkeiten, die Künstlerin zu erkennen. Zunächst gab er zwei anderen schwarzen Damen aus deren Tross die mitgebrachten Blumen, was diese jeweils mit dem Satz ablehnten: "I’m not Ella". Erst im dritten Versuch hatte er die richtige Adressatin ausgemacht – vor 45 Jahren gab es noch keine Smartphones, auf denen man sich schnell mal eines gesuchten Konterfeis 'versichern' kann.

Bio's Bahnhof

Ausländische Künstler für das deutsche Publikum zu gewinnen, das wurde dann erst nach seiner ZDF-Zeit Bioleks besondere Passion. Nachdem er 1970 zur Münchener Produktionsfirma Bavaria gewechselt war und dort Programme für den WDR entwickelte, machte er den niederländischen Sänger Hermann van Veen in Deutschland bekannt. Und er holte "Monty Python’s Flying Circus" ins deutsche Fernsehen. Endgültig auf die Erfolgsschiene geriet er dann 1974 als Produzent der Showsendung "Am laufenden Band" mit Rudi Carrell. Und als vier Jahre später "Bio’s Bahnhof" startete, war der künftige Fernsehruhm schon programmiert. Doch angefangen hat alles durch den "Glücksfall ZDF", von dem Alfred Biolek im Café am Kölner Stadtgarten gegenüber Kontakt sagt: "Es war eine tolle Zeit damals, mit viel Pioniergeist, und ich bin sehr glücklich, als Jurist dort hingekommen und in die Unterhaltung weitergegangen zu sein."

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