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Maybrit Illner zum TV-Duell

"Am Ende ist entscheidend, in welcher Form sich die Kandidaten präsentieren!"

Bisher haben sie ein persönliches Aufeinandertreffen gemieden – am 1. September ist es dann soweit: Angela Merkel und Peer Steinbrück stehen sich im inzwischen schon traditionellen "TV- Duell"gegenüber. Kann der Herausforderer kurz vor der Wahl noch Sympathiepunkte sammeln? Oder baut die Kanzlerin ihren Vorsprung noch aus? Der Schlagabtausch wird in jedem Fall brisant. Beim TV-Highlight vor der Bundestagswahl fühlen gleich vier Moderatoren Angela Merkel und Peer Steinbrück auf den Zahn. ARD, ZDF, Pro7 und RTL schicken ihre Top-Leute nach Berlin. Für das "Zweite" stellt Polit-Talkerin Maybrit Illner die kritischen Fragen. Sie moderiert das TV-Duell nach 2002, 2005 und 2009 bereits zum vierten Mal.

Hannes Brühl: Frau Illner, wie bereiten Sie sich auf so eine Sendung vor, die wahrscheinlich von fast ganz Deutschland verfolgt wird?

Maybrit Illner: Einerseits wie auf jede andere Sendung auch und andererseits hat sie doch die Besonderheit, dass wir zu viert zwei Politiker befragen. Das heißt, wir sind auf eine schöne Art gezwungen, uns vorher abzustimmen, die Themen aufzuteilen, bestimmte Strategien festzulegen und gemeinsam daran zu arbeiten. Das braucht ein gerüttelt Maß an Professionalität. Die ist da,- und es macht ehrlich gesagt auch Laune.

Was ist bei einem TV-Duell der besondere Reiz für Sie persönlich?

Wenn da vier Journalisten zwei Politikern gegenüber stehen, ist das nicht die Idealkonstellation und also nicht besonders einfach zu machen. Aber am Ende ist nicht kriegsentscheidend, wie wir vier Moderatoren uns fühlen, sondern am Ende ist entscheidend, in welcher Form sich die beiden Kandidaten präsentieren. Die Aufgabe liegt klar auf dem Tisch.

Das TV-Duell wird von insgesamt vier Moderatoren präsentiert. Wie können wir uns die Zusammenarbeit mit den Kollegen vorstellen, was die Abstimmung der Fragen und der Wortanteile betrifft?

Ehrlich gesagt, war das recht entspannt. Wir haben einmal zu viert geskypt – und haben uns einmal physisch in Köln getroffen und die wichtigsten Fragen geklärt: Welches sind die entscheidenden Themen dieses Duells, wie teilen wir sie unter uns auf?! Das war wirklich sportlich und sehr professionell und hat weder wehgetan noch zu tiefen, bleibenden Wunden geführt. Wir haben uns jetzt inhaltlich verteilt und werden – wie das die Zuschauer schon aus Wahlkampfjahren zuvor kennen – eben immer im "Paarbetrieb" ein Thema diskutieren und wechselnd Fragen an die Politiker stellen.

Einer der vier Moderatoren ist Showmaster Stefan Raab. Was ist von ihm zu erwarten?

Ich glaube, er geht da genauso ran wie auch ich: dass wir auf der einen Seite durchaus Spaß bei der Arbeit haben und ansonsten eine spannende Sendung hinbekommen.

Angela Merkel gegen Peer Steinbrück – wo liegt die Brisanz dieses Aufeinandertreffens?

Das sind natürlich zwei unterschiedliche Figuren. Eine Frau, ein Mann. Eine erfahrende Kanzlerin und ein rhetorisch versierter Kandidat und Herausforderer. Das Spannende an dem Duell ist, dass beide zuletzt ein persönliches Aufeinandertreffen strikt vermieden haben. Am 1.9. stehen sie für 90 Minuten nebeneinander: Zwei Menschen, die vorgeben, für die nächsten vier Jahre dieses Land regieren zu wollen und sich einem Publikum – nämlich den Wählern– präsentieren. Wer hinterläßt den schlagendsten Eindruck? Wer überzeugt? Es kann nur einen geben. Und das macht dieses verbale Duell wirklich aufregend und spannend.
Glauben Sie, dass das TV-Duell das Wahlergebnis entscheidend beeinflussen wird?

Natürlich wird das die Wahlentscheidung des einen oder anderen beeinflussen, respektive festigen. Unsere Aufgabe in diesen 90 Minuten ist ja nicht, eine "Eine-Million-Dollar-Frage" nach der nächsten zu stellen, sondern Antworten zu provozieren, die wir bis dahin von den beiden Kandidaten noch nicht gehört haben. Das ist das Ziel. Und wenn uns das gelingt, kann das die nächsten drei Wochen bis zum 22.9. sehr beeinflussen und das Wahlergebnis durchaus auch.

Angela Merkel und Peer Steinbrück verlassen nach 90 Minuten dann das Studio. Für Sie persönlich geht es aber noch weiter, oder?

Nach diesen 90 Minuten wird es im ZDF ein verlängertes "heute-journal"
geben. Und um 22.45 Uhr starten wir dann mit unserer Sondersendung zur Auswertung des Duells. Es kommen Journalisten-Kollegen zu Wort, aber auch Politiker und Fans der einen oder anderen Seite. Da geht es dann weniger darum, wie die vier Moderatoren sich geschlagen haben, sondern welcher der beiden Politiker den besseren Punch und die überzeugendsten Argumente hatte. Die Wahlkampffloskeln können zu Hause bleiben und wir kriegen hoffentlich ehrliche Antworten.

Das Interview führte Hannes Brühl / all4radio für das ZDF.

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