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Mehr Fragen als Antworten

Maybrit Illner im Interview

"Ich habe das Gefühl, dass es wesentlich mehr Fragen an die Politiker gibt als Antworten von den Politikern."


ZDF-Polit-Talkerin Maybrit Illner über den Reiz, Politikern auf den Zahn zu fühlen und ihre intensive Vorbereitung auf ihre Sendungen zur Bundestagswahl.

Hannes Brühl: Frau Illner, wer wie Sie seit über 20 Jahren festes und prominentes Teammitglied der politischen Redaktionen des ZDF ist, der kann sicher vergleichen: Ist das Wahljahr 2013 spannender als frühere Bundestagswahljahre?

Maybrit Illner: Auf jeden Fall sind die Themen des Wahlkampfes spannend, weil wir nach wie vor mit der großen Frage hantieren, wie wir aus der Euro-Krise herauskommen, was aus der Energiewende wird, ob die Bundeskanzlerin in Sachen NSA-Skandal tatsächlich ihren Amtseid verletzt hat, wie der Vorwurf der Opposition lautet. Inhaltlich liegen da ziemliche Brocken auf dem Tisch. Die Frage ist, was die Wahlkämpfer daraus machen. Aber am Ende entscheidet das Herz des Wählers – und es ist natürlich von der einen oder anderen Eskalation im Wahlkampf abhängig, mit wie viel Spannung wir in den 22.9. schreiten.

Sie sind das Gesicht des politischen Talks im ZDF. Wo liegt der besondere Reiz für Sie, den politisch Verantwortlichen Woche für Woche auf den Zahn zu fühlen?

Die Antwort ist relativ einfach. Man hat das Gefühl, dass es wesentlich mehr Fragen an die Politiker gibt als Antworten von den Politikern. Genau in diesen großen Bereichen, was Steuer- und Finanzpolitik anbelangt oder die bisher eher chaotisch gemanagte Energiewende. Auch das, was mittlerweile an Gerechtigkeitsfragen und Kapitalismuskritik auf dem Tisch liegt oder wie sehr das Sicherheitsbedürfnis des Staates über die Freiheitsrechte der Bürger hinaus gehen darf... Es wird nicht über die dritte Novelle der Unternehmenssteuerreform debattiert, sondern das sind wirklich große Räder, und auf diese Fragen haben die Politiker bisher nur lässliche Antworten.

Täuscht das Gefühl oder hatten wir 2013 kein Sommerloch wie in den vergangenen Jahren, was die politischen Themen betrifft?

Ich würde auch sagen, dass es nicht der klassische Sommer ist. Auf der anderen Seite darf in Sachen Wahlkampf ruhig noch mehr passieren! Da sind wir jetzt auf einer sehr taktischen Ebene. Es ist die Frage, wann beide Seiten, und vor allem die Kanzlerin beschließen, wirklich in den finalen Kampf zu gehen. Alles in allem müssen wir uns über eine inhaltliche Armut in diesem Sommer des Jahres 2013 aber nicht beklagen.

Die Kalenderwoche 35 wird für Sie im wahrsten Sinne des Wortes "intensiv". Sie talken von Dienstag bis Freitag jeden Tag. Was genau erwartet die ZDF-Zuschauer in der Woche?

In den Wahljahren zuvor sendeten wir unter "illner intensiv"auch schon besondere Wahl-Formate und haben diesen Titel nun dieses mal sehr wörtlich genommen: Wir verteilen fünf Sendungen nicht malerisch über sechs Sommerwochen, sondern machen es wirklich intensiv, in einer Woche und damit täglich. Wir wollen jeweils in 30 Minuten die schlagenden Themen des Wahlkampfs diskutieren. Stichwort Energiewende: Wie lange ist unser Strom noch bezahlbar? Was wird aus unseren Rentenproblemen? Wie gerecht geht es in Deutschland zu? Auch die innere Sicherheit und Zuwanderung werden ein Thema sein.

Jeden Abend ein Thema und drei Politiker. Zum Thema "Was kostet die Energiewende?" laden Sie beispielsweise Umweltminister Peter Altmaier, Jürgen Trittin und Christian Lindner ein. Da ist die Wahrscheinlichkeit, dass es ganz schön zur Sache geht, doch recht hoch, oder?

Natürlich reden wir nicht übers Wetter und auch nicht über die vergangenen Urlaube der drei, sondern genau über diese Themen. Wir wollen herausfinden, ob die Parteien vielleicht sogar alternative Vorschläge haben, weil der bisherige Eindruck des Wählers ist ja: Die Lösung der Politik besteht immer darin, dass der Bürger zahlt. Egal, worüber wir reden – ob es um eine private Gesundheits-Vorsorge oder die Rentenvorsorge oder um die Energiewende geht – die Lösung der Politik heißt immer: Der Bürger hat zu zahlen. Die Frage ist: Gibt es dazu Alternativen? Wenn ja, wie sehen die aus? Wenn nein, was ist den Menschen zuzumuten, mit dem, was sie heute an Lohn nach Hause tragen.

…und dann gibt es zu Beginn jeder "illner intensiv"-Sendung noch ein echtes Schmankerl. Auf was genau dürfen wir uns da freuen?

Wir haben uns überlegt, dass wir – jeweils als "Erklärung" vorneweg – große Köpfe des satirischen Fernsehens zu Wort kommen lassen. Gernot Hassknecht, Erwin Pelzig, Urban Priol und Django Asül werden jeweils den Prolog zu hoffentlich 30 spannenden Fernseh- Minuten liefern.

Und wie "intensiv" wird diese Themenwoche für Sie persönlich?

Ich gehe vorher nicht ins Boot-Camp oder ins Höhenlager. Tägliche Sendungen sind auch nicht richtig neu für mich. Ich habe das zu "Morgenmagazin"-Zeiten und im "heute-journal" ja schon hervorragend üben dürfen. Ich glaube, ich komme super durch die Woche.

Das Interview führte Hannes Brühl/all4radio für das ZDF.

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