Karl und Franz sind Brüder. Franz, der jüngere, hasst Karl. Er neidet ihm das Erbe, das dem Erstgeborenen zusteht, ebenso wie die Liebe des Vaters. Dass Karl und Franz zwei Seiten einer Medaille sind und unter Freiheit immer nur die eigene verstehen, zeigt Regisseur Nicolas Stemann, der Friedrich Schillers Drama "Die Räuber" als Männerrudel inszeniert und eine vierstimmige Brüderhydra auf die Bühne schickt, die den Text als orchestrales Sprachwerk zelebriert. Als Franz ist das Rudel verklemmt scharf auf Amalia. Dann verwandelt es sich in Karl, spielt im schnellen Wechsel auch Spiegelberg, Schufterle und die anderen Randalierer im böhmischen Wald. Das funktioniert derart elegant, dass aus Schillers Bruderpaar ein einziger Franzkarl und aus den "Räubern" ein fulminantes Sprechkunstwerk werden. Die Theatertreffen-Jury hat 2009 die Inszenierung von Nicolas Stemann unter die zehn bemerkenswertesten deutschsprachigen Inszenierungen gewählt.




