zurück Startseite

planet e  | 10.01.2016  El Niño - wenn das Wetter verrücktspielt

Fluten, Dürren und Brände: Das aktuelle El Niño-Phänomen soll eines der extremsten des Jahrhunderts werden. "planet e." geht dem weltweiten Wetterphänomen auf den Grund. Wissenschaftler befürchten viele Opfer und Schäden in Milliardenhöhe. Steigt die Wassertemperatur des östlichen Pazifiks in Äquatornähe besonders stark, dann kündigt sich El Niño an. 

Überschwemmungen in Asuncion, der Hauptstadt von Paraguay
(10.01.2016)
(06.01.2016)
Situation nach heftigem Regen in Südamerika.

Grafikerklärung und Beitrag über die Überschwemmungen in Südamerika aus heute vom 29.12.2015

(29.12.2015)

Starke Regenfälle in Argentinien, Paraguay sowie Kalifornien, Zyklone im Jemen und Dürreperioden in Südostasien – das Wetter spielt weltweit verrückt. Die Folgen sind unabsehbar. "planet e." hat weltweit nachgeforscht: Wie entsteht ein El Niño? Und welche Auswirkungen hat er auf Menschen, Klima und Wirtschaft?

 

Sendezeit

Sonntag, 10.01.2015 um 14.45 Uhr

Mojib Latif, Klimaforscher am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, versucht genau das herauszufinden. Er vermutet, dass El Niño die Auswirkungen des Treibhauseffektes noch verstärkt. Die Unregelmäßigkeit des Klimaphänomens erschwert die Voraussagen der Forscher - doch präzise Prognosen wären für viele Menschen überlebenswichtig. Nur so ließen sich gezielt Schutzmaßnahmen ergreifen.

Flut- und Dürrekatastrophen

Am stärksten von El Niño betroffen sind Australien, die Westküste Nord- und Südamerikas sowie Indonesien. Dabei hat der Inselstaat gerade schon genug Probleme: Waldbrände haben weite Teile des Landes verwüstet. Auch wegen des El Niño-Phänomens sind die Torfböden extrem trocken - der Monsunregen blieb lange Zeit aus. Indonesien, Singapur und Malaysia versanken in Smog und dichtem Rauch.

Der Münchner Wissenschaftler Florian Siegert arbeitet eng mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zusammen. Der Biologe am GeoBio-Center der Ludwig-Maximilians-Universität untersucht, wann, wo und warum Wald in Indonesien verschwindet. Anhand von Satellitendaten liefert er wertvolle Daten, um Emissionen von Treibhausgasen wesentlich besser abschätzen zu können.

Prognosen der Rückversicherungen

Die Swiss Re Versicherung ist auf die El Niño-Folgen vorbereitet. Mit Computeranalysen wird versucht, die ungefähre Höhe der Schäden vorherzusagen. Klimaveränderungen sind für Versicherungen längst ein zentrales Thema und ein erheblicher Kostenfaktor geworden.

 

Interview mit Klimaforscher Mojib Latif

Wann war das bislang stärkste El-Niño-Ereignis?

Mojib Latif, Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Interview mit Mojib Latif, Helmholtz-Zentrum für Ozenanforschung Kiel

Welche Folgen sind durch den aktuellen El Niño zu erwarten?

Mojib Latif, Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung

Interview mit Mojib Latif, Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Wie gut lassen sich El-Niño-Ereignisse heute voraussagen?

Mojib Latif, Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung

 

El Niño - Hintergrund

Wann entsteht El Niño?

Meerestemperatur im Pazifik im El-Nino-Jahr

Alle zwei bis sieben Jahre entsteht ein El Niño, im Durchschnitt alle vier Jahre. Die Erwärmung des Meerwassers vor Südamerika hält etwa ein Jahr.
Da es meist zur Weihnachtszeit beginnt, gaben die Fischer Perus dem Wetterphänomen den Namen El Niño, die spanische Bezeichnung für „das Christkind“.

Quelle: GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Die Wetterlage in normalen Jahren

Küste in Peru

In normalen Jahren ohne El Niño beträgt die Wassertemperatur in Äquatornähe im Ostpazifik rund 20 Grad Celsius, im Westpazifik dagegen etwa 30 Grad Celsius. Über dem warmen Wasser im Westen steigt feuchte Luft auf, ein Tiefdruckgebiet entsteht. Außerdem bilden sich Wolken, die für starke Regenfälle sorgen. Wegen dieser Regenfälle sind weite Teile Südostasiens mit Regenwald bedeckt.

Über dem kühleren Ostpazifik sinken trockene Luftmassen ab. Es entsteht ein Hochdruckgebiet, das für Trockenheit im westlichen Südamerika sorgt. Diese Wetterlage macht weite Teile der küstennahen Regionen im westlichen Südamerika zu Wüstengebieten.

Durch den unterschiedlichen Luftdruck über dem Westen und Osten des Pazifiks entstehen die Passatwinde, die von Westen nach Osten wehen. Die Passatwinde treiben das Meerwasser vor sich her, deshalb ist der Meeresspiegel vor Indonesien etwa 60 Zentimeter höher als vor Peru.

Entstehung und Folgen von El Niño

Thailändischer Bauer auf ausgetrocknetem Feld

In El Niño-Jahren erwärmt sich das Wasser im Ostpazifik in Äquatornähe. Dadurch wird das Hochdruckgebiet über dem Ostpazifik schwächer und damit auch der Druckunterschied in der Atmosphäre zwischen West- und Ostpazifik, bis sich die Druckverhältnisse schließlich umkehren. Die Passatwinde ebben ab, die Windrichtung kann sich sogar umkehren. Warmes Wasser fließt vom West- zum Ostpazifik.

So entsteht ein Kreislauf, der die Wassertemperatur immer weiter nach oben treibt und die normalen Wetterverhältnisse an vielen Orten weltweit auf den Kopf stellt: Dort, wo normalerweise Trockenheit herrscht, gibt es starke Regenfälle, und umgekehrt.

Betroffene Länder

Überflutung in Paraguay

In El-Niño-Jahren können ganze Landstriche vertrocknen, Ernteausfälle und verheerende Waldbrände sind die Folge. In anderen Regionen gibt es dagegen sintflutartige Regenfälle, die Überschwemmungen und Erdrutsche zur Folge haben.

Mögliche Auswirkungen
Westliches Südamerika: Sintflutartige Regenfälle, gewaltige Erdrutsche
Westliches Nordamerika: Stürme und starker Regen an der Westküste
Kanada: Überdurchschnittlich warme Winter
Indonesien: Trockenheit, Dürre, verheerende Waldbrände
Australien: Hitze im Osten, Dürre, Ernteausfälle

La Niña

Überschwemmung in Indonesien

Während die Folgen El Niños noch spürbar sind, beginnt das Wetter sich wieder umzukehren: Auf El Niño folgt La Niña (spanisch: Das Mädchen). Kaltes Wasser fließt in 100 bis 200 Meter Tiefe vom West- zum Ostpazifik. Vor der Küste Südamerikas gelangt das kalte Wasser an die Oberfläche und setzt einen neuen Kreislauf in Gang, bei dem sich die Wetterverhältnisse abermals umkehren: In Südamerika wird es trockener als in normalen Jahren, in Südostasien und Australien dagegen fällt mehr Regen.

La Niña wird auch als die kleine Schwester von El Niño bezeichnet. Erst wenn La Niña abebbt normalisiert sich die Wetterlage weltweit wieder.

ENSO (El Niño / Southern Oscillation)

Die Klimaschwankungen über dem Pazifik werden in ihrer Gesamtheit auch als ENSO-Phänomen bezeichnet (El Niño, EN / Southern Oscillation, SO).

Die Südliche Oszillation (Southern Oscillation) bezeichnet dabei die Schwankungen in der Atmosphäre: Die Änderungen des Luftdrucks über dem Pazifik, wenn das Klima zwischen El Niño, La Niña und dem Normalzustand hin und herschwingt.

El Niño steht in diesem Zusammenhang für die Schwankungen im Ozean, die Temperatur- und Strömungsänderungen. Die Südliche Oszillation und El Niño galten lange Zeit als getrennte Phänomene. Als erkannt wurde, dass beide Phänomene zusammengehören, wurde der Begriff ENSO bzw. ENSO-Phänomen geprägt.

 

El Niño - wenn das Wetter verrücktspielt

Sturm in Kalifornien

Ein Film von Bernd Reufels
Kamera: Tiemo Fenner / Selim Humbaraci
Schnitt: Miriam Weinandi
Redaktion: Martin Ordolff
Leitung der Sendung: Volker Angres

10.01.2016, Quelle: ZDF, Quelle: GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

ZDFmediathek: planet e

  • planet e

    Blick hinter die Kulissen

    Kontakt, Trailer und Infos zur Umwelt-Dokureihe ARTIKEL

  • planet e | 25.09.2016, 16:30

    Wahnsinn Wasserkraft

    Flusszerstörung auf dem Balkan: Grandiose Canyons, wilde Flussläufe - so unberührt sind noch viele ... VIDEO

  • planet e | 18.09.2016, 16:30

    Fledermäuse oder Autobahn

    Fledermäuse, die den Bau einer Autobahn verzögern, Eidechsen, die neue Bahngleise blockieren. Solche ... VIDEO

  • planet e | 16.09.2016, 12:00

    Fledermäuse oder Autobahn ?

    Kurzfassung der Sendung VIDEO

  • planet e | 11.09.2016, 16:30

    Sand - der unterschätzte Rohstoff

    Um den Rohstoff Sand ist ein Kampf entbrannt: Für Autos, Mikrochips, Lebensmittel, Glas oder Beton - ... VIDEO

  • planet e | 04.09.2016, 16:30

    Giftiger Export

    Rund 22 Kilo Elektroschrott produziert jeder Deutsche pro Jahr. Nicht einmal die Hälfte davon wird ... VIDEO

  • planet e | 28.08.2016, 16:30

    Arten vor dem Aus?

    Feldhase, Rotmilan und Fledermäuse: Die Bestände schwinden immer schneller. Und dass, obwohl zum ... VIDEO

  • planet e | 14.08.2016, 14:45

    Auf leisen Pfoten

    Sollen wieder mehr Luchse in Deutschland leben? Im Pfälzerwald hat die Wiederansiedlung begonnen, ... VIDEO

  • planet e | 12.08.2016, 12:00

    Die Rückkehr der Luchse

    Die Rückkehr der Luchse in den Pfälzerwald VIDEO

  • planet e | 31.07.2016, 16:30

    Brasilien - ein Land trocknet aus

    Brasilien, eines der wasserreichsten Länder der Erde, steckt in einer Wasserkrise. Ganze Landstriche ... VIDEO

  • planet e | 24.07.2016, 16:30

    Die Aroma-Trickser

    Immer mehr Lebensmittel sind mit Aromen versetzt. "planet e." zeigt, wie Verbraucher getäuscht ... VIDEO

planet e

Versenden

Artikel versenden

Versenden Sie den Beitrag an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
schließen Beitrag versenden

Versenden

Hinweis

Der Beitrag wurde erfolgreich versendet.

schließen

Merkliste

Papierkorb Bild
Merkliste versenden Merkliste schließen

Merkliste

Merkliste versenden

Versenden Sie Ihr Merkliste an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
Zurück zur Merkliste Absenden Button

Merkliste

Hinweis

Die Merkliste wurde erfolgreich versendet.

Zurück zur Merkliste Merkliste schließen