Es ist das bekannteste Urlaubsfoto Spaniens - das Bild der ersten Familie im Staat, die für Tradition, Werte und Verlässlichkeit steht. Alljährlich im Sommerurlaub präsentiert sich die Königsfamilie vor dem Palast Marivent auf Mallorca und lächelt hinein ins Blitzlichtgewitter. Während die Kinder für Freude sorgen, bereiten die erwachsenen Vertreter des Königshauses Kummer.
König Juan Carlos, einst Garant für den Fortbestand der spanischen Monarchie, soll, so heißt es, Affären und sogar ein uneheliches Kind haben. Das behauptet zumindest der spanische Historiker und Autor José María Zavala. Der Palast verweigert jede Auskunft: "Haltlose und alte Gerüchte kommentieren wir nicht", ist alles, was er dazu verlauten lässt.
Verschwiegenheit und Diskretion scheinen das Patentrezept der spanischen Königsfamilie zu sein. Nur so ist zu erklären, dass auch das dunkelste Kapitel im Leben des Patriarchen Juan Carlos bisher keine Aufmerksamkeit fand: Am Abend des Gründonnerstag 1956 kommt beim Spiel mit einer Waffe versehentlich sein vier Jahre jüngerer Bruder Alfonso ums Leben. Ein tragischer Unfall, ein für den König bis heute traumatisches Erlebnis.
Eine öffentliche Debatte galt es zu verhindern, zu schwer wog die Angst, die Gunst des Volkes zu verlieren. Diese Angst hält bis heute an. "Wenn wir patzen, wirft uns das Volk mit einem Fußtritt aus dem Palast", soll Juan Carlos seinem Sohn mit auf den Weg gegeben haben. Schmerzlich scheint ihm in Erinnerung geblieben zu sein, wie sich das spanische Volk in seiner Geschichte schon mehrfach gegen die Monarchie entschied und die Bourbonen aus dem Palast jagte. 1975 war es schließlich Juan Carlos, der Spanien nach dem Tod des Diktators Franco in die Demokratie und die Bourbonen nach über 30 Jahren zurück auf den Thron führte.
Sein Lebenswerk will er mit aller Kraft schützen. Denn noch ist unsicher: Sind die Spanier lediglich begeisterte Anhänger von Juan Carlos oder tatsächlich dauerhaft treue Royalisten? Ist die Monarchie stabil genug, um sich in Zukunft zu behaupten? Am Hof ist man stets darum bemüht, makellos zu erscheinen. Doch nicht nur die Behauptungen über die amourösen Verstrickungen des Königs drohen nun, den guten Ruf zu gefährden.
Skandalöse Enthüllungen sollen auch seine Schwiegertochter, Kronprinzessin Letizia, betreffen. Vor ihrem Eintritt in die royale Familie soll sie ein bisher ungeahnt wildes Studentenleben in Mexiko geführt haben, zu ausgelassen für eine zukünftige Königin. Im konservativsten aller Königshäuser sorgt das für Unruhe. Bei Hof versucht man deshalb mit aller Macht und äußert spärlichen Verlautbarungen, die angeblichen Eskapaden der Prinzessin zu verschweigen.
Dabei lehrt die Geschichte, dass es auch anders geht: Als König Alfonso XII. 1878 seine große Liebe María de las Mercedes d'Orleans-Montpensier heiratete, erweckte er damit den Unmut seiner Familie - und die grenzenlose Begeisterung des Volkes.
Über ein Jahrhundert später tut es ihm sein Nachfahre Felipe gleich. Gelassen und unbeirrt steht er zu Letizia und seiner Liebe, trotz aller Hürden und Skandale. Ein neuer, entspannter Umgang mit der Wahrheit und Respekt vor den Untertanen - vielleicht ist es genau das, was ihnen die Zuneigung des Volkes in Zukunft sichern wird. Gemeinsam hat das Prinzenpaar nun die Chance, diese Botschaft, die einst von Alfonso XII. und seiner Gattin María Mercedes ausging, an seine Kinder weiterzugeben und so den Fortbestand der Monarchie zu sichern.
Film von Annette Baumeister und Florian Hartung




