Forscher des Fraunhofer-Instituts sind zuversichtlich, dass Geothermie maßgeblich zur Deckung des Energiebedarfs beitragen kann. 25 Prozent des hiesigen Wärmebedarfs könnten dadurch gedeckt werden, so ihr Fazit.
"Den höchsten Wirkungsgrad hat die oberflächennahe Geothermie, also Bohrungen in circa 100 Metern Tiefe, aus denen die Wärme gewonnen wird", sagt Dr. Marek Miara vom Fraunhofer-Institut ISE in Freiburg. Seit Jahren sammeln die Experten dort Daten. Hierfür haben sie 300 Häuser mit Sonden verkabelt.
Günstige Energie aus Erdwärme: Island
Ein Paradies für Geothermie ist Island. Die Vulkaninsel im Nordatlantik bietet aufgrund ihrer besonderen geologischen Verhältnisse ideale Bedingungen. Das heiße Erdinnere liegt direkt unter der Oberfläche. Die Isländer nutzen die schier unendliche Energie zum Heizen ihrer Wohnungen und zur Erzeugung von Strom.
So kann das Land mit heißem Thermalwasser mittlerweile 90 Prozent seines Wärmebedarfs decken. Auch die Industrie greift auf diese günstige und emissionsfreie Energiequelle zurück. Der größte Stromverbraucher des Landes, eine Aluminiumschmelze, macht diese Vorteile zur Grundlage seines Geschäftsmodells – und kann weiter günstig produzieren, während Metallschmelzen in Europa ihre Produktion drosseln oder komplett einstellen müssen.
Bohrungen für Privathaushalte
In Deutschland sind es vor allem Privathaushalte wie der von Jürgen Conring in Senden bei Münster, die sich für Erdwärme interessieren: Bei ihm steht ein großer Bohrturm in der Einfahrt. Er will mit Erdwärme heizen und erhält endlich seine langersehnte Wärmepumpe. Fast ein Jahr lang müssen Kunden inzwischen darauf warten. 160 Meter tief wird gebohrt, um genügend Erdwärme zu gewinnen, damit das ganze Einfamilienhaus beheizt werden kann. Das Besondere: Die Conrings wohnen in einem sogenannten Bestandsbau, in einem Haus, das 1993 errichtet wurde. Auch das geht inzwischen, dank moderner Wärmetauscher.
Neben Privathaushalten sind auch immer mehr Energieversorger an Erdwärme interessiert. Sie bohren viel tiefer als private Hausbesitzer und holen aus 1000 bis 4000 Metern Tiefe Thermalwasser an die Oberfläche, das dann zur Wärmegewinnung genutzt wird. Rund um München stehen bereits über 20 dieser Wärmekraftwerke. In Unterhaching versorgt ein solches Kraftwerk derzeit 7000 Haushalte.
Rückschläge durch Erdbeben und Unfälle
Die Betreiber erleben wegen explodierender Gaspreise eine hohe Nachfrage. "Wir haben bislang 75 Häuser pro Jahr angeschlossen, derzeit fragen uns 200 an", berichtet Wolfgang Geisinger, Geschäftsführer der "Geothermie Unterhaching". Um immer mehr Haushalte an das Fernwärmenetz anzuschließen, wird in Unterhaching gerade viel gebaggert.
Doch die Energie aus der Tiefe erlitt in Deutschland immer wieder Rückschläge: Mehrere Unfälle und durch die Bohrungen ausgelöste Erdbeben führten zu Bohrstopps. Eine Bürgerinitiative im Raum Kehl lehnt Tiefengeothermie inzwischen völlig ab. Der sensible Oberrheingraben sei bereits eine natürliche Erdbebenzone. Die Bürger befürchten zusätzliche Erschütterungen, eine Beschädigung von Gebäuden durch Rissbildung und eine Minderung des Wohnwertes. Immer wieder wurden nach Tiefenbohrungen auf französischer Seite Erdbeben bis zu einer Stärke von vier gemessen.
Ehrgeizige Ziele trotz Lieferengpässen
Die Bundesregierung sieht vor allem die Chancen der Geothermie. Ihr Ziel: Jährlich sollen 500.000 Häuser mit Wärmepumpen ausgestattet werden. Angesichts von Lieferengpässen und Personalmangel im Handwerk halten Experten das für sehr ehrgeizig. Um das Ziel also zu erreichen, müssen künftig auch Bestandshäuser mit Geothermie ausgestattet werden.
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Ein Film von Michael Nieberg
Redaktion: Manfred Kessler
Kamera: Thilo Heine
Schnitt: Merlin Krumme
Leitung der Sendung: Cathérine Kipp
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