Mehr Sicherheit: Sennas Tod veränderte die Formel-1-Welt

    Mehr Sicherheit für die Fahrer:Sennas Tod 1994 veränderte die Formel-1-Welt

    von Karin Sturm
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    Vor 30 Jahren starb in Imola der brasilianische Rennfahrer Ayrton Senna. Der Tod des dreimaligen Weltmeisters brachte ein neues Sicherheitsdenken in die Formel 1.

    Archivbild vom 1. Mai 1994 zeigt Ayrton Senna vor dem Start zum Großen Preis von San Marino in Imola.
    Ayrton Sennas Tod (1994) brachte die Verantwortlichen zum Umdenken. Die Formel 1 wurde Schritt für Schritt sicherer für die Fahrer.
    Quelle: dpa

    Das Horrorwochenende von Imola 1994 wird für immer ins Gedächtnis der Motorsportwelt eingegraben bleiben: Am Samstag im Qualifying der tödliche Unfall des Österreichers Roland Ratzenberger, am Sonntag, dem 1. Mai dann das Unvorstellbare: Ayrton Senna, der Größte, Unantastbare, Perfektionist, Legende, Mythos, stirbt beim Großen Preis von San Marino.
    Acht Jahre lang, seit dem Testcrash von Elio de Angelis 1986 in Le Castellet, hatte es keinen tödlichen Unfall mehr in der Formel 1 gegeben.Viele spektakulär aussehende Horrorcrashs waren glimpflich ausgegangen.



    Ein trügerisches Sicherheitsgefühl hatte sich eingeschlichen bei Fahrern, Verantwortlichen, aber auch Fans und Medien. Der Eindruck, es könne ja eigentlich nichts wirklich Schlimmes mehr passieren.

    Der Schock bringt neue Allianzen

    Dann das plötzliche bittere Erwachen - der Schock saß tief. Die Fahrer fanden sich wieder zusammen - in der Fahrergewerkschaft GPDA, die es seit den 60er Jahren bis 1982 schon einmal gegeben hatte, die dann aber aufgelöst worden war. Noch wenige Stunden vor seinem Tod, am Sonntagvormittag in Imola, hatte Ayrton Senna unter dem Eindruck des Ratzenberger-Unfalls in einem Fahrer-Meeting ihre Neugründung angeregt.

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    In dem damaligen FIA-Präsidenten Max Mosley fanden die Piloten einen Ansprechpartner und Mitstreiter auf höchster Ebene. Mosley machte die Verbesserung der Sicherheit in der Formel 1 - mit Auswirkungen auch auf andere Rennsport-Kategorien - zu seiner persönlichen Herzensangelegenheit und Aufgabe. Seit damals hat die FIA auch das Recht, Reglementänderungen aus Sicherheitsgründen sofort und ohne Zustimmung der Teams durchzusetzen.

    Erste Schritte an den Autos

    Die erste Maßnahme - technisch schnell umzusetzen: Hochgezogene Cockpitwände, so dass die Fahrer nicht mehr ab Schulterhöhe aus ihren Autos herausragten und herumfliegende Teile sie nach einem Unfall nicht mehr so leicht treffen konnten. Grundsätzlich wurde der Nacken- und Kopfbereich besser geschützt.

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    Als nächstes wurde in Zusammenarbeit mit Mercedes 1997 ein Formel-1-taugliches HANS-System entwickelt - bis dahin nur in der Sportwagenwelt bekannt. HANS ist eine Kopf-und-Nackenstütze, die den Helm des Fahrers mit der Cockpitwand verbindet. Dadurch werden vor allem Genickverletzungen verhindert. Seit 2003 ist es Pflicht in der Formel 1.

    Weitere Entwicklungen bei den Monocoques

    Die Crashtest wurden im Laufe der Zeit weiter verschärft, so dass die Monocoques selbst deutlich sicherer wurden und die Fahrer bei einem Aufprall besser schützen. Und die Ausrüstung der Piloten - Rennanzüge und Helme wurden und werden immer weiter verbessert.
    Auch in die Sicherheit der Rennstrecken wurde immer mehr investiert: Größere Auslaufzonen, zusätzliche Schikanen zur Entschärfung von schnellen Passagen, neue Konzepte und Materialien an kritischen Stellen am Streckenrand: Statt der üblichen Reifenstapel gibt es jetzt die sogenannten TecPro Barriers. Das sind Kunststoffelemente, in die sich ein Auto nicht so leicht "eingraben" kann.

    Der letzte Schritt - der Halo

    Ein weiterer tödlicher Unfall, 20 Jahre nach Senna, sorgte für den bisher letzten gravierenden Schritt: Der Franzose Jules Bianchi krachte 2014 in Japan in einen Bergungskran und erlag später seinen schweren Kopfverletzungen. Daraufhin begannen Überlegungen, wie man den Kopf des Fahrers noch besser schützen könnte - ab 2016 wurden Tests mit verschiedenen Konzepten durchgeführt.
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    Wichtiger Schutz für die Fahrer: Der Halo
    Quelle: Imago

    2018 kam dann der Halo (englisch für Heiligenschein). Anfangs vor allem aus optischen Gründen von vielen - auch zahlreichen Fahrern - abgelehnt, änderte sich die Meinung schnell. Denn schon in Spa 2018 rettete er sehr wahrscheinlich Fernando Alonso das Leben, als Romain Grosjean nach einer Startkollision über dessen Auto flog.
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