Paralympics: Rollstuhlbasketballerinnen wollen die Medaille

    Interview

    Rollstuhlbasketballerinnen:Paralympics: Keine Lust mehr auf Platz vier

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    Die deutschen Rollstuhlbasketballerinnen lösen im letzten Quali-Spiel das Paris-Ticket und sichern sich so die Teilnahme an den Paralympics. Spielerin Lisa Bergenthal im Interview.

    Mareike Miller (Deutschland, 4) und Lisa Bergenthal (Deutschland, 10) umarmen sich nach Abpfiff und der Qualifikation für die Paralympics.
    Mareike Miller (Deutschland, 4) und Lisa Bergenthal (Deutschland, 10) umarmen sich nach Abpfiff und der Qualifikation für die Paralympics.
    Quelle: IMAGO / Beautiful Sports

    Die deutschen Rollstuhl-Basketballerinnen haben sich für die Paralympischen Spiele 2024 in Paris qualifiziert. Im letzten Spiel des Qualifikationsturniers im japanischen Osaka setzte sich die Nationalmannschaft mit 58:25 gegen Frankreich durch.
    Die Gastgeberinnen hingegen verpassen aufgrund der Niederlage das Turnier im eigenen Land. Weil die Teilnehmerzahl von zehn auf acht reduziert wurde, waren die Französinnen, anders als ursprünglich vorgesehen, nicht gesetzt.

    Lisa Bergenthal (Deutschland, 10) an der Freiwurflinie 2024 IWBF Women’s Repechage: Australien - Deutschland.
    Quelle: IMAGO / Beautiful Sports

    ... 23 Jahre alt, geboren in Mechernich,

    ... aufgrund einer genetisch bedingten spastischen Lähmung in den Beinen ist sie vornehmlich auf den Rollstuhl angewiesen, kann kurze Strecken aber auch unter Zuhilfenahme eines Stocks gehen,

    ... spielt seit dieser Saison bei den Doneck Dolphins Trier in der Rollstuhlbasketball-Bundesliga der Frauen und studiert in Köln Erziehungswissenschaften,

    ... groß geworden bei den Köln 99ers, dort spielte schon ihr Vater Lars Bergenthal in der Bundesliga,

    ... wurde 2021 zum ersten Mal in die Nationalmannschaft berufen und kam bei den Paralympics 2021, der EM 2021, der WM 2023 und der EM 2023 mit dem deutschen Team jeweils auf Rang vier.

    ZDFheute: Frau Bergenthal, im Alles-oder-Nichts-Spiel gegen Frankreich hat sich die deutsche Mannschaft souverän durchgesetzt. Die Paris-Fahrkarte ist damit gesichert. Wie ist Ihre Gefühlslage?
    Lisa Bergenthal: Ich bin wahnsinnig erleichtert, da ist doch ein großer Druck von unseren Schultern gefallen. Jetzt können wir das große Ziel Paris endlich aussprechen und uns darauf vorbereiten. Ich freue mich wahnsinnig, das war alles sehr emotional im letzten Spiel.
    ZDFheute: Man konnte sich ja gar nicht vorstellen, dass die erfolgsverwöhnten deutschen Rollstuhlbasketball-Frauen nicht dabei sein würden in Paris.
    Bergenthal: Es wäre sehr plötzlich gekommen, wenn wir das nicht geschafft hätten. Wir waren der Favorit bei diesem Quali- Turnier, deshalb war die Erwartung, dass wir mit dem Ticket zurückkommen, natürlich sehr groß.
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    ZDFheute: Mit Frankreich haben Sie den Paralympics-Gastgeber rausgeworfen, die Kolleginnen sind damit bei ihren Heim-Spielen nicht dabei.
    Bergenthal: Grundsätzlich, wenn Frankreich nicht auf uns getroffen wäre, hätte ich mich sehr gefreut, wenn sie es geschafft hätten. So tat es mir eine Millisekunde leid, im gleichen Moment war mir aber bewusst, dass der eigene Wille, mit Deutschland bei den Paralympics anzutreten, noch größer war.

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    ZDFheute: Für Sie werden es nach Ihrem Debüt 2021 in Tokio die zweiten Paralympics sein. Wie sehen Sie diesen Spielen in Paris entgegen?
    Bergenthal: Damals war das mein erstes Turnier im A-Kader. Ich war als Rookie dabei und hatte superwenig Spielzeit. Ich durfte ganz viel miterleben und war auf der Bank ein Support für das Team. Das war eine Wahnsinnserfahrung, aber Paris ist für mich jetzt nochmal um einiges größer. Ich habe mich individuell weiterentwickelt und möchte in Paris spielerisch eine größere Rolle spielen. Es wäre schön, das Team mit auf den Weg zu einer Medaille zu bringen.

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    ZDFheute: In Tokio sind Sie Vierte geworden, genauso wie bei der WM 2023 und bei den Europameisterschaften 2021 und 2023. Da stehen lauter Vieren für dieses sonst so erfolgsverwöhnte Team, das in London 2012 Gold geholt hat und davor und danach in Peking und Rio jeweils Silber.

    Wir haben diesen verhexten vierten Platz satt, wir wollen weg von dieser Position. Immer so knapp an der Medaille vorbei, dass tat weh die letzten Jahre.

    Lisa Bergenthal, Team Deutschland Paralympics

    Ich bin aber total optimistisch, dass wir mit dieser Truppe etwas Großes erreichen können. Wir haben noch vier Monate vor uns, in denen wir uns individuell und als Team weiter entwickeln werden. Wir haben eine ganz tolle Teamchemie, gute Stimmung, einen tollen Staff, ein ganz hervorragendes Trainerteam.

    Der Wille, eine Medaille zu holen, ist riesig. Wir werden in Paris auf andere Teams treffen als hier in Osaka, das wird ein ganz anderes Niveau sein. Aber wir werden mithalten.

    Lisa Bergenthal, Team Deutschland Paralympics

    ZDFheute: Welche Nationen werden die größten Konkurrenten um die Medaillen sein?
    Bergenthal: Die Niederlande sind seit Jahren unumstritten auf dem ersten Platz, die sind echt taff. Außerdem ist Großbritannien stark. Auf die sind wir in der Vorbereitung auf Osaka getroffen, da lief es ganz gut, da sind wir auf Augenhöhe. Aber auch China und die USA stellen superstarke Teams, die haben in den letzten Jahren immer um die Medaillen mitgespielt.
    ZDFheute: Sie sind in Köln bei den 99ers groß geworden, haben zur laufenden Saison aber den Wechsel nach Trier gewagt. Hat sich dieser Schritt ausgezahlt?
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    Bergenthal: Für mich war das ein Schritt aus meiner Komfortzone heraus. Köln ist mein Zuhause, meine Familie, da wegzugehen, war ein großer Schritt und nicht einfach. Aber unser Bundestrainer Dirk Passiwan ist auch der Trainer in Trier, und ich bin sehr zufrieden, wie wir zusammenarbeiten. Ich habe superviel von ihm gelernt, außerdem hatte ich mehr Spielzeit als in Köln. Es war aber auch sehr anstrengend, da ich in Köln studiere und gependelt bin. Ich hatte wenig Ruhe und bin an meine Grenzen geraten. Trotzdem bin ich sehr stolz, diese Entscheidung getroffen zu haben. Ich bereue nichts.
    Das Gespräch führte Susanne Rohlfing.

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