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Leipziger Appell

Leipziger Appell

Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien: Freie und unabhängige Medien sowie der uneingeschränkte Zugang zu Informationen sind Grundpfeiler unserer Demokratie.

Sender- und Firmenlogos, die den Leipziger Appell unterschrieben haben

Presse-, Rundfunk- und Informationsfreiheit garantieren eine öffentliche Meinungsbildung, die sich an geprüften Fakten orientiert, unterschiedliche Perspektiven sichtbar macht und so zum gesellschaftlichen Diskurs beiträgt. Dieses Fundament unserer Verfassung entstand aus den Lehren der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte im Nationalsozialismus 1933 bis 1945 – aus dem Bewusstsein, dass politische Einflussnahme, Gleichschaltung und Propaganda Freiheit und Menschenwürde bedrohen und zerstören können.

Auch die Geschichte der DDR zeigt, wie die staatliche Lenkung von Medien zur Unterdrückung freier Meinungsbildung missbraucht wurde. Die Instrumentalisierung der Medien zur Manipulation der öffentlichen Meinung war ein zentrales Herrschaftsinstrument. Und der Ruf nach freien Medien deshalb eine wesentliche Forderung der Friedlichen Revolution von 1989. Die Erinnerung daran verpflichtet uns bis heute.

Neue Gefahren für die Medien- und Informationsfreiheit

Heute stehen Freiheit und Unabhängigkeit der Medien sowie der uneingeschränkte Zugang zu Informationen erneut unter Druck, und zwar in vielfältiger und oft subtiler Form.

Globale Digitalkonzerne prägen mit von ihnen gesteuerten Algorithmen, welche Inhalte, Meinungen und Themen sichtbar werden. Algorithmische Systeme verstärken eher Extreme, Polarisierungen und emotionale Zuspitzungen anstatt Ausgewogenheit oder Seriosität zu fördern. Millionen Menschen begegnen so täglich auf den Plattformen einer verzerrten Abbildung gesellschaftlicher Wirklichkeit.

Zudem wird das Vertrauen in freie Medien systematisch angegriffen. Populistische Strategien, Zynismus, gezielte Skandalisierung und manipulative Gegenöffentlichkeiten versuchen, Zweifel zu säen und glaubwürdigen Journalismus zu delegitimieren. Zugleich mehren sich Versuche politischer Einflussnahme auf redaktionelle Entscheidungen, eine Entwicklung, die demokratische Prinzipien unmittelbar berührt.

Wer Medienfreiheit und Informationsfreiheit angreift, greift das demokratische Gemeinwesen an.

Darum müssen wir sie entschlossen schützen.

Unser gemeinsamer Auftrag

Der Leipziger Appell für die Freiheit und Unabhängigkeit der Medien ist ein Aufruf zur Wachsamkeit und eine Einladung zur gemeinsamen Verantwortung. Er erinnert daran, dass Medienund Informationsfreiheit nicht allein durch Gesetze gesichert werden, sondern durch tägliche Anstrengung, durch Mut und durch die Bereitschaft, den Gefahren entschieden entgegenzutreten. Die Unterzeichnenden sehen es als ihre zentrale Aufgabe,

die Freiheit und Unabhängigkeit der Medien und den freien Zugang zu Informationen aktiv zu schützen, Angriffe klar zu benennen und zurückzuweisen, jede Form politischer oder wirtschaftlicher Einflussnahme entschieden abzuwehren, Transparenz, Vielfalt und journalistische Integrität zu stärken, sowie die Medienkompetenz zu fördern,

damit mündige Bürgerinnen und Bürger in einer fragmentierten und rasant wachsenden Informationswelt souveräne und differenzierte Entscheidungen treffen können. Medien- und Informationsfreiheit muss sicht- und erlebbar bleiben – im Alltag, in den Institutionen und in der öffentlichen Kultur.

Unser Bekenntnis

Wir stehen gemeinsam dafür ein, dass unabhängige Medien und Informationsanbieter ihre demokratische Aufgabe frei, unbeeinflusst und verantwortungsvoll erfüllen können.

Wir verteidigen sie, wo sie bedroht werden.

Wir stärken sie, wo sie geschwächt werden.

Wir schützen sie, weil ohne sie keine demokratische Zukunft möglich ist.

Medien- und Informationsfreiheit sind ein hohes Gut nicht nur für Journalistinnen und Journalisten, sondern für uns alle. Sie zu bewahren ist Auftrag, Verpflichtung und Ausdruck unseres Glaubens an eine freie, offene und vielfältige Gesellschaft.

Die Unterzeichner

Ralf Ludwig, Intendant MDR
Florian Hager, ARD-Vorsitzender und Intendant HR
Dr. Katja Wildermuth, Intendantin BR
Johannes Neuer, Direktor Deutsche Nationalbibliothek Leipzig
Barbara Massing, Intendantin Deutsche Welle
Stefan Raue, Intendant Deutschlandradio
Mika Beuster, Vorsitzender DJV-Bundesverband
Ine Dippmann, Vorsitzende DJV-Sachsen
Andreas Lamm, Managing Director European Centre for Press and Media Freedom
Burkart Pilz, Vorsitzender Evangelischer Medienverband in Sachsen
Prof. Dr. Timo Meynhardt, Lehrstuhl für Wirtschaftspsychologie und Führung HHL
Manfred Kluge, Vorsitzender Initiative18
Prof. Dr. Karola Wille, Vorsitzende IPI Deutschland
Juliane von Reppert-Bismarck, Vorsitzende Lie Detectors
Hannah Suppa, Chefredakteurin Leipziger Volkszeitung
Prof. Dr. Christian Pentzold Geschäftsführender Programmdirektor mephisto 97.6
Marc Rath, Chefredakteur Mitteldeutsche Zeitung und Volksstimme
Hendrik Lünenborg, Intendant NDR
Ingrid Thurnher, Generaldirektorin ORF
Dr. Yvette Gerner, Intendantin Radio Bremen
Ulrike Demmer, Intendantin RBB
Martin Grasmück, Intendant SR
Dr. Kai-Michael Sprenger, Direktor Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte
Prof. Dr. Kai Gniffke, Intendant SWR
Dr. Katrin Vernau, Intendantin WDR
Dr. Norbert Himmler, Intendant ZDF