Newsletter ZDF-Fernsehrat:Über die Balance bei der Transformation
Wie Fernsehrätin Kristina Sinemus das ZDF Streaming-Portal sieht.
"Über nahezu alle Altersgruppen hinweg verlagert sich die Nutzung zunehmend vom linearen Fernsehen hin zu non-linearen Angeboten", konstatiert Kristina Sinemus. Die Digitalministerin von Hessen und Fernsehrätin betont im Interview die Bedeutung von On Demand für den verfassungsmäßigen Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
ZDF-Fernsehratsmitglied Prof. Dr. Kristina Sinemus.
Quelle: ZDF/Andreas Reeg#Fernsehrat: Personalisierte Empfehlungen sind ein wichtiger Bestandteil des ZDF Streaming-Portals, damit sich die Nutzer schnell orientieren können und ihnen passende Inhalte angezeigt werden. Hierdurch soll auch das "Nutzererlebnis" vertieft werden. Wie beurteilen Sie die Orientierung und Nutzerführung und das Nutzererlebnis des ZDF Streaming-Portals?
Kristina Sinemus: Wir erleben einen grundlegenden Wandel in der Mediennutzung. Über nahezu alle Altersgruppen hinweg verlagert sich die Nutzung zunehmend vom linearen Fernsehen hin zu non-linearen Angeboten. Streamingdienste und On-Demand-Portale prägen heute die Erwartungen vieler Nutzerinnen und Nutzer. Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bedeutet das, seinen verfassungsmäßigen Auftrag auch in einer digitalen Medienwelt zu erfüllen und die Menschen dort zu erreichen, wo sie Medien tatsächlich nutzen.
Das ZDF Streaming-Portal ist dafür ein wichtiger Baustein. Personalisierte Empfehlungen helfen dabei, sich schnell zu orientieren und relevante Inhalte zu entdecken. Gleichzeitig ist eine intuitive Nutzerführung entscheidend. Denn nur wenn ein Angebot technisch überzeugt, leicht zugänglich ist und den Erwartungen der Nutzerinnen und Nutzer entspricht, kann es seine Reichweite und gesellschaftliche Relevanz langfristig sichern.
Die Bedeutung des Portals zeigt sich auch in seiner hohen Akzeptanz. Trotz des intensiven Wettbewerbs durch internationale Streaminganbieter gehört das ZDF-Streamingangebot weiterhin zu den relevanten Bewegtbildangeboten in Deutschland.
#Fernsehrat: Im ZDF Streaming-Portal wird einerseits den individuellen Interessen der Nutzer Rechnung getragen, andererseits werden ihnen auch weiterhin redaktionell kuratierte Angebote angezeigt, um die inhaltliche Breite und Perspektivenvielfalt des öffentlich-rechtlichen Angebots darzustellen. Wie bewerten Sie diese Aufteilung?
Sinemus: Ich halte diese Verbindung aus Personalisierung und redaktioneller Kuratierung für einen wichtigen Ansatz. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk unterscheidet sich in seinem Auftrag von rein kommerziellen Plattformen. Seine Aufgabe besteht nicht allein darin, individuelle Vorlieben zu bedienen, sondern auch darin, Vielfalt abzubilden, Orientierung zu geben und unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen. Eine demokratische Gesellschaft lebt davon, dass Menschen Zugang zu einem breiten Spektrum an Informationen, Fakten, Meinungen und kulturellen Angeboten haben. Deshalb ist es richtig, dass das ZDF neben personalisierten Empfehlungen weiterhin auf redaktionell kuratierte Inhalte setzt. Gerade in Zeiten zunehmender Informationsvielfalt und algorithmisch gesteuerter Angebote ist diese Balance zwischen individuellen Interessen und publizistischer Verantwortung ein wesentliches Qualitätsmerkmal des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
#Fernsehrat: Das ZDF hat die Website algorithmen.zdf.de eingerichtet und im vergangenen Jahr vollständig überarbeitet. Ziel ist es, transparent über die verwendeten Algorithmen zu informieren. Welchen Mehrwert bietet diese Seite Ihrer Einschätzung nach?
Sinemus: Viele Menschen nutzen digitale Angebote heute ganz selbstverständlich, wissen aber oft nicht, nach welchen Kriterien Inhalte empfohlen werden. Umso wichtiger ist es, diese Prozesse verständlich und nachvollziehbar zu erklären. Die Website algorithmen.zdf.de leistet hierzu einen wichtigen Beitrag. Sie macht transparent, welche Rolle Algorithmen bei der Ausspielung von Inhalten spielen und wie Empfehlungen im Streaming-Portal zustande kommen. Dadurch werden technische Prozesse nachvollziehbarer und das Vertrauen in digitale Angebote gestärkt.
#Fernsehrat: Personalisierung und Empfehlungssystem des Portals werden stetig weiterentwickelt. An welchen Stellen sehen Sie noch Optimierungsbedarf?
Sinemus: Die digitale Entwicklung schreitet mit großer Geschwindigkeit voran. Insbesondere die Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz eröffnen laufend neue Möglichkeiten, Inhalte noch passgenauer, nutzerfreundlicher und barriereärmer bereitzustellen. Deshalb ist es wichtig, Personalisierungs- und Empfehlungssysteme kontinuierlich weiterzuentwickeln und neue technologische Potenziale im Sinne des öffentlich-rechtlichen Informationsauftrags zu nutzen. Dabei müssen Transparenz, Nachvollziehbarkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit Daten stets gewährleistet bleiben. Wenn diese Balance gelingt, kann das ZDF seine digitale Transformation erfolgreich fortsetzen und seine gesellschaftliche Relevanz auch in Zukunft sichern.
Zur Person: Prof. Dr. Kristina Sinemus ist studierte Biologin und promovierte im Fachbereich Biochemie. Die CDU-Politikerin verantwortet den Bereich Digitales seit 2019 als Ministerin in Hessen. Im ZDF-Fernsehrat ist sie seit Juli 2024 als Vertreterin des Landes Hessen. Kristina Sinemus ist Mitglied im Ausschuss für Finanzen, Innovation und Digitalisierung und im Programmausschuss Chefredaktion.