Newsletter ZDF-Fernsehrat:Mitreißende Audiokommentare und Paralympics in den Nachrichten
Fernsehrat Michael Jörg über die Sportberichterstattung des ZDF
Michael Jörg lobt die empathische und mitreißend beschriebene Audiodeskription bei den Olympischen Winterspielen. "Außerdem finde ich außerordentlich gut, dass die Paralympischen Spiele zunehmend auch Eingang in die Nachrichtensendungen finden." Michael Jörg wirkt als Vertreter der "Inklusiven Gesellschaft" seit 10 Jahren im Fernsehrat mit.
Fernsehratsmitglied Michael Jörg
Quelle: ZDF/Andreas Reeg#Fernsehrat: 2026 folgt ein sportliches Großereignis auf das nächste. Nach Handball-EM und Olympischen Winterspielen laufen derzeit die Paralympischen Winterspiele. Wie bewerten Sie die Berichterstattung des ZDF über die Olympischen Winterspiele in Norditalien - auch im Hinblick auf die Ausweitung des Online-Streamings?
Michael Jörg: Ich hatte die Möglichkeit, sehr ausführlich die Olympischen Winterspiele zu hören und ich fand vor allem die Audiodeskription hervorragend, etwa bei den Biathlon-Wettbewerben. Dort gab es Bildbeschreiber, die waren so empathisch mit dabei, dass man fast gedacht hat, sie würden auf der Strecke mitlaufen. Sie haben sich mitgefreut und auch mitgeärgert. Das war sehr mitreißend. Außerdem finde ich außerordentlich gut, dass die Paralympischen Spiele zunehmend Eingang in die Nachrichtensendungen finden. Das zeigt, welche Möglichkeiten Menschen mit Behinderung haben, sportliche Höchstleistungen zu erbringen. Auch finde ich sehr bemerkenswert, dass der Sender beginnt, zunehmend Sportlerinnen und Sportler mit Behinderung als Expertinnen und Experten in den Sendungen kommentieren zu lassen.
#Fernsehrat: Seit einiger Zeit bietet das ZDF schon im Vorfeld solcher Großereignisse aufwändige Dokumentationen über Athleten und ihre Disziplinen, etwa zum Handball, Biathlon oder Bobsport. Sehen Sie darin einen Mehrwert gegenüber den Doku-Serien über Sport-Events und Idole, die die Streaming-Anbieter mit deutlich höheren Budgets umsetzen?
Jörg: Ich empfinde die Ausstrahlung von Dokumentationen über Athletinnen und Athleten, aber auch über die austragenden Länder als große Bereicherung. Hier mehr darüber zu erfahren, welche sozialen und politischen Verhältnisse es an den Austragungsorten gibt, sind bereichernd. Und auch die Hintergründe der Menschen, die hinter den jeweiligen Sportarten stehen, und über ihre persönlichen Motive zu erfahren, eröffnet einen neuen Horizont.
#Fernsehrat: Neben Spitzensport kümmert sich das ZDF um den Breitensport. Inwieweit kommt dieser aus Ihrer Sicht angemessen im Programm vor?
Jörg: Der Breitensport wird im "ZDF-Mittagsmagazin" dargestellt und ich finde es sehr gut, dass er dort einen festen Platz bekommen hat. Auch, wenn ich und viele andere Berufstätige kaum Zeit und Gelegenheit haben, zu dieser Sendezeit Breitensport anzusehen. Aber Veranstaltungen des Breitensports werden ja auch gestreamt. Ich erinnere mich da zuletzt an Wettkämpfe der Menschen mit geistiger Beeinträchtigung, die im Streaming zu sehen waren.
#Fernsehrat: Durch eine weiterentwickelte Produktionsweise und neue Produktionsformen konnten bis zu 20 Prozent des Aufwands gegenüber den Vorjahren eingespart werden. So gibt es mehr Gemeinschaftsproduktionen von ARD und ZDF, die Remote-Produktion aus dem National Broadcast Center (NBC) in Mainz reduziert den Aufwand am jeweiligen Austragungsort. Wie bewerten Sie diese Weiterentwicklung?
Jörg: Die weiterentwickelten Produktionsweisen begrüße ich sehr, vor allen Dingen, wenn ARD und ZDF da zusammenarbeiten. Hier eine gute Balance zu finden zwischen der Arbeit der Redaktion im National Broadcast Center in Mainz und Reportern an den Austragungsorten vor Ort, halte ich für ausgesprochen wichtig. Wir vom Fernsehrat müssen allerdings auch darauf achten, dass gerade in den neu geschaffenen Strukturen die Arbeitsbelastung nicht zu hoch ist. Der andere Aspekt ist natürlich, dass wir auch die Sicherheit der Reporter bei der Arbeit vor Ort in austragenden Ländern im Blick haben müssen.
Zur Person: Michael Jörg ist seit 2016 Mitglied im Fernsehrat als Vertreter aus dem Bereich "Inklusive Gesellschaft" aus dem Land Rheinland-Pfalz. Seitdem ist er Mitglied im Programmausschuss Chefredaktion und wirkt seit 2024 auch als Mitglied im Ausschuss für Finanzen, Innovation und Digitalisierung mit.