Startseite

"Streaming OS" und seine doppelte Bedeutung

Newsletter ZDF-Fernsehrat:"Streaming OS" und seine doppelte Bedeutung

Fernsehrätin Anke Pörksen über die geplanten Änderungen der Telemedienangebote des ZDF

"So wichtig in einer Übergangszeit das lineare Fernsehen noch ist, werden doch in Zukunft Telemedien eine immer größere Rolle spielen", sagt Fernsehrätin Anke Pörksen. Die Vertreterin des Landes Niedersachsen begrüßt ausdrücklich die enge Zusammenarbeit von ZDF und ARD in diesem Bereich.

Porträt ZDF-Fernsehratsmitglied Anke Pörksen

Fernsehratsmitglied Anke Pörksen

Quelle: ZDF/Andreas Reeg

#Fernsehrat: Mit dem Projekt "Streaming OS" arbeitet das ZDF eng mit der ARD zusammen an der noch stärkeren Vernetzung und gemeinsamen technologischen Entwicklung. Was erwarten Sie davon?

Anke Pörksen: Es ist gut, dass ZDF und ARD sich in ganz unterschiedlichen Bereichen zusammengetan haben und gemeinsam ein noch hochwertigeres und interessantes Angebot für möglichst viele Bevölkerungsgruppen produzieren. Diesem Ziel diente auch die vor etwa zwei Jahren gemeinsam gestartete Initiative "Streaming OS". Gemeinsam wird man die technische Entwicklung schneller und dynamischer vorantreiben können. Und ist es nicht eine Selbstverständlichkeit, dass die mit finanziellen Mitteln der Bürgerinnen und Bürger entwickelten zentralen Komponenten der Streaming-Plattform(en) der öffentlich-rechtlichen Sender auch öffentlich bereitgestellt und so von vielen genutzt werden können? "Streaming OS" hat nicht ohne Grund eine doppelte Bedeutung: Operating System, aber eben auch Open Source. Open Source (englisch, offene Quelle) bedeutet, dass der Quellcode öffentlich ist und damit eingesehen, genutzt und weiterentwickelt werden kann. Nachnutzbar sind die Software-Komponenten (nicht die Inhalte) der digitalen Medienangebote von ARD und ZDF perspektivisch sowohl für private Medienhäuser als auch für andere öffentlich-rechtliche Medien in Europa. Ich hoffe sehr, dass viele seriöse Medien dieses Angebot annehmen und die europäische Medienlandschaft so weiter gestärkt wird.

#Fernsehrat: In den ZDF-Online-Angeboten, rundfunkrechtlich "Telemedien", sollen Präsentation und Umfang von Live-Content gestärkt werden. Wie bewerten Sie das?

Pörksen: Es ist gut und sinnvoll, dass die Online-Angebote von ZDF und ARD durch mehr Live-Content gestärkt werden. Live-Content ist gerade für viele junge Nutzerinnen und Nutzer hoch attraktiv. Und die öffentlich-rechtlichen Sender tun gut daran, ihre Online-Angebote auszubauen. So wichtig in einer Übergangszeit das lineare Fernsehen noch ist, werden doch in Zukunft Telemedien eine immer größere Rolle spielen. ZDF und ARD gehen mit der Zeit und arbeiten daran, die sich verändernden Erwartungen der Menschen zu erfüllen. Das ist gut so!

#Fernsehrat: Die zeit- und kulturgeschichtlichen Archive sollen ausgebaut werden. Welche Bedeutung hat das aus Ihrer Sicht?

Pörksen: Gerade in Zeiten von immer mehr Falschinformationen und bewussten Täuschungen im Netz sind solide Recherche-Angebote von besonderer Bedeutung. Dazu gehören unbedingt auch authentische Filme und Audiobeiträge über zeit- und kulturgeschichtliche Ereignisse. Sie noch stärker als bislang zu archivieren und allen Interessierten zugänglich zu machen, ist ein wertvoller Beitrag zu unserem kulturgeschichtlichen Erbe.

#Fernsehrat: Gerade auf Plattformen mit interaktiven Elementen will das ZDF seine Rolle als verlässlicher Einordner und Vermittler stärken. Wie beurteilen Sie das?

Pörksen: Es ist höchste Zeit, dass sich das ZDF dieser verantwortungsvollen Aufgabe intensiver stellt. Auf allzu vielen Plattformen gibt es kaum oder gar keine klugen und umsichtigen Einordnungen der Beiträge. Zusammen mit gefährlichen Algorithmen führt das allzu oft dazu, dass Menschen mit Extrempositionen noch mehr in ihren Ansichten bestärkt werden und so die Demokratie gefährden. Die Menschen brauchen gute alternative Plattformen, denen sie vertrauen können.

Zur Person: Anke Pörksen ist als Staatssekretärin für Digitalisierung im Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung von der Niedersächsischen Landesregierung in den Fernsehrat entsandt worden. Die studierte Juristin ist Mitglied im Programmausschuss Chefredaktion.

Das könnte Sie auch interessieren