Das Ultimatum

Offizielle Kriegserklärung durch Kaiserwitwe Cixi

Im Juni 1900 spitzt sich die Krise in Peking weiter zu. Anhänger der ausländerfeindlichen Boxerbewegung dringen in die Diplomatenviertel ein. Zum Schutz der Europäer sind militärische Einheiten auf dem Weg in die Hauptstadt. Am Kaiserhof herrscht Uneinigkeit was die Lösung des Konflikts betrifft. Die gemäßigten Berater wollen einen Krieg vermeiden, die Hardliner suchen den Showdown mit dem Westen.

Der Kaiser und die Kaiserwitwe (Spielszene) Quelle: ZDF

Die Hardliner wollen, dass das Land seinen Boden verteidigt und werfen den Gemäßigten Feigheit vor. Prinz Duan fordert sogar das Diplomatenviertel anzugreifen. Doch die Kaiserin entscheidet anders: Sie verkündet, dass China sich jetzt mit elf westlichen Nationen im Krieg befindet. Den Diplomaten soll ein Ultimatum überreicht werden: Sie werden aufgefordert, unter dem Schutz von chinesischen Regierungstruppen Peking binnen 24 Stunden zu verlassen. Von dem Ultimatum werden die westlichen Gesandten völlig überrascht, doch die Mehrheit der Botschafter will auf die Bedingungen des Kaiserhofes eingehen.

Clemens August Freiherr von Ketteler Quelle: ZDF

Tödlicher Zwischenfall

Nur der deutsche Gesandte Baron von Ketteler widerspricht. Er traut den chinesischen Zusagen nicht und glaubt, dass sie alle auf dem Weg zur Küste ermordet würden. Von Ketteler beschließt, dem chinesischen Außenministerium, einen Besuch abzustatten. Doch China befindet sich nun offiziell im Krieg mit dem Westen und die Truppen sind nervös. Ein Schuss fällt und trifft von Ketteler. Der Vorfall ist noch heute Gegenstand historischer Kontroversen. Die Forschung heute geht davon aus, dass es sich um eine Einzeltat und nicht um ein gezieltes Vorgehen gehandelt hat. Der Mord an dem deutschen Gesandten verändert die Situation in Peking mit einem Schlag. An ein Verlassen der Botschaften ist nun nicht mehr zu denken. Hastig werden Tore verrammelt, Barrikaden errichtet und Gräben ausgehoben. Alle Europäer werden in das Diplomatenviertel gebracht. Mehr als 600 europäische Zivilisten müssen versorgt und beschützt werden. Jetzt rechnet jeder mit einer Belagerung.

Tausende von kaiserlichen Soldaten werden um das diplomatische Viertel zusammengezogen, unterstützt von den Hilfstruppen der Boxer. Ihnen stehen knapp 400 Marinesoldaten aus acht Nationen gegenüber. Die britische Abteilung ist mit mehr als 130 Mann die größte. Das Ultimatum endet um vier Uhr nachmittags. Danach gibt es für die Europäer kein Entkommen mehr. Die Munitionsvorräte sind begrenzt - jeder Soldat hat nur einige hundert Patronen bei sich. Dagegen ist der chinesische Nachschub unbeschränkt. Als das Ultimatum verstreicht, ohne dass die Europäer abrücken, muss die Kaiserin handeln. Sie befiehlt ihren Truppen den Angriff.

Gesandtenviertel nahe der Verbotenen Stadt (Karte) Quelle: ZDF

Warten auf den Großangriff

Um vier Uhr nachmittags beginnt die Belagerung der Botschaften. Die Verteidigung des weitläufigen und verwinkelten Diplomatenviertels erweist sich als schwierige Aufgabe. Das Viertel befindet sich neben der kaiserlichen Stadt und wird im Süden durch die Tartarenmauer geschützt. Die Gesandtschaften der Briten, Russen und Amerikaner sind im Westen die Botschaften Deutschlands, Japans und Frankreichs liegen im Osten. Unter den Belagerungstruppen der Chinesen sind die muslimischen Einheiten im Westen besonders gefürchtet. Der britische Botschafter MacDonald bemüht sich um die Koordination der multinationalen Allianz. Das größte Problem ist die knappe Munition und die überlegene Feuerkraft der chinesischen Belagerungstruppen. Jeden beschäftigt nur eine Frage: Wann werden die Chinesen ihren Großangriff beginnen?

Auch zwei Wochen nach Beginn der Belagerung gibt es noch immer kein Zeichen von den europäischen Truppen. Sie haben sich nach der Eroberung der Taku-Forts an der Stadt Tianjin festgerannt. Es ist das letzte Hindernis auf dem Weg nach Peking. Es kommt zu schweren Kämpfen mit kaiserlichen Truppen und Boxerverbänden. Der Sieg steht auf Messers Schneide - und mit ihm das Schicksal der Belagerten in Peking.

Wenig erfolgreiche Kämpfe

In der Verbotenen Stadt müssen sich die Höflinge vor der Kaiserin rechtfertigen. Ihr wurde versichert, die Regierungstruppen könnten die Europäer besiegen. Doch die Kämpfe verlaufen wenig erfolgreich. Die Hardliner versprechen nach wie vor, dass sie die "fremden Teufel" zurück ins Meer treiben würden. Die Gemäßigten widersprechen heftig. Prinz Duan fordert einen Angriff auf das Diplomatenviertel, der die Entscheidung bringen soll. Doch die Kaiserin hält es für klüger, nur den militärischen Druck zu verstärken. Als potenzielle Geiseln sind die Diplomaten wertvoll.

Gesandter mit weißer Fahne (Spielszene) Quelle: ZDF

Jeden Tag müssen die Verteidiger weitere Verluste beklagen. Jeder Mann wird dringend benötigt. Zivilisten stoßen als Freiwillige zur kämpfenden Truppe. Doch die Gefechte beschränken sich nicht allein auf die Barrikaden. In den verwinkelten Seitengassen nahe den Botschaften, finden unerbittliche Nahkämpfe statt. Am 16. Juli berichtet der Londoner "Daily Mail" über ein angebliches Massaker an den Gesandten in Peking. Da erscheint ein Unterhändler mit einer Botschaft vom Hofe. Man bittet um eine Feuerpause. MacDonald rätselt, ob man es ernst meint, oder ob es sich um einen Trick der Chinesen handelt.

Dynastie in tödlicher Gefahr

Was MacDonald nicht weiß: der Hof hat eine Nachricht aus Tianjin erhalten. Die Stadt ist gefallen. Ausländische Truppen plündern Häuser, Gefangene werden erschossen. Die kaiserliche Dynastie befindet sich in tödlicher Gefahr. Nichts kann die Truppen der Ausländer mehr aufhalten, die auf Rache sinnen. Doch noch stehen den Belagerten lange Wochen bevor, in denen die Kämpfe immer wieder aufflammen. Als am 12. August schließlich ein westliches Entsatzheer die Tore Pekings erreicht, droht den Verteidigern noch einmal die allergrößte Gefahr. Denn in diesem Moment bereiten Boxer und Regierungssoldaten auf eigene Faust einen finalen Angriff vor.

Cixi verlässt die Verbotene Stadt in einer Kutsche (Spielszene) Quelle: ZDF

Doch die chinesischen Einheiten sind zu schwach, um durchzubrechen. Als die europäische Armee vor den Toren Pekings steht, fliehen die Kaiserin, ihre Familie und der Hofstaat aus der Stadt. Im Diplomatenviertel kennt die Freude unter den Verteidigern keine Grenzen mehr, nach 55 Tagen ist die Belagerung vorbei. Am 15. August 1900 besetzen westliche Truppen die Verbotene Stadt. China muss jahrzehntelang Reparationen entrichten. 1912 fällt das Kaisertum. Heute ist der Boxerkrieg in Europa weitgehend vergessen. In China dagegen weiß jedes Schulkind, was im Jahre 1900 in Peking geschah. Der gescheiterte Kampf gegen die Ausländer ist wie in das Gedächtnis des Landes eingebrannt.

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