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Makaronesien: Oasen in der blauen Wüste

Faszination Erde mit Dirk Steffens

Eine Inselwelt, die ihresgleichen sucht: Kanaren, Azoren, Madeira und Kapverden. Ihre faszinierende Vielfalt verdanken die Inseln einer einzigartigen gemeinsamen Geschichte.

43 min
43 min
21.02.2021
21.02.2021
UT
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Video verfügbar bis 06.02.2026

Kanaren, Azoren, Madeira und Kapverden bilden zusammen Makaronesien, übersetzt heißt das „die glücklichen Inseln“. Obwohl sie bis zu 1.500 Kilometer voneinander entfernt liegen, haben alle den gleichen Ursprung: Hotspot-Vulkanismus. Über viele Millionen Jahre sind sie in den Weiten des Atlantiks zu Oasen für das Leben geworden. Dirk Steffens entdeckt Tiere und Pflanzen, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt.

Expedition in die Tiefsee

Wer die Region kennenlernen möchte, fängt am besten unter Wasser an. Dirk Steffens begibt sich dazu in die Hände der Tiefsee-Pioniere Kirsten und Joachim Jakobsen. Sie haben die „Lula 1000“ konstruiert, eines von rund zehn bemannten U-Booten auf der Welt, das mehr als 1000 Meter tief tauchen kann. Gemeinsam mit ihnen gleitet Dirk Steffens durch die dunkle Tiefe des Meeres und entdeckt Lebewesen, die er und sogar die Jakobsens noch nie gesehen haben. Je näher sie dem Inselsockel Madeiras kommen, desto größer wird die Fülle des Lebens.

Eine der faszinierendsten Reisen, die ich je gemacht habe
Dirk Steffens
Dirk Steffens mit Kirsten und Joachim Jakobsen im Tiefsee-U-Boot "Lula 1000"
Dirk Steffens begleitet Kirsten und Joachim Jakobsen in ihrem selbst konstruierten Tauchboot Lula 1000 bis in tausend Meter Tiefe.
Quelle: ZDF

Dass Tiefseetauchgänge so nah vor der Küste überhaupt möglich sind, liegt an der besonderen Topografie: Der Meeresboden fällt steil ab in die Tiefe. Das, was wir von der Insel sehen können, ist wie die Spitze eines Eisberges, der über die Wasseroberfläche ragt. Denn alle makaronesischen Inseln verdanken ihre Existenz dem Vulkanismus. Unter dem Inselbogen liegt ein gewaltiger Mantelplume – ein Hotspot. Hier dringt immer wieder heißes Mantelmaterial aus tieferen Schichten der Erde empor. Wenn dieses Gestein den Meeresspiegel erreicht und sich weiter auftürmt, wird eine neue Insel geboren.

Der Capelinhos-Leuchtturm auf der Azoreninsel Faial steht seit einem Vulkanausbruch, der neues Land schuf, nicht mehr an der Meeresklippe.
Der Leuchtturm auf der Azoreninsel Faial stand einst direkt an einer Meeresklippe. Als der Capelinhos-Vulkan 1957 ausbrach, schuf er neues Land, das sich in nur zwei Monaten mit Faial verband. Der Turm wurde dadurch ins Landesinnere verlegt.
Quelle: orf

Außerdem wirkt die Plattentektonik: Die afrikanische Platte schiebt sich mit ungefähr zwei Zentimetern pro Jahr über den Hotspot hinweg. Wie ein Schneidbrenner brennt dieser Löcher in die Platte, durch die das Magma nach oben steigt. Der Hotspot hat im Lauf von 30 Millionen Jahren 30 große und viele kleine Inseln entstehen lassen. Jede von ihnen hat über lange Zeit hinweg ihr eigenes Gesicht entwickelt und beherbergt reiches und einzigartiges Leben.

Ein botanischer „Jurassic Park“

Makaronesien wird von einer unsichtbaren Kraft beherrscht: dem Passatwind. Er bläst von Nordost nach Südwest über die Inseln, und mit ihm kommen über viele Hundert Kilometer Sporen, Samen und Insekten und auch Vögel. Das gesamte Leben auf den makaronesischen Inseln hängt am Tropf des Passats. Der stetige Wind hat über Jahrmillionen auf nacktem Gestein grüne Oasen entstehen lassen.

Verwunschener Lorbeerwald auf Madeira

Einige Kanareninseln, Madeira und die Azoren bergen einen Naturschatz, der in Europa seit über zwei Millionen Jahren verschwunden ist: den immergrünen Lorbeerwald oder Laurisilva. Im milden ozeanischen Klima der Inseln konnte er wie in einer Zeitkapsel die letzten Eiszeiten überleben. Auf Madeira wachsen diese urtümlichen Lorbeerbäume bis zu 40 Meter hoch. Neben diesen lebenden Fossilien entdeckt Dirk Steffens eine bekannte Pflanze von unbekannten Dimensionen: drei Meter hohen Löwenzahn. Im milden Inselklima mit nährstoffreichem Boden und ohne Fressfeinde wie Rehe oder Hasen führen die Pflanzen allein den Kampf ums Licht – und wachsen immer höher.

Die Inseln schaffen ihr eigenes Klima

Es gibt noch einen anderen Grund, warum die Pflanzen auf Madeira zur Höchstform auflaufen: Obwohl es vergleichsweise selten regnet, gibt es Wasser im Überfluss. Im Herzen der Insel gibt es überall Bäche, und in der Luft liegt immer ein feuchter Schleier. Das Wasser stammt vom Atlantik. Der Passatwind schiebt die Feuchtigkeit, die über dem Meer verdunstet, als Wolken über die Inseln. An den hohen Bergen bleiben die Wolken hängen und die Feuchtigkeit kondensiert. Von dem Feuchtnebel leben die Lorbeerwälder. Das Zusammenspiel von Wind, Meer und Bergen macht die Insel so fruchtbar.

Faszination Erde - Insel Lichter Funchal
Die größte Wolfsspinne Europas, eine der seltensten Spinnen der Welt. Den Handschuh trägt Dirk Steffens nicht ohne Grund. Das Gift der Spinne ist nicht lebensgefährlich, aber ziemlich schmerzhaft.
Quelle: ZDF

Aber es gibt auch Inseln, die ganz anders aussehen. Auf der Wüsteninsel Deserta Grande hat der Vulkanismus keine hohen Berge entstehen lassen. Die Passatwolken ziehen über die Insel hinweg. Fällt einmal Niederschlag, verdunstet er gleich wieder. Dirk Steffens findet hier mit der Hilfe von Forschern eine der seltensten Spinnen der Welt: die Deserta-Wolfsspinne. Weil das Tier, das ursprünglich aus Europa stammt, hier kaum Feinde hat und das Nahrungsangebot reichhaltig ist, wurde die Spinne über viele Hunderttausend Jahre immer größer – so groß, dass sie sogar Eidechsen jagen und töten kann. Die Wolfsspinne ist hier die Königin der Nahrungskette und ein klassisches Beispiel für Insel-Gigantismus.

Fragiles Gleichgewicht

Das Meer um die makaronesischen Inseln ist so artenreich, dass viele Wale auf ihrer Reise durch die Weltmeere dort Station machen. Einige Grindwal-Familien haben sogar ihre ursprünglichen Wanderrouten aufgegeben und leben nur noch hier, in der Inselwelt Makaronesiens. Dirk Steffens begleitet Walforscher, denen die stationär lebenden Wale noch immer Rätsel aufgeben. Gemeinsam finden sie heraus, warum die Wale nur noch hier leben und ob sie auch gesund sind.

Grindwal (Unterwasseraufnahme)
Verschiedene Walarten fühlen sich in der Nähe der Inseln besonders wohl. Woran liegt das?
Quelle: orf

Manche Schätze der Inseln sind inzwischen in Gefahr. Die Eingriffe des Menschen waren und sind oft fatal für das fragile Gleichgewicht der Natur. Auf kleinen Inseln, so wie denen in Makaronesien, lässt sich wie unter einem Brennglas beobachten, wie Ökosysteme entstehen und wie sie aufgebaut sind. Dort können wir sehen, wie das Land, der Wind und das Meer gemeinsam das Leben formen – und wie dann die einzelnen Lebensformen aufeinander einwirken. Dadurch können wir jede Menge über den Umgang mit unserer Erde lernen. Denn „niemand ist eine Insel”, kein Mensch, kein Tier, keine Pflanze. Alles ist mit allem verbunden.

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