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Die Europa-Saga (2/6)

Teil 2: Woran wir glauben - was wir denken

Christopher Clark vor der Hagia Sophia

Doku | Terra X - Die Europa-Saga (2/6)

Europa, das ist das "christliche Abendland" – dieses Selbstverständnis hat sich seit dem Mittelalter über die Jahrhunderte verfestigt. Doch ganz so eindeutig ist die Sache nicht.

Datum:
Sendungsinformationen:
Im TV: ZDF, 29.10.2017, 19:30 - 20:15
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

Fragen, die den gebürtigen Australier Christopher Clark bei seiner Reise durch die Kultur und Geschichte Europas beschäftigen. Der renommierte Cambridge-Historiker vermag wie kein anderer einen unterhaltsam-kenntnis­reichen Blick auf unseren Erdteil zu werfen – von innen und außen. In seinen Moderationen an den schönsten und symbol­trächtigsten Orten Europas bringt er etwas Ordnung in die so verwirrend vielfältige Geschichte unseres Kontinents.

Die zentrale Rolle des Glaubens

Europa, das ist das "christliche Abendland" – dieses Selbstverständnis hat sich seit dem Mittelalter über die Jahrhunderte ver­festigt. Sicher spielt der christliche Glaube eine zentrale Rolle für die Identität Europas. Das Christentum ist die erste offene Volksreligion, Kirchengemeinden und Klöster wurden zur Keimzelle gemeinsamer Konfession, Pilgerwege zu einem verbindenden europäischen Netzwerk.

Doch ganz so eindeutig ist die Sache nicht: Die Christen im Osten und Westen Europas gingen bald schon getrennte Wege. Was sie für kurze Zeit wieder zusammenbrachte, ist ein neue, gemeinsam empfundene Bedrohung durch den Islam, der auch in Europa auf dem Vormarsch war. Doch bedeutete dies für den Kontinent mehr als nur ein Feindbild: In al-Andalus prägten Muslime über ein halbes Jahrtausend die Kultur im westlichen Europa mit, die Herrschaft der Osmanen hinterließ im Südosten Spuren. Die Juden Europas trugen in ihrer Rolle als religiöse Minderheit ebenfalls zur kulturellen Vielfalt bei, brachten die Wirtschaft in Gang und waren doch immer wieder Opfer grausamer Verfolgung.

Macht und Glaube

Die Kreuzzüge und Türkenkriege verstärkten den Antagonismus der Religionen. Wenn nicht Gegner von außen für den Zusam­menhalt sorgten, brachen immer wieder unter den Christen Konflikte aus. Zur entscheidenden Spaltung aber führte die Reformation im frühen 16. Jahrhundert. Martin Luther prangerte nicht nur die Missstände in der Kirche an, er stellte auch die klerikal geprägte Herrschaftsordnung in Frage. So spalteten sich in Europa Macht und Glaube.

Hundert Jahre nach der Reformation verwüsteten verheerende Schlachten zwischen Katholiken und Protestanten den Kontinent. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges wuchs der Wille, das Verhältnis der Völker künftig auf Prinzipien der Vernunft zu begründen. Es galt Religion und Politik in den Beziehungen der Mächte zu trennen. Die europäische Staatengemeinschaft schuf sich mit dem Westfälischen Frieden eine verbindliche Ordnung, die den Ausgangspunkt für das moderne Völkerrecht bildete. Die Zeit der militärischen Konflikte war nicht beendet, aber ein fundamentaler und kompromissloser Krieg im Zeichen des Glaubens nicht mehr zu befürchten.

Sendungsinformationen - Die Europa-Saga (Teil 2)

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