Mythos auf dem Prüfstand

DNA-Test der Grabknochen

Ein Volk grausamer Kriegerinnen im Kampf mit den griechischen Helden um die Zukunft der Zivilisation. Vor allem Homer verankerte die Amazonen im Sagenschatz der Griechen. Steckt hinter den Legenden eine wahre Geschichte? Eine DNA-Analyse soll die Vermutung über die Geschlechtszugehörigkeit der Grabfunde aufklären.

Zweihundert Jahre nach dem Tod des Dichters Homer (lebte im 8. Jahrhundert vor Christus im ionischen Kleinasien) vervielfältigten Hunderte Autoren, Maler und Bildhauer die Sage zu unzähligen Motiven und Metaphern, Geschichten und Gerüchten.

Zusammenhang gesucht


Die meisten Autoren lokalisieren die Amazonen in Kleinasien, der heutigen Türkei - am Rande des hellenistischen Weltbildes. Und damit weit entfernt von jenen Steppengebieten, in denen heute Archäologen nach Frauenkriegern suchen. Kann es überhaupt einen Zusammenhang zwischen dem populären Mythos und diesem geheimnisvollen Steppengrab geben?

An der Ausgrabungsstelle könnte ein neuer Fund einen entscheidenden Hinweis bringen. Das Forschungsteam findet filigran gearbeitete Artefakte - mehr als 110 Pfeilspitzen. Es wäre der bedeutendste Waffenfund im Grab einer Frau. Die große Zahl der Pfeilspitzen lässt die Forscher vermuten, dass es sich bei der mysteriösen Toten um ein bedeutende Kriegerin handelt. Die in einer Zeit lebte, als sich die Geschichten von den Amazonen in rasendem Tempo verbreiteten. Bewiesen scheint zumindest, was Davis-Kimball seit dem ersten Fund vermutet. Bei den Steppennomaden kämpften Frauen gleich berechtigt neben Männern - in höchsten Positionen.

Perfekter Fund

Der Kurgan wurde nur für eine Person angelegt, eine Stammesführerin - glauben die Forscher. Sie finden ansonsten nur leere Löcher. Ein weiteres Indiz ist die Position, in der die Tote begraben wurde. Die Archäologen interpretieren die Lage des Skeletts als "Angriffs-Haltung". Ein perfekter Fund, doch noch fehlt Davis-Kimball jede engere Verbindung zu den überlieferten Amazonen-Legenden. Man beschrieb die Amazonen als groß gewachsen und blond. Wie sahen diese Kriegerinnen der Steppe wirklich aus?

Im nördlich der Grabungsstätte gelegenen Samara, einer Stadt an der Wolga in Zentralrussland, will Jeannine Davis-Kimball ein Bahn brechendes Experiment beginnen lassen. Denn noch fehlt der endgültige Beweis. Bei allen Grabungen hatten die Wissenschaftler das Geschlecht der Toten durch bloßes Betrachten der Knochen bestimmt. Krieger - oder Kriegerin - Entscheidung eines Augen-Blicks. Eine übliche Methode, doch der Molekular-Anthropologe Dr. Joachim Burger aus Deutschland weiß: in mehr als zehn Prozent der Fälle ist das Urteil falsch.

Heikle Aufgabe

Der Archäologe Dr. Alexander Khokhlov soll helfen, alte und neue Funde aus der russischen Steppe noch einmal zu untersuchen um endlich hundertprozentig sicher zu sein. Hunderte Skelette lagern in der Universität - darunter vielleicht zahlreiche Frauenkrieger - unüberprüft oder hinter Fehlurteilen unentdeckt. Falls die Knochen gut erhalten sind, kann Dr. Burger die Erbinformation, kurz: DNA, aus den Knochen isolieren. Und damit Geschlecht, Herkunft und Verwandtschaft der Toten aus den Kurganen bestimmen.

Die Forscher bereiten das Experiment mit äußerster Gründlichkeit vor. Denn die Aufgabe ist heikel. Doktor Burger ist einer der wenigen Experten weltweit, die zuverlässige DNA-Werte aus solch altem Knochenmaterial isolieren können. Schon die kleinste Kontamination - ein Husten, ein Fingerabdruck - kann die spätere biochemische Analyse ruinieren. Dr. Burger nimmt die Proben tief aus dem besonders sensiblen Knocheninneren. Denn wenn überhaupt, dann sind nur dort Reste der kostbaren DNA auch nach Jahrtausenden noch immer nachweisbar. Die Chancen, so scheint es, stehen nicht so schlecht wie befürchtet.

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