Sie sind hier:

Die Deutschen und der Holocaust

Schluss mit Schlussstrich?

Die Erinnerungskultur der Deutschen galt lange als vorbildlich. Aber dennoch: Rechte Kräfte sind wieder auf dem Vormarsch. Rückt das Gedenken an den Holocaust in den Hintergrund?

Videolänge:
44 min
Datum:
05.12.2020
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 04.12.2025, in Deutschland, Österreich, Schweiz

Deutschland ist polarisiert wie lange nicht. Der Aufstieg der AfD, das Attentat von Halle, rechte Netzwerke in Polizei und Bundeswehr, Holocaustleugner in sozialen Medien und Judensterne auf Corona-Demos. Wie groß ist die Gefahr von rechts?

Was wissen die Deutschen über den Holocaust?

Eine exklusive Umfrage im Auftrag des ZDF zeigt: Das Wissen der Deutschen hat noch immer große Lücken. Zwar wissen 77% der Befragten, dass der Holocaust die Vernichtung der Juden meint. Doch knapp ein Viertel (23%) gibt eine falsche Antwort oder weiß nichts mit dem Begriff anzufangen. Jede vierte Person (26%) gesteht ihre Wissenslücken auch ein und gibt an, wenig oder nichts über den Holocaust zu wissen.

Ein nicht unerheblicher Teil der Befragten möchte mit der Vergangenheit am liebsten abschließen. Ganze 28% stimmen der Aussage zu, die Deutschen sollten einen Schlussstrich unter die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus ziehen.

Der Wissenschaftler Samuel Salzborn sieht bei vielen Deutschen ein Bedürfnis nach „kollektiver Unschuld“. Er sagt im Interview: „Es ist die größte Lebenslüge der Bundesrepublik zu behaupten, man habe die Schoa aufgearbeitet, sich mit dem Nationalsozialismus intensiv auseinandergesetzt.“

Tatsächlich denkt knapp die Hälfte der Befragten (47%), die meisten Deutschen damals hätten „nicht so viel“ bis keinerlei Schuld an der Vernichtung der Juden getragen. 81 Prozent der Befragten sagen, vom Holocaust hätten die meisten Deutschen nichts oder nichts Genaues gewusst.

Dass Antisemitismus auch im heutigen Deutschland ein Problem ist, glaubt nur eine Minderheit der Befragten. 78 Prozent der Befragten sind der Meinung, es gebe heute kaum bis keine Judenfeindlichkeit in Deutschland.

Stephan J. Kramer, Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes, sieht akuten Handlungsbedarf: „Ich fordere von der Politik, dass wir die mittlerweile drei Antisemitismusberichte im Deutschen Bundestag, die fast jährlichen Resolutionen, ernst nehmen. Wir brauchen keine Sonntagsreden, sondern wir brauchen Action.“

Der Film geht folgenden Fragen nach:

Wie gehen die Deutschen 75 Jahre nach Kriegsende mit ihrer dunklen Vergangenheit um? Ziehen sie die richtigen Lehren aus der Geschichte? Wie stark sind die Kräfte, die gar einen Schlussstrich unter die Vergangenheitsbewältigung ziehen wollen?

Der Anschlag von Halle 2019 zeigt, dass Antisemitismus in Deutschland wieder eskalieren kann. Der angeklagte Stephan Balliet hatte sich still und leise im Netz radikalisiert. Dort kursiert auch antisemitische Hetze. Der Film wirft einen Blick auf die rechte Online-Szene und zeigt, wie sie sich in der Corona-Krise auch ganz offen mit auf die Straße wagt.

Zugleich kommen auch in staatlichen Sicherheitsbehörden, in Polizei und Bundeswehr, in Justiz und Verfassungsschutz, zunehmend rechte Tendenzen ans Licht. Was lässt sich dagegen tun? Der Film begleitet junge Polizeianwärter bei einem Rundgang durch die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen. Dort wird die historische Verantwortung für die angehenden Polizisten spürbar.

Die deutsche Polizei verzeichnete 2019 so viele antisemitische Delikte wie seit 2001 nicht mehr. Um Vorurteile gegen Juden zu bekämpfen, gehen im Rahmen der Initiative „Meet A Jew“ junge jüdische Menschen wie Noam und Galina in Schulklassen und geben Einblicke in ihre Religion und ihr Leben. Die jungen Frauen wollen zeigen: Jüdisches Leben in Deutschland ist stark und vielfältig.

Wie sich der Holocaust auch kommenden Generationen vermittelt lässt, das erforscht in München ein Team von Wissenschaftlern um Anja Ballis. Das Team hat Holocaust-Überlebenden 1000 Fragen gestellt und sie mit modernster Technik als 3D-Projektionen aufgezeichnet. Für unseren Film testen erstmals Schüler die neue Technik.

Auch interessant

"Die Deutschen und der Holocaust": Berlin, Denkmal für die ermordeten Juden Europas: Eine Frau posiert vor der Kamera eines Mannes.

ZDFinfo Doku - Die Deutschen und der Holocaust 

Die Erinnerungskultur der Deutschen galt lange als vorbildlich. Aber dennoch: Rechte Kräfte sind wieder auf dem Vormarsch. Rückt das Gedenken an den Holocaust in den Hintergrund?

05.12.2020
Videolänge
44 min Doku
Eng. UT
"Traumorte: Bangkok": Tourists genießen ihre Zeit am Wat Arun Temple währen der Abenddämmerung am Ufer des Chao Phraya Flusses in Bangkok, Thailand.

ZDFinfo Doku - Traumorte: Bangkok  

Bangkok, das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Thailands, gehört zu den meistbesuchten Traumstädten der Welt. Es ist eine moderne Großstadt, die niemals schläft.

16.01.2022
Videolänge
43 min Doku
"Der Sturm auf die Bastille - Was wirklich geschah": Spielszene: Die Bastille in Paris mit mehreren Türmen ist umzingelt von Menschen mit roten Fahnen und Heugabeln.

ZDFinfo Doku - Der Sturm auf die Bastille 

Die Bastille, Staatsgefängnis und Symbol des Absolutismus. Im Juli 1789 stürmen Aufständische die Pariser Festung und nehmen das verhasste Bauwerk ein. Wie gelingt ihnen dieser Coup?

08.01.2022
Videolänge
43 min Doku
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.