Supermarkt-Apps im Check: Wie sinnvoll sind die Apps?

    FAQ

    Supermarkt-Apps im Check:Tausche Daten gegen Sonderangebote

    von Agnes Heitmann
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    Mit Smartphone-Apps versuchen Rewe, Edeka, Lidl, Netto und Co die Käufer auch digital zu locken und zu binden. Unklar ist: Wer hat mehr davon? Kunden oder Supermarktketten?

    Einkaufen im Supermarkt wird digitaler: Die Supermärkte bieten eigene Kunden-Apps an. Und Millionen Menschen nutzen sie bereits. Welche Vorteile und welche Fallen warten auf uns Kunden? Kann man damit wirklich sparen?12.01.2024 | 4:41 min
    Supermarkt-Apps sollen kleine Alltags-Helfer sein. Der oftmals langweilige Lebensmitteleinkauf kann so spannender und im besten Fall günstiger und einfacher werden. Fast alle großen Ketten bieten inzwischen eine App an - mit digitaler Einkaufsliste, Rezepten als Inspiration und Coupons und Angeboten exklusiv für die Einkäufer mit App.

    Wie funktionieren die Supermarkt-Apps?

    Die Supermarkt-Apps kann sich jede*r problemlos und kostenfrei auf das Smartphone laden. Um alle Funktionen nutzen zu können, meldet man sich an und gibt unter anderem an, in welchem Markt man regelmäßig einkauft. "Spätestens dann lohnt sich ein Blick in die Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen und die Einstellungen", sagt Simone Bueb von der Verbraucherzentrale München. Sie hat mit ihren Kolleg*innen die Apps genauer unter die Lupe genommen.
    Denn natürlich wollen auch die Supermarkt-Ketten ihren Nutzen aus den Apps ziehen. Es geht vor allem darum, möglichst viel über das Kaufverhalten der Kunden herauszufinden und sie bestmöglich an den Markt zu binden. Das funktioniert über einen einfachen Tausch: Daten gegen personalisierte Angebote.
    Zum Jahreswechsel bleiben die Preise an der Supermarktkasse hoch. Besonders die Lebensmittelpreise sind von der Inflation betroffen. Tendenziell lässt die Teuerung aber nach.04.01.2024 | 1:35 min

    Kann man dem Datensammeln widersprechen?

    Kein neues Modell. Man kennt es bereits von Bonuspunkte-Systemen wie Payback oder Deutschland Card. Viele Kunden haben sich daran gewöhnt, dass ihre Daten erfasst werden. Schließlich werde diese fast immer anonymisiert und nach einiger Zeit gelöscht.
    Trotzdem rät die Expertin der Verbraucherzentrale zu besonderer Aufmerksamkeit:

    Wenn man die Voreinstellung in der App nicht ändert, dann können Nutzungsprofile angelegt werden. Das Unternehmen sieht, was und wieviel man kauft und kann gezielt Werbung schicken.

    Simone Bueb, Verbraucherzentrale München

    Entscheidet man sich nicht aktiv dagegen, kann die App auch beispielsweise auf Daten von Kamera, Mikrofon oder Standortbestimmung zugreifen und gegebenenfalls an Dritte weitergeben. So können Daten die EU verlassen und eine Nutzung ist kaum noch nachvollziehbar. "Wenn ich die App wirklich nutzen will, dann sollte ich so viele Daten wie möglich ausschalten", rät darum die Expertin.
    Trotz eines holprigen Starts bei der Einführung vor fünf Jahren ist Apple Pay mittlerweile die beliebteste digitale Bezahlmethode an Kassen. Experten warnten vor Akzeptanzproblemen.11.12.2023 | 1:32 min

    Was bringen die Apps?

    Aufgebaut sind alle Apps ähnlich. Für viele Nutzer das Wichtigste: die Angebote und Coupons. Sie werden besonders präsent angezeigt. Außerdem weisen die Apps Punktestände von Treue- oder Partnerprogrammen aus. Netto, Edeka und Rewe arbeiten dabei beispielsweise mit Payback und Deutschland Card zusammen. Auch hier werden Daten weitergegeben. Andere Apps wie die von Lidl bieten über Partner weitere Angebote für die Nutzer. So werden zum Beispiel rabattierte Reisen, Handytarife oder Versicherungen vorgeschlagen.

    Einkaufen in Shops aus China
    :Shopping-Erfahrungen bei Temu mangelhaft

    Die Shopping-Plattform Temu wirbt massiv auf Instagram oder TikTok. Die Ware ist billig, teilweise kostenlos. Viele Produkte sind mangelhaft, wie ein ZDF-Test zeigt.
    von Sven-Hendrik Hahn
    Eine Person hält ein Handy mit der App Temu in den Händen.
    mit Video
    Neben exklusiven Angeboten gibt es in allen Apps die aktuellen Prospekte, Rezeptvorschläge, digitale Einkaufslisten und Bezahlfunktionen. Um mit dieser direkt an der Kasse bezahlen zu können, müssen die Nutzer ihre Girokonto- oder Kreditkarten-Informationen angeben. Mit einem QR-Code auf dem Smartphone-Bildschirm kann man dann an der Kasse bezahlen. Die Rewe-App bietet zudem eine Scan-and-Go-Funktion, bei der der Kunde direkt seine Waren einscannt und sich den Gang zur Kasse ganz sparen kann.

    Einkaufserlebnis der Zukunft



    Lohnen sich die Supermarkt-Apps?

    Die Apps bieten exklusive Sparangebote. Das steht außer Frage.

    Man kann mit den Apps schon sparen, aber man spart nicht so viel, dass sich allein deswegen die App lohnt.

    Simone Bueb, Verbraucherzentrale München

    Bueb rät dazu, Angebote zu vergleichen. Denn das passiert vermutlich weniger, wenn man nur eine App hat oder zwischen mehreren wechseln muss. Außerdem verleiten die Angebote manchen vielleicht dazu mehr zu kaufen, weil die Werbung sehr präsent ausgespielt wird und man ständig mit der App interagieren kann. Sparpotential bieten die Apps - wieviel Daten man dafür hergeben möchte, muss der Nutzer entscheiden.

    • Eine Einkaufsliste anlegen und sich so gut es geht daran halten.
    • Nicht hungrig einkaufen gehen.
    • Vorher die Angebote verschiedener Supermärkte vergleichen.
    • Regional und saisonal kaufen.
    • Günstigere Produkte stehen oft unten im Regal.
    • Angebote hinterfragen und sich überlegen, was man wirklich braucht.
    • Rote Schilder und durchgestrichenen Preise müssen kein gutes Angebot sein.
    • Grundpreise (pro Kilogramm oder 100 Gramm) beachten. Diese machen unterschiedliche Packungsgrößen vergleichbar.

    Agnes Heitmann ist Redakteurin der ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich".

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