ZDF-Geschäftsleitung:Biografie Dr. Norbert Himmler
Weiterführende biografische Angaben zu ZDF-Intendant Dr. Norbert Himmler.
ZDF-Intendant Dr. Norbert Himmler
Quelle: ZDF/Tim ThielAm 2. Juli 2021 wurde Norbert Himmler vom ZDF-Fernsehrat mit 57 der 60 Stimmen zum Intendanten gewählt. Als Nachfolger von Thomas Bellut übernahm Himmler sein Amt zum 15. März 2022. Am 13. März 2026 wurde Norbert Himmler als Intendant des ZDF vom Fernsehrat wiedergewählt. Als Intendant trägt Norbert Himmler die Gesamtverantwortung für die Geschäfte des ZDF sowie die Gestaltung der Angebote. Er hat zudem den Vorsitz im Direktorium des ZDF inne. Die Tätigkeit des Intendanten wird durch den Fernsehrat und den Verwaltungsrat kontrolliert; der Verwaltungsrat überwacht sie insbesondere in Haushaltsfragen. Für das ZDF arbeiten mehr als 6.000 festangestellte und freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Strategieprozess
Mit seinem Amtsantritt als Intendant im Jahr 2022 startete Norbert Himmler den unternehmensweiten Reformprozess "Ein ZDF für alle". Im Zuge dessen richtete sich das ZDF inhaltlich, strukturell und organisatorisch auf die Veränderungen der Medienlandschaft und der Mediennutzung aus. Der Prozess berücksichtigt sowohl das Programm und seine Verbreitung als auch die Weiterentwicklung des ZDF als Unternehmen. Er gliedert sich in sechs miteinander verbundene Themenfelder:
1. Akzeptanz in der Gesellschaft stärken
Dazu will das ZDF noch transparenter arbeiten, mehr Möglichkeiten zur Beteiligung schaffen und in seinem Programm die unterschiedlichen Interessen innerhalb der Gesellschaft noch stärker abbilden. Die Angebote sollen in ihrer Gesamtheit möglichst viele Menschen erreichen und zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts beitragen.
2. Klare Positionierung im Wettbewerb
Gegenüber internationalen Plattformen soll das ZDF ein unverwechselbares öffentlich-rechtliches Profil zeigen, das für hohe Nachrichtenkompetenz, staatsferne und unabhängige Berichterstattung sowie Unterhaltung mit Anspruch steht.
3. Zukunftsweisende Distributionsstrategie
Die ZDF-Inhalte sollen ihr jeweiliges Publikum über unterschiedliche Ausspielwege erreichen. Mit der neuen Direktion Audience werden Planung und Distribution stärker miteinander verknüpft, die Barrierefreiheit wird ausgebaut und die Reichweite innerhalb der Gesellschaft erhöht.
4. Partnerschaften stärken im globalen Wettbewerb
Durch internationale und technische Zusammenarbeit sollen deutsche und europäische Produktionen gestärkt und ihre Möglichkeiten auf internationalen Märkten verbessert werden. Auch auf technischer Ebene setzt das ZDF auf Kooperationen.
5. Das ZDF als attraktiver Arbeitgeber
Im Mittelpunkt stehen eine moderne Unternehmenskultur und Arbeitswelt, gelebte Diversität sowie die Gewinnung und Bindung qualifizierter, kreativer Fachkräfte.
6. Das ZDF als modernes Medienunternehmen führen
Dazu gehören eine zukunftssichere Finanzierung, eine höhere Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sowie Organisationsstrukturen und eine Ressourcenverteilung, die an den strategischen Zielen ausgerichtet sind. Das ZDF verteidigt seine Unabhängigkeit und entwickelt seine Strukturen mit Blick auf die gegenwärtigen und künftigen Anforderungen weiter.
Inhalte- und Markenstrategie
Da der unter Norbert Himmler gestartete Reformprozess "Ein ZDF für alle" darauf zielt, möglichst allen Menschen in Deutschland ein Angebot zu machen, hat das ZDF seine Inhalte-, Angebots- und Distributionsstrategien weiterentwickelt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf jüngeren und bislang schwerer erreichbaren Publikumsgruppen. Die Inhalte werden verstärkt plattformübergreifend im ZDF-Streamingportal, auf Drittplattformen sowie über die digitalen Angebote ZDFneo und ZDFinfo verbreitet. In diesem Zuge werden ZDF-Kernmarken als verlässliche Qualitätsangebote für jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer gestärkt.
Umschichtungen im Programm und erste Erfolge
Bis Ende 2024 schichtete das ZDF 100 Millionen Euro seines Programmbudgets zugunsten jüngerer Zielgruppen um. Programmdirektion und Chefredaktion investierten die Mittel insbesondere in die Entwicklung neuer, für die Streamingnutzung optimierter Formate. Mit Blick auf das Ziel, Publikumsgruppen zu erreichen, die bislang seltener Kontakt mit den ZDF-Angeboten haben, zeigten die Maßnahmen bis Mitte 2025 sowohl in der quantitativen Nutzung als auch in der Wahrnehmung der Nutzerinnen und Nutzer erste positive Tendenzen.
Gründung der Direktion Audience
Im Rahmen des Reformprozesses bündelte das ZDF zum 1. Januar 2025 die Portfoliosteuerung, Planung und Distribution sowie Teile der programmbezogenen Kommunikation in der neu geschaffenen Direktion Audience. Die neue Direktion vereint u. a. die bisherigen Hauptabteilungen Programmplanung und Digitale Medien, die Koordinationen ZDFneo und 3sat sowie Planungseinheiten von ZDFinfo und ZDFtivi/KiKA. Die Direktion Audience umfasst rund 450 Mitarbeitende; mittelfristig erwartet sich das ZDF von der veränderten Organisationsstruktur Effizienzgewinne und Einsparungen bei Personalkosten.
Reformprozess 2028: Ausblick
Im Rahmen seiner Wiederwahl im Jahr 2026 stellte Norbert Himmler seine Pläne für die strategische Ausrichtung des ZDF bis 2028 vor. Er kündigte an, die programmlichen Umschichtungen bis 2028 fortzusetzen und sie mit einer weiteren Stärkung des Streamingportals sowie zusätzlichen Distributions- und Marketingmaßnahmen zu verbinden. Auf Grundlage der Bilanz der ersten Phase des Reformprozesses "Ein ZDF für alle" aktualisierte das ZDF die Maßnahmen zur Umsetzung seine Unternehmensziele. Die sechs strategischen Themenfelder bleiben im Wesentlichen bestehen, wurden jedoch mit neuen Zielbildern verbunden:
Das Themenfeld "Akzeptanz in der Gesellschaft" formuliert den Anspruch, nah an den Menschen zu sein und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Dazu fördert das ZDF den Dialog mit der Gesellschaft, baut seine Präsenz vor Ort aus und trägt mit verlässlichen Informationen, Einordnung und Hintergrundberichterstattung dazu bei, dass sich die Menschen eine eigene Meinung bilden können. Zugleich verstärkt es sein Engagement für die Förderung von Medienkompetenz, die angesichts der dynamischen Medienentwicklung eine wesentliche Voraussetzung für demokratische Meinungsbildung ist. Das Themenfeld "Publizistischer Mehrwert" steht für vielfältige Perspektiven und unvoreingenommene Berichterstattung, eine größere Vielfalt im Programm, die Sichtbarkeit aller Teile Deutschlands und mehr Transparenz hinsichtlich der eigenen Arbeitsweisen und Programmentscheidungen. Die "Zukunftsweisende Distributionsstrategie" soll die ZDF-Inhalte so verbreiten, dass möglichst viele Menschen sie nutzen können. Dazu gehören die Weiterentwicklung von ZDFneo und ZDFinfo in den nonlinearen Raum, der Einsatz geeigneter Technologien und KI, die gezielte Nutzung von Drittplattformen, starke ZDF-Marken und der weitere Ausbau der Barrierefreiheit. Unter dem Themenfeld "Partnerschaften stärken" baut das ZDF seine Zusammenarbeit mit Kultur, Wissenschaft und Zivilgesellschaft ebenso aus wie internationale Allianzen und Partnerschaften mit der deutschen Kreativbranche und anderen Qualitätsmedien. Als "Attraktiver Arbeitgeber" stärkt das ZDF eine moderne, ergebnisorientierte und vielfältige Unternehmenskultur, in der Mitarbeitende ihre Potenziale entfalten, ihre Kompetenzen weiterentwickeln und neue Herausforderungen annehmen können. Im Rahmen des Themenfeldes "Modernes Medienunternehmen" richtet das ZDF schließlich seine Organisationsstrukturen, Arbeitsweisen und Ressourcen konsequent an den strategischen Zielen aus, stärkt die Resilienz der Organisation und ihrer Mitarbeitenden und orientiert sich hierbei an den zentralen Leitprinzipien von Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit.
Transparenzoffensive
Veröffentlichung Quellcodes des Empfehlungssystems
Seit Norbert Himmlers Wahl zum Intendanten hat das ZDF verschiedene digitale Transparenzoffensiven gestartet – darunter die Veröffentlichung der Quellcodes des Empfehlungssystems des ZDF-Streamingportals. Damit macht das ZDF die Algorithmen seiner zentralen Ausspielplattform für jeden zugänglich.
Umgang mit generativer KI
Im Herbst 2023 verabschiedete das ZDF unter Himmlers Leitung erstmals selbstverpflichtende Grundsätze für den redaktionellen Umgang mit generativer KI. In mittlerweile zehn Punkten wird das Thema Künstliche Intelligenz eingeordnet. Die wichtigste Botschaft: Generative KI-Tools können die Arbeit der Redaktionen unterstützen, aber nicht ersetzen.
Kooperationen
Streaming OS
Gemeinsam treiben ARD und ZDF die Initiative "Streaming OS" voran: eine arbeitsteilige, teils als Open Source angelegte technologische Zusammenarbeit für zentrale Komponenten ihrer Streaming-Angebote (u. a. Player, Login und Designsystem). Vorgesehen ist die Gründung einer gemeinsamen, rechtlich selbstständigen Tochtergesellschaft für den technischen Betrieb des Plattformsystems (mit Federführung bei der ARD) und ein gemeinsames OS-Office für Entwicklung/Koordination (mit Federführung beim ZDF). Ziel sind Effizienz, digitale Souveränität und ein nutzerzentriertes, plattformübergreifendes Nutzungserlebnis. Im Unterschied zu kommerziellen Plattformen gibt es ein Empfehlungssystem für angemeldete Nutzerinnen und Nutzer, das auf transparenten öffentlich-rechtlichen Algorithmen basiert sowie einen sorgfältigen und sparsamen Umgang mit Daten. ZDF und ARD verstehen sich als "Enabler" für Markt und Gesellschaft. Kultureinrichtungen, aber auch kleinere kommerzielle Akteure, haben durch diese Open-Source-Initiative die Möglichkeit, einfacher als bisher eigene Plattformen zu bauen oder weiterzuentwickeln.
Public Spaces Incubator
Seit Anfang 2023 arbeitet das ZDF gemeinsam mit internationalen Partnern aus Kanada (CBC), der Schweiz (SRG), Belgien (RTBF) und der gemeinnützigen Initiative New Public an dem Forschungsprojekt "Public Spaces Incubator". Ziel ist es, online-basierte Lösungen zu entwickeln, um bürgerliches Engagement und den demokratischen Diskurs im digitalen Raum abseits von Hasskommentaren und zunehmender Desinformation zu ermöglichen. Kommerzielle Aspekte spielen dabei keine Rolle. Erste Prototypen stellte ZDF-Intendant Norbert Himmler im Rahmen des OMR Festivals 2024 im Gespräch mit dem Digitalexperten Sascha Lobo vor. In der Folge wurde der "Public Spaces Incubator" bereits mehrere Male getestet. Beispielsweise nutzen die "logo!"-Kindernachrichten und der KiKA das Tool plattformübergreifend im Rahmen der Fußball-WM 2026.
Global Task Force for public media
Seit Dezember 2024 ist ZDF-Intendant Norbert Himmler Vorsitzender der "Global Task Force for Public Media", eines 2020 gegründeten internationalen Netzwerks führender öffentlich-rechtlicher Medien. Gemeinsam mit den Führungsspitzen von BBC (Großbritannien), France Télévisions (Frankreich), CBC/Radio-Canada (Kanada), ABC (Australien), SVT (Schweden) und RNZ (Neuseeland) setzt er sich dafür ein, die Werte und Interessen öffentlich-rechtlicher Medien weltweit zu verteidigen und ihre Zusammenarbeit zu stärken. Im Mittelpunkt stehen der Schutz des unabhängigen Journalismus und der Pressefreiheit sowie journalistische Grundsätze wie Genauigkeit, Unparteilichkeit, Verantwortlichkeit und hohe redaktionelle Standards. Die "Global Task Force" nimmt gemeinsam Stellung zu internationalen Gefährdungen der Medienfreiheit und zu Herausforderungen für öffentlich-rechtliche Medien. Unter Himmlers Vorsitz betont die GTF insbesondere deren Bedeutung für die Verbreitung verlässlicher Informationen, die Bekämpfung von Desinformation, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die demokratische Widerstandsfähigkeit.
Internationale Format- und Angebotsentwicklung
Unter der Intendanz von Norbert Himmler hat das ZDF seine internationalen Kooperationen hinsichtlich Entwicklung und Produktion fiktionaler Inhalte ausgebaut. Mit "New8" schloss sich das ZDF 2023 mit sieben weiteren öffentlich-rechtlichen Sendern aus Nord- und Westeuropa zusammen, um gemeinsam hochwertige Dramaserien zu entwickeln und zu koproduzieren. Es handelt sich um die bislang größte europäische Allianz zur Koproduktion von Serienstoffen. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, gesellschaftliche Vielfalt über Ländergrenzen hinweg abzubilden, europäische Erzählperspektiven zu stärken und kreative Projekte durch einen verlässlichen Finanzierungsrahmen zu ermöglichen. Das ZDF übernimmt dabei auch die Federführung für eigene Serienprojekte, darunter "PUSH“ und "Recipes For a Nervous Breakdown". Daneben setzt der Sender seine etablierten Kooperationen mit der BBC sowie innerhalb der "European Alliance" mit France Télévisions und RAI fort. Auf diese Weise sollen europäische Stoffe gebündelt entwickelt, international verbreitet und gegenüber den Angeboten globaler Streamingplattformen gestärkt werden.
ZDF goes Schule
Dein ZDF:ZDF goes Schule
Im Rahmen des Strategieprozesses "Ein ZDF für alle" startete im Oktober 2024 die Bildungsinitiative "ZDF goes Schule". Mit der Initiative baut das ZDF sein Engagement für die Bildung von Kindern und Jugendlichen weiter aus. Unter schule.zdf.de bündelt der Sender kuratierte Bildungsinhalte aus seiner Markenwelt, darunter Lernvideos und Dokumentationen zu zahlreichen Unterrichtsfächern. Das Angebot reicht von politischer Bildung und Medienkompetenz über Geschichte und Gesellschaft bis zu Naturwissenschaften und wird durch Unterrichtsmaterialien, Arbeitsblätter sowie frei nutzbare Erklärvideos unter Creative-Commons-Lizenz ergänzt. Darüber hinaus hat das ZDF ein bundesweites Partnerschulnetzwerk aufgebaut, das Schulen durch Besuche von Programmmachenden, Backstage-Angebote, Mitmachaktionen und ein Sounding Board den direkten Austausch mit dem Sender ermöglicht. Kooperationen mit Bildungsinstitutionen dienen unter anderem der Fortbildung von Lehrkräften sowie der Vermittlung von Nachrichtenkompetenz und dem Umgang mit Desinformation.
Weitere Ämter
Seit April 2022 ist Norbert Himmler Mitglied im Verwaltungsrat des Deutschlandradios. Er ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Aktion Mensch sowie des Kuratoriums der Stiftung Lesen.
Quellen
ZDF-Intendant
Strategieprozess
Transparenzoffensive
Umgang mit generativer KI
Kooperationen
Weitere Ämter