Faszination Wasser - Palau - Inselwelten des Pazifiks
Die Pazifikinseln brachten Hochkulturen hervor, boten Schutz für Gestrandete – und sind Heimat für einzigartige Tiere und Pflanzen. Was macht Inseln wie Palau so besonders? Das will Meeresforscher Uli Kunz für "Terra X" herausfinden.
Die Pazifikinseln brachten Hochkulturen hervor, boten Schutz für Gestrandete – und sind Heimat für einzigartige Tiere und Pflanzen. Was macht Inseln wie Palau so besonders? Das will Meeresforscher Uli Kunz für "Terra X" herausfinden.
Uli Kunz entdeckt verborgene Seen mit bizarren Tieren, erforscht geheimnisvolle Wracks aus dem Zweiten Weltkrieg, lernt die uralte Kunst der Navigation nach den Sternen und erfährt, wie Inseln entstehen.
Palau - einst deutsche Kolonie
Die Quallen-Seen von Palau sind inzwischen weltberühmt. Vom Meer isoliert, entwickelten sich in diesen Gewässern nicht-nesselnde Quallen und Fische, die noch nie einen Fressfeind gesehen haben. Palau hat es dem Meeresforscher Uli Kunz besonders angetan: Dort beobachtet er die Massenhochzeit der Papageifische, versucht die Wanderbewegungen der Mantas zu verstehen und bewundert das Ökosystem, das sich an einem Wrack aus dem Zweiten Weltkrieg gebildet hat. Denn Palau – einst deutsche Kolonie – war später Schauplatz im Pazifikkrieg.
An die 30.000 Inseln gibt es im Pazifik – mehr als in jedem anderen Ozean. Palau liegt im westlichen Pazifik und gehört zu Mikronesien, einer der drei großen Regionen Ozeaniens. Inseln sind für die Forschung besonders interessant. Wie schon Charles Darwin anhand der Galapagos-Finken herausfand, bilden sich auf ihnen oft einzigartige Arten. Auf Palau ist die Palaufruchttaube nationales Symbol der Insel: Es gibt sie nur hier. Die Isolation begünstigt Phänomene wie den Inselgigantismus – eindrucksvolles Beispiel ist der Komodowaran – oder Inselverzwergung, ein Beispiel hierfür ist der durchschnittlich nur zweieinhalb Meter große Borneo-Zwergelefant. Auf Inseln finden sich auch Spuren uralter menschlicher Baukunst: Auf Palau etwa stehen geheimnisvolle, 2000 Jahre alte Erdpyramiden, während auf der Osterinsel polynesische Siedler tonnenschwere Steinstatuen errichteten.
Eines der größten Meeresschutzgebiete der Erde
Die Inseln Palaus sind Teil einer alten vulkanischen Inselkette, die vor 40 bis 20 Millionen Jahren entstand. Später überzogen Korallen die erloschenen Vulkane. Ihre Kalkablagerungen prägen noch heute das Gesicht der Insel. Fast alle Inseln Palaus liegen innerhalb eines Lagunensystems, umgeben von einem riesigen Barriere-Riff. In seinem Schutz konnten sich einzigartige Ökosysteme entwickeln. Nicht zuletzt dank der Umweltpolitik der Inselregierung: 2015 erklärte sie das gesamte Meeresgebiet rund um Palau zu einem der größten Meeresschutzgebiete der Erde. Mehr als 1400 Fischarten kommen dort vor, hunderte von Korallenarten und 60 verschiedene Haie und Rochen. Die Inseln Hawaiis entstanden dagegen aus einem sogenannten vulkanischen Hotspot heraus. Dort speien die Vulkane immer noch Feuer.
Interview mit Uli Kunz
Was hat Sie in Palau am meisten fasziniert?
Uli Kunz: Charakteristisch für Palau sind die so genannten "Rock Islands" im Süden der großen Insel Babeldaob. Die spektakulären, teilweise pilzförmigen Kalksteinfelsen ragen hoch aus dem blaugrünen Meer auf und sind von dichtem Dschungel überzogen.
Gab es während der Drehs in Palau einen Moment unter Wasser, der sich Ihnen besonders eingeprägt hat?
Palau ist bekannt für seine Korallenriffe, die von großen Mantas und vielen Haien besucht werden. Dort tummeln sich naturgemäß auch viele Tauchtouristen. Aber im Inneren der Felseninseln befinden sich sogenannte Meeres-Seen, abgeschlossene Lagunen und Tümpel, die manchmal durch Höhlen betaucht werden können, aber auch teilweise nur durch waghalsige Klettertouren durch steile Korallenfelsen. In diesen Meeres-Seen ist die Zeit stehengeblieben.
Die Gewässer rund um Palau gelten als eines der bestgeschützten Meeresgebiete der Welt. Wie kommt es, dass ein kleiner Staat wie Palau seine Gewässer effektiv schützen kann, während wir das zum Beispiel bei Nord- und Ostsee deutlich schlechter hinbekommen?
Die Menschen auf Palau haben einen anderen Bezug zum Meer als wir. Der Großteil des Staates besteht aus Wasser. Die Lebensgrundlage der Menschen ist unter anderem die Fischerei und der Tourismus. Damit wird zwangsläufig ein Bewusstsein entwickelt, dass gesunde Korallen und ein lebender Hai viel mehr wert sind als ein totes Tier.
Welche Bedrohungen für die Unterwasserwelt Palaus sind derzeit am gravierendsten?
Der Klimawandel und der damit verbundene Anstieg der Wassertemperatur sind die größte Bedrohung für die Korallenriffe rund um Palau. Fische scheint es noch viele zu geben, allerdings habe ich keinen Vergleich, wie die Situation vor einigen Jahrzehnten war.
Was war die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten unter Wasser?
Als wir die Hochzeit der großen Büffelkopf-Papageifische beobachten wollten, haben wir gemerkt, dass dieses Phänomen schon lange kein Geheimtipp mehr ist: An einem Tag waren wir gleichzeitig mit cirka 100 Tauchern im Wasser. Bei den Mantas im sogenannten German Channel kann das ebenfalls passieren. Wir hatten aber die Möglichkeit, mit unseren lokalen Partnern vor Ort so lange zu warten, bis die Tauchboote wieder weg waren. Auch wenn der Zeitpunkt und die Richtung der Strömung dann vielleicht nicht mehr perfekt waren, konnten wir die Mantas in Ruhe filmen.
Warum ist es so wichtig, Meeresschutzgebiete einzurichten?
In Gebieten, in denen die Fischerei komplett untersagt wird, können sich viele Fischarten und das Leben am Meeresboden wieder erholen. Es ist mehrfach gezeigt worden, dass solche Lebensräume widerstandsfähiger gegenüber den aktuellen Bedrohungen wie Klimawandel und Artensterben sind. Darüber hinaus werden Lebewesen nach ihrer Erholung auch in benachbarte Gebiete wandern. Damit könnte die Fischerei dort wieder nachhaltig betrieben werden. Am Ende haben alle etwas davon.
Das Interview führte Ricarda Schlosshan, "Terra X".
Sendungsinfos
Faszination Wasser: Palau – Inselwelten des Pazifiks
Streamen ab 29. April 2026
TV-Erstausstrahlung ZDF: 3. Mai 2026
Film von Jakob Kneser
Redaktion TV Ricarda Schlosshan
Redaktion Online Michael Büsselberg
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